Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.08.2014

16:28 Uhr

Das sagen die Leser

„Für Schäden sollte die Schufa haften“

VonSara Zinnecker

Der Selbsttest unserer Redaktion hat gezeigt: Fünf von zehn Schufa-Auskünften waren fehlerhaft – keine gute Quote. Auch Leser hadern mit den Bonitätswächtern der Schufa – und diskutieren, wie man es besser machen könnte.

Fehlerhafte Auskünfte können bei der Schufa vorkommen. Handelsblatt Online Leser haben Ideen, wie sich dies vermeiden ließen. dpa

Fehlerhafte Auskünfte können bei der Schufa vorkommen. Handelsblatt Online Leser haben Ideen, wie sich dies vermeiden ließen.

DüsseldorfWie genau arbeitet eigentlich die Schufa – jene Auskunftei, bei der sich Banken und Unternehmen über die Kreditwürdigkeit einzelner Kunden erkundigen können? Dieser Frage ist Handelsblatt Online Redakteur Jens Hagen in dieser Woche nachgegangen. Die dreiteilige Serie brachte zum Teil erhebliche Mängel bei den Schufa-Auskünften ans Licht. So hat etwa der Selbsttest innerhalb der Handelsblatt Online Redaktion gezeigt:

Von zehn angefragten kostenpflichtigen Auskünften waren fünf fehlerhaft – keine gute Quote. Einer guten Schuldnerin wurde ein Immobilienkredit verweigert – warum, bleibt Spekulation. Heraus kam außerdem: Die kostenlose Selbstauskunft ist viel aussagekräftiger als die kostenpflichtige Variante.

Die zahlreichen Reaktionen und Diskussionen der Handelsblatt Online Leser haben uns gezeigt: Die Schufa geht jeden etwas an. Klar wurde: Teilweise haben auch Leser schlechte Erfahrungen mit Deutschlands größter Auskunftei gemacht. Thomas S. etwa berichtet von wiederholten Fehlern in der Auskunft. 2010 seien zwei „komplett falsche Merkmale“ enthalten gewesen. Drei Jahre später seien von zehn Merkmalen fünf unvollständig oder falsch gewesen – auch hier überzeugt die Quote nicht.

Diese Daten verwendet die Schufa in ihrem Score

Das Verfahren

Um die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der ein Kredit ausfällt, erstellt die Schufa einen Prozentwert, den so genannten „Schufa-Score“. Hat jemand zum Beispiel einen Wert von 85 Prozent, so beträgt dessen Kreditausfallwahrscheinlichkeit 15 Prozent. Für ihr Scoring verwendet die Wirtschaftsauskunftei eine Vielzahl von Daten. Generell gilt: Nicht jede Information fließt auch in die Berechnung ein. Und: Auch, wenn bestimmte Daten über eine Person nicht vorliegen, können sie deren Score beeinflussen. Ein Überblick.
Quelle: Anhang einer Schufa-Verbraucherauskunft

Allgemeine Daten

Zu den allgemeinen Daten, die in den Schufa-Score einfließen, zählen zum Beispiel das Geburtsdatum und das Geschlecht. Zudem erfasst die Auskunftei die Anzahl der Adressen, welche die Person in ihrem Geschäftsverkehr mindestens einmal verwendet hat.

Kreditaktivität des letzten Jahres

Hierbei ermittelt Schufa ob und wie viele Kreditgeschäfte innerhalb der letzten 12 Monate eine Person angefragt und abgeschlossen hat.

Zahlungsstörungen

Zu den Zahlungsstörungen, die in den Schufa-Score einfließen, zählen nicht nur geplatzte Kredite. Auch, wer seine Handyrechnungen und die Bestellungen bei Einzelhändlern nicht pünktlich zahlt, riskiert einen schlechteren Schufa-Score. Neben der Art der unerfüllten Kredite achtet die Auskunftei auch auf deren Anzahl: Je mehr unbezahlte Rechnungen sich stapeln, umso schlechter die Bonität.

Häufigkeit der Kreditnutzung

Wie oft und welche Art von Krediten eine Person in Anspruch nimmt, erfasst die Schufa ebenfalls. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Informationen beim Scoring berücksichtigt werden, steigt, je mehr Unternehmen dem Schuldner Kredit gewähren.

Die Länge der Kreditnutzung

Hierbei untersucht die Auskunftei die Laufzeit der Kredite, die eine Person bedient. Dabei deute eine lange Laufzeit auf viel Erfahrung im Umgang mit finanziellen Verpflichtungen, so die Auskunftei.

Anschriftendaten

In der Regel verwendet die Schufa bei ihrem Scoring keine Bewertung der Anschrift des Kreditnehmers. Wenn jedoch nur wenige Informationen zur Person vorliegen, verwendet die Auskunftei Informationen aus der direkten Umgebung der Anschrift. Text: Julia Rotenberger.

Die registrierte Nutzerin Monika Eichner erkennt in den fehlerhaften Auskünften der Schufa jedoch ein „klassisches Dilemma“. Denn: Nur zwei Möglichkeiten stünden zur Verfügung, um Datenlücken zu verhindern, beide in den Augen der Leserin „wenig verlockend“. Die Wahl bestehe zwischen „Überwachung pur“ – alle müssen alles melden. Oder „Auflösung der Schufa“, was gar keiner Überwachung gleichkommt.

Timo Beil kommt angesichts dieses Dilemmas zu dem Schluss, dass Unternehmen die Schufa-Auskunft ihrer Kunden zumindest hinterfragen, und ihr nicht blind vertrauen sollten. „Mir wäre es lieber, wenn jeder Fall von jedem Unternehmen einzeln überprüft wird“, schreibt Beil. Allerdings weiß auch er, dass dies vermutlich Wunschdenken ist. Denn: „Dafür haben Unternehmen keine Zeit oder Lust“.

Banken hätten vor allem keine Kapazitäten mehr für Einzelprüfungen, schlägt sich Leser Ben Hu auf die Seite der Kreditinstitute. Gehe es nach den Kunden, müssten Banken immer „billig, billig, billig“ sein – dann bleibe eben kein Geld, um Kredite einzeln zu prüfen. Karsten Schiefelbein kann das Verhalten der Banken verstehen, so lange es um Warenkredite geht.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ohne Sorge

08.08.2014, 18:30 Uhr

Wenn ich das richtig sehe muss jedes Unternehmen, das eine Meldung an die Schufa macht, für die Richtigkeit haften. Leider ist es recht umständlich über die Schufa erst einmal den Namen der Unternehmen zu erfahren. Da wäre es schon besser, wenn die Schufa listen würde, von wem sie Negativmeldungen bekommen hat, oder ob der Score rein aufgrund von Parametern, die die Ähnlichkeit zu anderen Kreditnehmern heranziehen, entstanden ist. Das sollte statistisch leicht möglich sein und würde im Grunde ausreichen, um große Fehler aufzudecken. Das zweite Problem ist leider, nachzuweisen, welcher Schaden einem entstanden ist. Meist kann man nur den Schaden in Form von Rechtsanwaltskosten einklagen gegenüber dem Unternehmen. Für Telekommunikationsunternehmen, die ja gerade sehr aktiv dort sind, ist aber selbst ein verlorener Prozess leicht aus der Portokasse zu zahlen, solange nur sehr wenige wirklich dagegen vorgehen. Daher ändert sich nicht viel...

Herr Thomas Melber

08.08.2014, 19:08 Uhr

Selbst das Weiterverbreiten dürfte schon strafbewehrt sein und zu Schadenersatz verpflichten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×