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07.05.2012

09:43 Uhr

Debeka-Chef Laue

"Die PKV muss versuchen, sauber zu bleiben"

VonThomas Schmitt

ExklusivDer größte private Krankenversicherer beklagt, dass Einzelfälle die ganze Branche in Misskredit bringen. Im Interview mit Handelsblatt Online beurteilt Debeka-Chef Uwe Laue die Überlebenschancen der PKV aber dennoch gut.

Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen. dpa

Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen.

Herr Laue, was ist das größte Problem der privaten Krankenversicherung?
Die öffentliche Wahrnehmung! Wenn man sich die Debatte um die private Krankenversicherung (PKV) anschaut, könnte man den Eindruck haben, dass sich die Lage der Branche dramatisch verschlechtert hat. Das ist jedoch nicht so.

 

Was übersehen Ihre zahlreichen Kritiker aus der Opposition, den Krankenkassen und dem Verbraucherschutz?

Das gegliederte System in der Krankenversicherung ist wichtig für die Qualität der Gesundheitsvorsorge im Lande. Das Gesundheitswesen lebt davon, dass ein Teil höhere Preise nehmen kann. Doch das ist den Kritikern schwer klar zu machen.

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Leichter ist es da, auf Fehler in der Branche zu verweisen?

Natürlich, in der Branche wurde nicht alles richtig gemacht. Die Exzesse bei den Provisionen für Vermittler sind ein Beispiel. Doch da haben wir zusammen mit der Politik Lehren gezogen und Veränderungen umgesetzt. Die Beitragssteigerungen bei einzelnen Unternehmen sind spektakulär, aber nicht repräsentativ. Einzelfälle sorgen für eine verzerrte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

 

Nicht jeder Anbieter von privaten Krankenversicherungen hat eben so viele kostengünstige Beamte im Bestand und zahlt so wenig Provision für Abschlüsse wie die Debeka?
Das ist richtig. Unsere Beitragssteigerungen liegen deutlich unter dem Schnitt der Branche. Und bei den Provisionen sind wir meilenwert entfernt von dem, was anderswo an Vermittler gezahlt wird. Doch auch wir werden für die Fehler anderer haftbar gemacht.


Kommentare (12)

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LaueramLauesten

07.05.2012, 11:02 Uhr

Doch herr Laue.Sie hat sich für die PKV nicht verschlechtert, sondern nur für die Beitragszahler. Die sog. Nichtversicherten bereiten Ihnen nun Sorge.

Die zahlen nämlich ihre Prämien nicht und sie müssen dennoch leisten.

So einfach ist das Herr Laue.

Aber die Beiträge zahlen ja nicht Sie.

Setzen, Note 6, Herr Laue.

hanji

07.05.2012, 13:23 Uhr

Herr Laue sagt: "Alle Erfahrungen mit staatlich organisierten Einheitssystemen zeigen, dass es früher oder später zur Rationierung ... kommt. Nicht umsonst haben wir in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme weltweit."
Da bin ich platt! In den Industrieländern Ostasiens gibt die von ihm kritisierten staatlichen Einheitssysteme, die dort gut funktionieren. Dort sind nebenbei auch die Gesundheitssysteme selbst deutlich besser als in Deutschland. Für den Patienten wohlgemerkt, und nicht wie bei uns "am besten für Pharmaindustrie, Kassenärzte und Klinikträger". Ohne die Praxis in Japan und Singapur genau zu kennen: Für Südkorea, wo ich 5 Jahre als Arbeitnehmer gelebt habe und bis heute mit Freuden das dortige Gesundheitswesen in Anspruch nehme (wenn ich auf Reisen bin), kann ich das aus eigener Anschauung bestätigen. Es stimmt, dort wird mehr "rationiert" als hier, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer insgesamt unter 10% Beitragssatz bleiben. Aber die maßvollen Selbstbehalte und die separat zu versichernden Sonder-Risiken sind für den Normalbürger verkraftbar und werden ohne endlose Streiterein wie bei uns akzeptiert. Die Prinzipien: Wohl dosierte Eigenverantwortung statt Vollkasko-Mentalität; Transparenz durch sofortige Rechnung und Bezahlung vor Ort statt Selbstbedienungsparadies für die Leistungserbringer. Von den PKV-Marktführern wie Debeka erwarte ich, dass sie sich endlich ohne Konfliktscheu für mehr Qualität und Kundenorientierung, für weniger Korruption und Verschwendung in unserem maroden System einsetzen.

LudwigPKV

07.05.2012, 14:58 Uhr

Ein Zwangsversicherungssystem bei dem Versicherte nicht ohne Probleme zu einer anderen Versicherung wechseln können, und Versicherte ohne Staatszuschüsse in Zukunft nicht mehr bezahlen können betrifft keine Einzelfälle.
Lassen Sie Ihre Versicherten entscheiden wo und in welchem Krankenkassensystem sie versichert sein wollen. Ich würde auf meine Rückstellungen verzichten nur um in ein für die Zukunft stabiles Krankenkassensystem wechseln zu können.

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