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16.09.2014

16:10 Uhr

Dispozins

Bloß nicht in die Miesen rutschen

VonKatharina Schneider

Die Sparzinsen sind im Keller, die Dispozinsen dagegen noch immer in schwindelerregenden Höhen. Doch nicht nur die Zinssätze stehen in der Kritik, sondern auch die mangelnde Transparenz der Geldinstitute.

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Endlich runter mit dem Dispozins

Handelsblatt in 99 Sekunden: Endlich runter mit dem Dispozins

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DüsseldorfDie Banken kommen immer günstiger an Geld – EZB-Präsident Mario Draghi und dem historisch niedrigen Leitzins sei Dank. Inzwischen verlangt die Europäische Zentralbank für ihre Leihgabe gerade mal 0,05 Prozent Zinsen. Die Bankkunden profitieren davon aber kaum. Wenn sie ihr Konto überziehen, müssen sie noch immer hohe Dispozinsen von bis zu 14,25 Prozent zahlen. Nach Ansicht von Verbraucherschützern eine unbefriedigende Situation.

Leichte Verbesserungen gibt es zwar. So haben laut einer Analyse der Zeitschrift „Finanztest“ in den vergangenen Monaten knapp 250 von insgesamt 1504 untersuchten Banken ihren Dispozins um mindestens einen Prozentpunkt gesenkt. Auch die Zahl der Banken, die auf einen Überziehungs- oder Strafzins verzichten, wächst demnach. Der Überziehungszins wird fällig, wenn das Konto über den eingeräumten Dispozins hinaus überzogen wird.

„Hartnäckige Testarbeit und die permanente Kritik in den Medien an den überhöhten Dispozinsen zeigen allmählich Wirkung“, sagt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. Im Durchschnitt liegt der Dispo zum Stichtag 1. August aber immer noch bei 10,65 Prozent, im Vorjahr waren es 11,31 Prozent. In der Spitze werden sogar 14,25 Prozent verlangt. „Bewegt haben sich vor allem die Institute, die im vergangenen Jahr besonders dreist zugegriffen hatten“, sagt Primus. Von den mehr als 100 Banken, die Dispozinsen von 13 Prozent und mehr verlangten, sind noch 35 übrig geblieben. „Das sind allerdings genau 35 zu viel“, so der Verbraucherschützer.

Zu viele Banken würden den Dispozins nutzen, um ihre Kunden zu schröpfen. „Jeder Prozentpunkt mehr spült – grob über alle Institute gerechnet – knapp 380 Millionen Euro in ihre Kassen“, erklärt Primus. Für die Banken sei das ein Riesengeschäft, denn laut einer Umfrage der ING-DiBa sind rund 20 Prozent aller Girokonteninhaber jeden Monat im Dispo. Ein fairer Zins müsste nach Einschätzung der Tester deutlich unter zehn Prozent liegen.

Fakten zum Dispozins

Was sind Dispo- und Überziehungszinsen?

Dispo- und Überziehungszinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. Zunächst gewährt die Bank in der Regel einen Dispositionskredit – kurz: Dispokredit oder Dispo. Dieser ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozinssatz. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus überzogen, fallen bei den meisten Banken Überziehungszinsen an. Diese liegen oft noch mehrere Prozentpunkte höher.

Wo erfahren Bankkunden, wie hoch ihre Dispozinsen sind?

Banken sollten darüber unter anderem mit Aushängen in ihren Filialen oder auf ihren Internetseiten informieren. Laut Stiftung Warentest machen aber einige Banken ein Geheimnis aus der Höhe des Dispozinses und lüften dieses erst im Kundengespräch. Eine Informationsquelle ist für Kunden der Kontoauszug, wenn fällige Zinsen abgerechnet werden, etwa zum Ende eines Quartals. Dann müssen die Konditionen auf den Kontoauszügen abgedruckt werden. Um die Dispozinsen verschiedener Institute zu vergleichen, gibt es Internetseiten wie test.de/dispo, fmh.de oder biallo.de.

Wie hoch sind die Dispozinsen derzeit?

Nach Angaben von „Finanztest“ lag der durchschnittliche Dispozinssatz Anfang August 2014 bei 10,65 Prozent. Die Differenz zwischen dem günstigsten (4,9 Prozent) und dem höchsten Dispozinssatz (14,25 Prozent) betrug demnach jedoch fast zehn Prozentpunkte.

Was sind die Vor- und Nachteile von Dispokrediten?

Vorteil ist, dass eingeräumte Dispokredite nicht erst beantragt werden müssen, sondern sofort verfügbar sind. Die Zinszahlungen verringern sich zudem mit jedem Zahlungseingang auf dem Girokonto; es gibt keine festen monatlichen Raten zur Rückzahlung. Nachteil ist die Zinshöhe. Außerdem können Banken Dispokredite kurzfristig kündigen und zurückfordern, etwa wenn sie Zweifel an der Zahlungsfähigkeit eines Kunden bekommen.

Wie können Bankkunden hohe Dispozinsen umgehen?

Verbraucher können mit ihrem Institut vereinbaren, dass ein Konto nicht überzogen werden darf. Finanzexperten raten aber dazu, zumindest einen Dispo-Rahmen von 500 Euro einzurichten. So ist es möglich, dass regelmäßig fällige Beträge wie Telefonrechnungen auch etwa während einer Urlaubsreise abgebucht werden können. Dadurch lassen sich unter Umständen teure Mahngebühren sparen, welche die Kosten für Dispozinsen übersteigen können. Bankkunden können daneben mit ihren Instituten auch über die Höhe des Dispozinssatzes verhandeln. Zudem gibt es spezielle Girokonto-Typen wie Kinderkonten, die als reine Guthabenkonten angeboten werden und nicht überzogen werden können. Die jungen Bankkunden können somit nicht ins Minus rutschen.

Gibt es Alternativen zum Dispokredit?

Bei größeren Ausgaben raten Verbraucherschützer davon ab, das Girokonto dauerhaft zu überziehen. Sie empfehlen einen Raten- oder Abrufkredit mit niedrigeren Zinsen. Ratenkredite sind Darlehen über eine bestimmte Summe und einen bestimmten Zinssatz, die in einem festen Zeitraum zurückgezahlt werden. Abrufkredite funktionieren ähnlich wie Dispokredite mit einem Kreditrahmen, jedoch muss meist monatlich ein bestimmter Betrag zurückgezahlt werden.

Doch je nach Bank oder Sparkasse sind die Zinsunterschiede enorm. Den günstigsten Dispozins verlangt die Deutsche Skatbank mit 4,90 Prozent. Auch viele PSD Banken haben mit Zinssätzen von gut fünf bis sieben Prozent sehr gute Konditionen. 14,25 Prozent zahlen hingegen Kunden mit schlechter Bonität bei der Volksbank Westenholz und der Raiffeisenbank Weil und Umgebung. Das ist für die Verbraucherschützer weiter Anlass für Kritik.

„Einige Banken haben nach diesem Stichtag ihre Konditionen noch ein wenig nach unten angepasst oder angekündigt, dies zu tun“, sagt Stephanie Pallasch, Projektleiterin „Geldanlage, Altersvorsorge, Kredite und Steuern“ bei Finanztest. Dazu gehören große Institute wie die Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank und die ING-Diba. Die weitere Absenkung steht wohl in Zusammenhang mit der neuerlichen Leitzinssenkung der EZB.

Kommentare (13)

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Herr Mr. Objektiv

16.09.2014, 13:23 Uhr

Guten Tag, ich möchte darauf hinweisen, dass Sie wie auch die selbsternannten Verbraucherschützer Äpfel mit Birnen vergleichen.
Eine Direktbank hat einen ganz anderen Kostenapparat zu tragen als Service-Banken vor Ort -> Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Diese Banken stellen zu großen Teilen die Geldautomaten und auch die Beratung vor Ort. Auch müssen diese Banken eine Bankenabgabe zahlen, weil die Zockerbanken Mist gebaut haben. Sie hätten mal miterleben sollen, was sich in unserer Region an Widerstand geregt hat als die Sparkasse einen Teil ihrer ländlichen Filialen geschlossen hat. Stellen Sie sich mal die Frage, warum diese Filialen geschlossen wurden. Sie werben hier mit Banken, die günstige Dispozinsen anbieten... Sie sollten sich das Komplettpaket dieser Banken anschauen. Jede Wette, dass die nicht den günstigsten Darlehenszinssatz haben... (easykredit... tzzz)
Jetzt werden die Banken hier angeklagt, die in der Bankenkrise die "Guten" waren.
Zudem darf man nicht vergessen, dass kein Bankkunde gezwungen wird, sein Konto zu überziehen bzw. den Dispo in Anspruch zu nehmen. Selbst dieses Gerede von wegen zinsgünstig umzufinanzieren... Hierbei wird aber immer vergessen, dass bei einer Umschuldung noch eine Tilgung zu erbringen ist und und... Die Menschen sollen immer vor ihrer eigenen Unfähigkeit geschützt werden.
Die wahren Schuldenfallen sind doch die sogenannten 0%-Finanzierungen. Da wird nicht geprüft, ob der Kunde den Kredit zurückzahlen kann. Vielmehr wird mit einkalkuliert, dass mit Gewissheit Kunden ausfallen werden.
Auch, wenn es vergebens ist: Ich wünsche mir mehr Tiefe in solchen Artikeln...

Herr peter gramm

16.09.2014, 14:14 Uhr

ich möchte darauf hinweisen, dass die guthaben auf den girokonten ihrer kunden den banken zinslos zur verfügung stehen und die banken diese zinslosen kredite ihrer kunden für teures geld an andere kunden weiter geben. kein kunde bekommt von der bank einen zinslosen kredit, nur die banken nehmen sich die gelder ihrer kunden, ohne dafür zu bezahlen. vorsicht vor bänkern, politikern und geistlichen. alle umweht ein gschmäckle.

Carl Icahn Jr.

16.09.2014, 14:19 Uhr

Welche Trottel zahlen denn gerne mehr Zinsen an die Bank, als sie im Gegenzug für frei verfügbare Liquidität von eben dieser bekommen ? Schön blöd, sag ich da nur. Aber typisch für Lohnsklaven die konnten ja noch nie rechnen.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope.

Carl Icahn Jr.
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

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