Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.04.2006

07:01 Uhr

Der Markt wächst

Mittelstand entdeckt die betriebliche Vorsorge

VonHeribert Karch

Nach wie vor ist betriebliche Altersversorgung (bAV) in kleineren Unternehmen aus Handwerk und Industrie wenig verbreitet. In der Großindustrie bevorzugen hingegen viele Arbeitnehmer eine Entgeltumwandlung in der bAV. Gibt es daher eine Teilung des Marktes?

HB BERLIN. Mit leichter Verzögerung ziehen Kleinunternehmer jedoch nach, wie das Beispiel der Versorgungswerke zeigt. Ihre Kundenliste weist eine deutliche Mehrheit mittelständischer Unternehmen auf. Der Markt der Kleinen wächst jetzt schneller als der der Großen. Dies deutet auf rationales Verhalten der Kleinunternehmer hin: Zunächst galt es zu beobachten, wie sich der Markt bewegt und welche Nachbesserungsschritte der Gesetzgeber noch unternimmt. Es ist zudem höchst effizient, von den Implementierungserfahrungen der Großen zu profitieren. Auch Berater und Vertriebe sahen sich nach der Einführung der Bruttoentgeltumwandlung im Wege der bAV vor neue Herausforderungen gestellt, die nun gemeistert sind. Die mit einer Verbreitung der Altersvorsorge im Unternehmen gesammelten Erfahrungen können dadurch auf kleine Einheiten transferiert werden.

Der Trend zeigt auch, dass Versorgungswerke als institutionelle Anbieter basierend auf dem Sicherheitsniveau, das die Tarifparteien repräsentieren, sich besonders eignen, um die Verbreitung in Kleinunternehmen umzusetzen. Der Kundenkreis etwa der MetallRente besteht zu über der Hälfte aus – vor allem kleinen – Unternehmen, die nicht Mitglied im Verband sind und sich lediglich auf die Auswahl verlassen, die die Tarifpartner getroffen haben. Diese vermeiden damit, Ressourcen für Marktrecherchen aufzuwenden. Positiv für Arbeitnehmer: Die Versorgungswerke haben Konditionen gebündelt und bieten oft Großkundentarife auch für kleine Einheiten.

Warum ist die betriebliche Altersversorgung für die mittelständische Kundschaft interessant? Die Einsparung von Lohnnebenkosten allein scheint als Motiv nicht auszureichen, obwohl sie beim im Mittelstand typischerweise hohe Lohnkostenanteil durchaus zu Buche schlägt. Andere Aspekte werden aber an Einfluss gewinnen: So beseitigt das Bereitstellen eines Angebots zur Entgeltumwandlung mitunter eine Eintrittshürde für den Arbeitnehmer in den Kleinbetrieb. Fluktuation von Arbeitnehmern, die bereits einen Vertrag mitbringen und beim neuen Arbeitgeber fortführen wollen, kommt hinzu und wird langfristig die Verbreitung egalisieren. Ganz sicher führt ein Angebot auch zu einem besseren Innenverhältnis, es stärkt das Bewusstsein, Eigenvorsorge ernst nehmen zu müssen und hilft auch hier eine unternehmerische Sozialpolitik zu initiieren, die bisher vor allem den großen Firmen vorbehalten war.

Das wichtigste für den mittelständischen Arbeitgeber aber ist: Einfachheit und keine zusätzlichen Kosten. Entscheidend ist ein schlanker Prozess der Werbung und Beratung. Hier treffen sich die Interessen. Denn auch Versicherungsvermittler versuchen, besonders in Kleinbetrieben schlanke Beratung zu realisieren. Wichtig ist , dass nach einer einzigen, vom Arbeitgeber geförderten Informationsphase Vertragsabschlüsse kurz darauf folgen.

Heribert Karch ist Geschäftsführer der MetallRente GbR.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×