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05.08.2014

15:55 Uhr

Die Schufa im Test (Teil II)

Schufa-Auskunft – Vorsicht bei den Kosten

VonJens Hagen

Manchmal gibt es gratis Besseres als für Geld – bei der Schufa zum Beispiel. Was die Gratisauskunft verrät. Was die kostenpflichtige Variante nicht bietet und warum Bezahlen manchmal zwingend notwendig ist.

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Selbstauskunft offenbart falsche Schufa-Daten

Handelsblatt Inside: Selbstauskunft offenbart falsche Schufa-Daten

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Der Selbsttest von zehn Mitarbeitern von Handelsblatt Online brachte es an den Tag: Nicht alle Daten stimmen, die die Schufa gespeichert hat. Das Problem: Die Auskunftei nutzt ihre Daten, um Ausfallwahrscheinlichkeiten für Kredite, Handyverträge oder Bestellungen beim Versandhandel zu berechnen. Wenn die Datenbasis falsch ist, kann auch die Bewertung der Bonität durch die Schufa fehlerhaft sein – trotz aller „Stichproben“, „Qualitätsmonitorings“ und „Dateninventuren“, die ein Schufa-Sprecher preist.

Deshalb lohnt es sich, einmal im Jahr seine bei der Schufa hinterlegten Daten zu überprüfen und die Fehler zur Korrektur melden. Wer auf die Internetseite der Bonitätswächter geht, stolpert allerdings zu allererst über die kostenpflichtigen Angebote. Die Selbstauskunft gibt es für 18,50 Euro. Diese Variante haben auch die Tester von Handelsblatt Online bestellt. Die Auskunft enthält den Schufa-Basis-Score und eine Aufstellung aller Verträge, beispielsweise mit Kreditinstituten und Telekommunikationsunternehmen.

Diese Daten verwendet die Schufa in ihrem Score

Das Verfahren

Um die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der ein Kredit ausfällt, erstellt die Schufa einen Prozentwert, den so genannten „Schufa-Score“. Hat jemand zum Beispiel einen Wert von 85 Prozent, so beträgt dessen Kreditausfallwahrscheinlichkeit 15 Prozent. Für ihr Scoring verwendet die Wirtschaftsauskunftei eine Vielzahl von Daten. Generell gilt: Nicht jede Information fließt auch in die Berechnung ein. Und: Auch, wenn bestimmte Daten über eine Person nicht vorliegen, können sie deren Score beeinflussen. Ein Überblick.
Quelle: Anhang einer Schufa-Verbraucherauskunft

Allgemeine Daten

Zu den allgemeinen Daten, die in den Schufa-Score einfließen, zählen zum Beispiel das Geburtsdatum und das Geschlecht. Zudem erfasst die Auskunftei die Anzahl der Adressen, welche die Person in ihrem Geschäftsverkehr mindestens einmal verwendet hat.

Kreditaktivität des letzten Jahres

Hierbei ermittelt Schufa ob und wie viele Kreditgeschäfte innerhalb der letzten 12 Monate eine Person angefragt und abgeschlossen hat.

Zahlungsstörungen

Zu den Zahlungsstörungen, die in den Schufa-Score einfließen, zählen nicht nur geplatzte Kredite. Auch, wer seine Handyrechnungen und die Bestellungen bei Einzelhändlern nicht pünktlich zahlt, riskiert einen schlechteren Schufa-Score. Neben der Art der unerfüllten Kredite achtet die Auskunftei auch auf deren Anzahl: Je mehr unbezahlte Rechnungen sich stapeln, umso schlechter die Bonität.

Häufigkeit der Kreditnutzung

Wie oft und welche Art von Krediten eine Person in Anspruch nimmt, erfasst die Schufa ebenfalls. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Informationen beim Scoring berücksichtigt werden, steigt, je mehr Unternehmen dem Schuldner Kredit gewähren.

Die Länge der Kreditnutzung

Hierbei untersucht die Auskunftei die Laufzeit der Kredite, die eine Person bedient. Dabei deute eine lange Laufzeit auf viel Erfahrung im Umgang mit finanziellen Verpflichtungen, so die Auskunftei.

Anschriftendaten

In der Regel verwendet die Schufa bei ihrem Scoring keine Bewertung der Anschrift des Kreditnehmers. Wenn jedoch nur wenige Informationen zur Person vorliegen, verwendet die Auskunftei Informationen aus der direkten Umgebung der Anschrift. Text: Julia Rotenberger.

Viel spannender als die kostenpflichtige Bonitätsauskunft ist aber die kostenlose „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“. Sie enthält nämlich auch die Einzel-Scores für einzelne Branchen. Die Einzel-Scores können stark vom Basis-Score abweichen. Für Personen, die ihre Kreditwürdigkeit checken möchten, ist der Basis-Score deshalb auch wertlos. „Die kostenlose Auskunft ist viel informativer, weil dort nach gesetzlicher Vorgabe alle Daten drin stehen, die die Schufa besitzt“, sagt Michael Kaiser, der als Referatsleiter des hessischen Datenschutzbeauftragten die Schufa überwacht. Für die individuelle Datenprüfung sollten Verbraucher daher immer die kostenlose Variante  beantragen. Mehr als 700.000 Deutsche holen sich laut Schufa jährlich diese Selbstauskunft.

Leider behandelt die Schufa die Gratisauskunft eher stiefmütterlich. Auf der Internetseite mussten die Tester erst einmal suchen, um das Angebot am Fuß der Seite zu finden. Auch kann wohl nicht gleich jeder etwas mit dem Begriff „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“  anfangen. Die kostenpflichtigen Selbstauskünfte sind – schön bunt gestaltet und prominent platziert – viel leichter auffindbar. Außerdem können Interessenten die Gratisauskunft nur einmal pro Jahr einholen. Und das dauert dann erst einmal: Während die Bezahlvariante nach wenigen Tagen in den Briefkasten flatterte, mussten die Tester von Handelsblatt Online zwei bis drei Wochen warten, bis die Schufa die Gratisauskunft schickte.

Das ist viel zu lange für jemanden, der aufgrund eines möglicherweise falschen Schufa-Scores mit seiner Bank wegen eines Kredites im Clinch liegt. Die Schufa bestreitet, die Gratis-Selbstauskunft auf ihrer Seite zu verstecken und erklärt mit der langen Lieferzeit nicht gegen geltendes Recht zu verstoßen. „Die Berechnung und Zusammenstellung der Informationen erfolgt aktuell und bei Eingang des Antrags des Verbrauchers“, erklärt der Schufa-Sprecher. „Dies benötigt eine gewisse Zeit“.

Kommentare (4)

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G. Nampf

05.08.2014, 16:18 Uhr

"Die Schufa weist aber vier Mobilfunk-Verträge aus. Das könnte der Grund sein,..."

Das ist so gut wie sicher. Viele Mobilfunk-Verträge drücken den Score.

Und: Es gibt klare Hinweise auf Geo-Scoring (=Score nach Wohnort). Das wurden jüngst in einer Doku im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (Titel und Sender sind mir leider entfallen, sorry!) geprüft.

Herr Andreas Maehler

05.08.2014, 18:15 Uhr

die schufa gehört zum mafiabankensyystem. das die die leute schon seit jahren verarschen mit dem sogenannten schufa gutschein, der in einem abonnenment endete, ist jedem normalen menschen klar.
das die macher nicht im knast sitzen, ist nicht klar.

Herr Fritz Tolas

05.08.2014, 19:24 Uhr

Die Schufa ist das lebendigste Beispiel eines Monopolisten. Für die Schufaauskunft, welche man für einige gewerbliche Zwecke braucht haben die den Preis vor ein Paar Jahren mit einen Schlag um 100 - 200% erhöht!
Dafür bekommt man jetzt zwangsweise "Leistungen" welche man weder will noch braucht.

So wie wenn der Preis für ein Brötchen von 30 cent auf 1 Euro steigt und man dafür noch ein Stück Margarine und ein Stück vegetabilen Brotaufstrich bekommt. Wie bitte fragt der freundliche Bäcker, aber sie haben doch Hunger - oder etwas nicht. Leck mich am Allerwertesten denke ich und gehe zum Bäcker nebenan, was bei der Schufa halt nicht möglich ist.

Das ist so eine Art Wegelagerei. Aber unsere Regierung stört sich daran anscheinend nicht. Die kennen sich damit ebenfalls bestens aus.

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