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04.08.2014

15:25 Uhr

Die Schufa im Test (Teil I)

Der große Schufa-Selbsttest

VonJens Hagen

Zehn Auskünfte, fünf Fehler: Ein Selbstversuch von Handelsblatt Online zeigt, wo es bei den Bonitätswächtern der Schufa hapert. Worauf Sie jetzt aufpassen müssen.

Eine regelmäßige Kontrolle der eigenen Schufa-Daten kann Bonititätsprobleme vorbeugen. dpa

Bonitätsauskunft der Schufa

Eine regelmäßige Kontrolle der eigenen Schufa-Daten kann Bonititätsprobleme vorbeugen.

DüsseldorfWas taugt die Schufa? Diese Frage betrifft 66,3 Millionen Privatpersonen über die der Datenriese Informationen speichert. Ein Schufa-Eintrag oder ein schlechter Score, also die Bonitätsbewertung für Verbraucher, kann üble Folgen haben. Gebrandmarkte Kunden erhalten oft keinen Kredit, keinen Handyvertrag, kein Girokonto oder sogar keine Wohnung.

Damit nicht genug. Die Frage, wie gut die Schufa ist, betrifft mindestens ebenso sehr die 8.500 Vertragspartner der Auskunftei, darunter Banken, Telekomunternehmen, Versorger, Inkassounternehmen oder Verbraucher. Sie sind abhängig von verlässlichen Informationen zur Bonität ihrer Kunden. Wer zu oft an zahlungsunfähige Kunden verkauft, kann schnell selbst in Schieflage geraten.

Handelsblatt Online hat die Probe aufs Exempel gemacht: Zehn Mitarbeiter bestellten ihre Schufa-Auskünfte und überprüften die Angaben. Achtung: Dieser Selbsttest ist natürlich keine repräsentative Untersuchung. Trotzdem zeigt er eindrucksvoll wie der Datenriese in der Praxis arbeitet und liefert überraschende Erkenntnisse. Lesen Sie in der erste Folge der dreiteiligen Serie über die Schufa, welche Fehler die Handelsblatt-Tester in ihren Selbstauskünften fanden.

Eins vorweg: Es lohnt sich immer, die Schufa-Daten regelmäßig zu prüfen. Denn die Selbstauskünfte zeigen, dass manche von der Schufa gespeicherten Daten mit der Realität nicht übereinstimmten. Ein Beispiel: Eine Kollegin soll laut Selbstauskunft der Schufa eine Kreditkarte beim Bonussystem Payback besitzen. Die BW Bank hat die Schufa in diesem Zusammenhang über die „Einrichtung eines Dauerkontos des Handels“ informiert. Nach Angaben in der Selbstauskunft besteht die Geschäftsbeziehung noch immer. „Ich hatte niemals eine Paybackkarte mit Zahlungsfunktion“, versichert die Redakteurin. Wie konnte dieser Fehler passieren? Ohne eine Prüfung der konkreten Details möchte die Schufa dazu keine Stellungnahme abgeben.

Diese Daten verwendet die Schufa in ihrem Score

Das Verfahren

Um die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der ein Kredit ausfällt, erstellt die Schufa einen Prozentwert, den so genannten „Schufa-Score“. Hat jemand zum Beispiel einen Wert von 85 Prozent, so beträgt dessen Kreditausfallwahrscheinlichkeit 15 Prozent. Für ihr Scoring verwendet die Wirtschaftsauskunftei eine Vielzahl von Daten. Generell gilt: Nicht jede Information fließt auch in die Berechnung ein. Und: Auch, wenn bestimmte Daten über eine Person nicht vorliegen, können sie deren Score beeinflussen. Ein Überblick.
Quelle: Anhang einer Schufa-Verbraucherauskunft

Allgemeine Daten

Zu den allgemeinen Daten, die in den Schufa-Score einfließen, zählen zum Beispiel das Geburtsdatum und das Geschlecht. Zudem erfasst die Auskunftei die Anzahl der Adressen, welche die Person in ihrem Geschäftsverkehr mindestens einmal verwendet hat.

Kreditaktivität des letzten Jahres

Hierbei ermittelt Schufa ob und wie viele Kreditgeschäfte innerhalb der letzten 12 Monate eine Person angefragt und abgeschlossen hat.

Zahlungsstörungen

Zu den Zahlungsstörungen, die in den Schufa-Score einfließen, zählen nicht nur geplatzte Kredite. Auch, wer seine Handyrechnungen und die Bestellungen bei Einzelhändlern nicht pünktlich zahlt, riskiert einen schlechteren Schufa-Score. Neben der Art der unerfüllten Kredite achtet die Auskunftei auch auf deren Anzahl: Je mehr unbezahlte Rechnungen sich stapeln, umso schlechter die Bonität.

Häufigkeit der Kreditnutzung

Wie oft und welche Art von Krediten eine Person in Anspruch nimmt, erfasst die Schufa ebenfalls. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Informationen beim Scoring berücksichtigt werden, steigt, je mehr Unternehmen dem Schuldner Kredit gewähren.

Die Länge der Kreditnutzung

Hierbei untersucht die Auskunftei die Laufzeit der Kredite, die eine Person bedient. Dabei deute eine lange Laufzeit auf viel Erfahrung im Umgang mit finanziellen Verpflichtungen, so die Auskunftei.

Anschriftendaten

In der Regel verwendet die Schufa bei ihrem Scoring keine Bewertung der Anschrift des Kreditnehmers. Wenn jedoch nur wenige Informationen zur Person vorliegen, verwendet die Auskunftei Informationen aus der direkten Umgebung der Anschrift. Text: Julia Rotenberger.

Was in diesem Fall zu viel gespeichert wurde, fehlt bei einem anderen. Bei dem 44-jährigen Mitarbeiter sind zwar alle Konten und Kredite korrekt aufgeführt. „Ich vermisse allerdings die Meldung zu meiner Visa-Kreditkarte bei der Berliner Bank“, sagt der Redakteur. Die Schufa verweist darauf, dass nur Kunden der Schufa Daten überweisen. Fehlende Daten seien kein Fehler.

Kommentare (19)

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Herr Thomas Melber

04.08.2014, 15:39 Uhr

Üble Nachrede und Kreditgefährdung sind doch strafbar !? Wie sieht es aus mit Schadenersatz?

Herr Gerhard Kraus

04.08.2014, 16:13 Uhr

Was ist heute Schufa.
Eine Lachnummer.

Gut wenn mal jemand seine Handyrechnung nicht bezahlt.
Aber bereits bei Auskunft über Mieter versagen sie.

Lachnummer.

Frau Monika Eichner

04.08.2014, 16:38 Uhr

Ich frage mich, was der Autor mit seinem Bericht erreichen will? Es ist doch eigentlich nicht so schlecht wenn die Schufa nicht alle Daten hat, oder?

Wenn er an der Datenqualität herummäkelt, dann gibt es nur 2 Möglichkeiten für eine Änderung. Beide sind m. E. nicht besonders verlockend.

Entweder werden alle Firmen, Behörden, Vermieter und was weiss ich noch, gezwungen ALLES an die Schufa zu melden was zu einer Beeinträchtigung der Zahlungsfähigkeit führen könnte. Das wäre dann Überwachung pur.
ODER
Die Schufa wird aufgelöst. Keiner darf mehr irgendwo irgendwas melden. Das hat dann entweder zur Folge, dass eben nichts mehr 'auf Kredit' verkauft wird oder das die Firmen die es ohne Auskunft tun immense Zahlungsausfälle haben. Das dann wieder mit entsprechenden Folgen für Weiterbestand und Arbeitsplätze.

Mir erscheint jetzt keine dieser beiden Möglichkeiten besonders reizvoll.... Klassisches Dilemma.



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