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22.04.2015

16:18 Uhr

Einlagensicherung

Wie Sparkassen Ihr Geld absichern

VonJens Hagen

Sind meine Ersparnisse gut aufgehoben? Diese Frage stellen sich Bankkunden vor allem seit der Finanzkrise. Die Sparkassen regeln nun ihre Einlagensicherung neu und versprechen mehr Sicherheit. Was Sparer wissen müssen.

Die Sparkassen ändern ihre Regelungen zur Sicherung von Ersparnissen – für Verbraucherschützer ist das allerdings immer noch zu wenig. Getty Images

Einlagensicherung

Die Sparkassen ändern ihre Regelungen zur Sicherung von Ersparnissen – für Verbraucherschützer ist das allerdings immer noch zu wenig.

KölnSparkassen werden – zumindest bei der Einlagensicherung – beinahe zu normalen Banken. Das ist das Ergebnis einer neuen Regelung des Sicherungssystems der Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen, die die Mitglieder des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) gestern in Berlin verabschiedet haben.

Bislang galt bei Sparkassen die sogenannte „institutssichernde Einlagensicherung“. Wenn eine Sparkasse ausfällt, springen die anderen Institute ein. Der Verbund garantiert die Einlagen über den Bestand der Institute. Ein ähnliches Sicherungssystem haben auch die Volks- und Raiffeisenbanken.

Anders bei den Privatbanken: Hier garantiert die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) nicht den Bestand eines Instituts, sondern im Notfall Summen von bis zu 100.000 Euro. Bei Beträgen darüber hinaus springt der Einlagensicherungsfonds ein (Hier können Kunden die Obergrenzen für Institut erfragen). „So ähnlich soll es jetzt auch bei den Sparkassen werden“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. „Garantiert werden 100.000 Euro und bei größeren Beträgen greift die komplette Verbundabsicherung“.

Bis zum 3. Juli 2015 soll die bisherige Institutssicherung um eine Einlagensicherungsfunktion ergänzt werden. Ein entsprechender Antrag an die Bankenaufsicht werde gestellt. „Für den Kunden muss die Änderung nichts Negatives sein“, sagt Herbst.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Wie das neue System im Detail funktioniert, bleibt noch rätselhaft. Ein Sprecher erklärte, dass an den entsprechenden Satzungsänderungen noch gearbeitet werde. Die Abstimmungen seien aufwendig. In der offiziellen Mitteilung formuliert der Deutsche Sparkassen- und Giroverband vage: „Nachdem der europäische Rechtsrahmen zulässt, dass ein solches Institutssicherungssystem auch die Funktion der gesetzlich vorgeschriebenen Einlagensicherung erfüllt, wird das Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe um die entsprechenden Anforderungen ergänzt“, erklären die Verbandssprecher. „Damit ist im Einlagensicherungsfall jeder Kunde von Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen pro Institut abhängig von seiner Einlagenhöhe mit bis zu 100.000 Euro abgesichert“.

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