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16.08.2016

13:39 Uhr

Dispozinsen

So verdienen die Banken noch Geld

Banken bitten ihre Kunden bei Dispozinsen nach wie vor mit hohen Prozentzahlen kräftig zur Kasse – trotz der aktuellen Niedrigzinsphase. Doch die Stiftung Warentest hat ermittelt: Es gibt auch Ausnahmen.

Strafzinsen

Wer sein Geld bei der Bank parkt, der zahlt

Strafzinsen: Wer sein Geld bei der Bank parkt, der zahlt

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BerlinDie Zinssätze bei Dispozinsen der Banken liegen durchschnittlich bei knapp zehn Prozent und damit nur minimal unter dem Vorjahreswert, wie die „Finanztest“ von der Stiftung Warentest in ihrer September-Ausgabe berichtet. Bei einigen Kreditinstituten werden demnach gar Dispozinsen zwischen 13 und 13,75 Prozent fällig. Am wenigsten müssten Kunden bei Direktbanken ohne eigenes Filialnetz zahlen.

„Finanztest“ hatte die Zinssätze von allen 1433 deutschen Banken und Sparkassen ausgewertet. Demnach bieten immer mehr Banken teure Premiumkonten an, für die sie niedrigere Dispozinssätze versprechen. Die Kosten für die Kontoführung seien aber „deutlich höher“ als beim Standardkonto. Dabei sei letzteres für viele Kunden die „bessere Wahl“. Selbst wer den Dispokredit regelmäßig nutze, zahle beim Premiumkonto oft drauf, heißt es in dem Bericht weiter.

Die Stiftung Warentest bemängelt zudem, dass nicht alle Banken ihre Dispozinssätze im Internet klar verständlich veröffentlichen, obwohl sie dazu gesetzlich verpflichtet sind. 30 Geldhäuser hielten sich laut „Finanztest“ nicht daran; ein Kreditinstitut veröffentlichte den Zinssatz gar nicht.

Überregionale Banken und Direktbanken mit dem günstigsten Dispozins

Rang 10

Edekabank 7,34 Prozent

Rang 9

GLS Gemeinschaftsbank 7,05 Prozent

Rang 8

Evangelische Bank 7,00 Prozent

Rang 7

ING-Diba 6,99 Prozent

Rang 6

DKB 6,90 Prozent

Rang 5

Pax-Bank 6,58 Prozent (nur für bestimmte Personengruppen)

Rang 4

Bank für Kirche und Diakonie 6,49 Prozent

Rang 3

Fidor Bank 5,99 Prozent

Rang 2

Augsburger Aktienbank (Service) 4,80 Prozent

Rang 1

Deutsche Skatbank (Trumpf) 4,24 Prozent

Quelle: Finanztest, bei allen Banken beträgt die Kontoführungsgebühr maximal sieben Euro.

Bei 29 sei nicht erkennbar, wie hoch er tatsächlich ausfalle. So verlange eine Volks- und Raiffeisenbank in Bayern je nach Bonität des Kunden 4,75 bis 12,75 Prozent . Wie die Zahlungsfähigkeit eingeschätzt wird, erfahre der Kunde jedoch nicht.

Zu einem gleichen Schluss sind Ende Juli 2016 auch die Verbraucherschützer gekommen. Zumindest sei bei vielen Instituten nicht transparent, wann, unter welchen Bedingungen und wie der Dispozins angepasst wird, erklärte Carmen Friedrich von der Verbraucherzentrale Sachsen. Friedrich leitet das für Bankdienstleistungen zuständige Team des „Marktwächters Finanzen“, eines bundesweiten Netzwerks der Verbraucherzentralen.

Verbraucherschützer kritisieren seit Jahren, dass die Kreditwirtschaft sinkende Zinsen zugunsten der Kunden nicht im gleichen Maße weitergebe wie Zinserhöhungen. „Kreditinstitute passen den Sollzinssatz des Dispositionskredites über Monate oder gar Jahre hinweg nicht an. Der Sollzinssatz für Dispositionskredite wird somit von den Marktentwicklungen abgekoppelt, es entsteht eine parallele Welt“, erklärte Friedrich. „Die betreffenden Kreditinstitute werden von uns angeschrieben und darauf aufmerksam gemacht. Unter Umständen werden dann noch weitere rechtliche Schritte folgen, je nachdem wie sich das Kreditinstitut positioniert.“

Banken mit den höchsten Dispozinsen

Rang 4

Rosbacher Raiffeisenbank 13,00 Prozent Dispozinsen, 18,00 Prozent geduldete Überziehung

Rang 3

VR-Bank Landsberg-Ammersee 13,01 Prozent Dispozinsen, 18,01 Prozent geduldete Überziehung

Rang 2

Raiffeisenbank Aulendorf 13,06 Prozent Dispozins, 18,06 Prozent geduldete Überziehung

Rang 1

Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost, 13,75 Prozent Dispozins, 18,75 Prozent geduldete Überziehung

Quelle: Finanztest

Die Deutsche Kreditwirtschaft als Dachorganisation der Bankenverbände erklärte: „Banken und Sparkassen müssen jederzeit den Geldbetrag auf Vorrat bereithalten, den der Kunde möglicherweise im Rahmen seines Dispositionskredites in Anspruch nimmt. Und dieser Service kostet. Über die Höhe des Dispozinssatzes wird neben dem Preisaushang in der Filiale auch im Internetauftritt des jeweiligen Kreditinstitutes informiert.“ Der Dispo sei „nur für den kurzfristigen, flexiblen Einsatz gedacht“.

Einmal mehr mahnten die Verbraucherschützer gesetzliche Regelungen an, um Dispo-Bedingungen der Banken und Sparkassen im Sinne der Verbraucher zu verbessern. Der Gesetzgeber müsse eine monatliche Anpassung der Zinssätze nach einheitlichen Kriterien festschreiben.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

16.08.2016, 14:06 Uhr

Mehr ZInsen an Banken zahlen als von selbigen für Geldanlagen bekommen ? Das müssen echte Rechenkünstler sein.

Baron v. Fink

16.08.2016, 14:19 Uhr

Die Fink-Bank habe ich verkauft. 25% Eigenkapital-Rendite sind einfach zu wenig. Wovon soll der Investor eigentlich leben ? Eine Schande die hohen Steuern von
den EU-Bonzen.

Herr Thomas Behrends

16.08.2016, 14:20 Uhr

Banken sind in meinen Augen höchst kriminelle Organisationen, die ihren Wissensvorsprung, allerdings auch die Schusseligkeit vieler Kunden dazu benutzen sich an Ihnen zu bereichern.

Man könnte hunderte von Beispielen aufzählen, in denen dieses Betrugssystem organisiert wird.

Die Beratungsleistungen sind durch die Bank mangelhaft und durch Profitgier geprägt.

Wenn junge Bankkaufmann/-frau Azubis schon dazu angehalten werden bei einem Kunden wie mir einen Blick auf mein Konto zu werfen und mir irgendwelchen Blödsinn wie Lebensversicherungs- und Bausparverträge anzudrehen, dann ist es schon weit gekommen. Ich erwiederte dem Azubi, dass es nicht sein Ernst sein könne Einem solch´ einen Finanzschrott anzubieten.

Vor ein paar Tagen schlug ein HASPA-Sachbearbeiter der verschuldeten Tochter meiner Freundin vor doch ihren Dispo-Rahmen um EUR 1.000,00 zu erhöhen, um "flexibler" zu sein. Damit treiben diese Verbrecher junge Menschen bewußt in die Schuldenfalle und somit Privatinsolvenz.

Zum Glück stellte meine Freundin Ihrer Tochter den der Sparkasse geschuldeten Betrag auf deren Girokonto zur Verfügung, so dass nun gar keine Zinsen fällig werden. Die Entschuldung läuft nun über meine Freundin zum Nulltarif.

Aber die Spar- und Finanzdisziplin muss die Tochter schon beibehalten.

Beim Lesen der Überschrift dieses Artikels kommen mir die Tränen. "So verdienen die Banken noch Geld". Diese Finanzintermediäre haben Jahrzehnte lang bestens verdient. Wenn´s schlecht läuft, weil sie sich verzockt haben, dann wird nach staatlichen und supra-nationalen Stellen geschrien (EZB),um sie rauszuboxen aus der selbstverschuldeten Misere.

Was Banken betreiben ist Wucher.

"Die Deutsche Kreditwirtschaft als Dachorganisation der Bankenverbände erklärte: „Banken und Sparkassen müssen jederzeit den Geldbetrag auf Vorrat bereithalten, den der Kunde möglicherweise im Rahmen seines Dispositionskredites in Anspruch nimmt. Und dieser Service kostet." Wieviel?

Auch das verraten Banken nicht.

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