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26.11.2013

10:59 Uhr

Einlagenzinsen

Drohen Strafgebühren für Girokonten?

Nach der Europäischen Zentralbank denkt auch die US-Notenbank über negative Einlagenzinsen für Geschäftsbanken nach. Damit soll der Anreiz sinken, Geld bei der Zentralbank zu bunkern. Die US-Banken wehren sich.

Die US-Notenbank in Washington: Hinter den Mauern arbeiten die Zentralbanker an einem neuen Plan, um die Konjunktur zu stimulieren. Mit einem Strafzins wollen sie Geschäftsbanken dazu anhalten, Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen und nicht zu horten. Die Pläne sind unter Fachleute umstritten. dapd

Die US-Notenbank in Washington: Hinter den Mauern arbeiten die Zentralbanker an einem neuen Plan, um die Konjunktur zu stimulieren. Mit einem Strafzins wollen sie Geschäftsbanken dazu anhalten, Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen und nicht zu horten. Die Pläne sind unter Fachleute umstritten.

DüsseldorfWenn es um das Wiederbeleben der Konjunktur geht, ziehen die Notenbanken alle Register: Sie denken sogar über einen Strafzins nach. Wenn Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld hinterlegen, würden sie nach diesen Plänen mit einem negativen Einlagenzinssatz belegt werden. Sie müssten also dafür Geld bezahlen.

Gegenwärtig hinterlegen die Banken Geld lieber bei der Zentralbank, als es in den Wirtschaftskreislauf zu bringen. Die Idee der Notenbanker: Die Geldhäuser hätten bei einem Strafzins keinen Anreiz mehr, das Geld zu bunkern, sondern würden es gleich in den Kreislauf bringen, um damit der Konjunktur in die Spur zu helfen. Zuletzt hielt etwa EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure einen negativen Einlagenzins für Banken für denkbar.

Nachdem solche Gedankenspiele bereits in Europa bekannt wurden, wurden nun auch ähnliche Gedankenspiele der US-Notenbank Fed bekannt. Wie aus dem Sitzungsprotokoll der FED in der vergangenen Woche bekannt wurde, denkt die US-Notenbank ernsthaft über einen solchen Schritt nach: Nach dem Kaufprogramm für Anleihen und den historisch niedrigen Zinsen wäre ein negativer Einlagenzins ein weiterer radikaler Schritt, um die Konjunktur anzukurbeln.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Doch die Pläne stoßen auf keine Gegenliebe. Führende US-Banken drohen damit, dass sie im Gegenzug für einen negativen Einlagenzinssatz die Einlagen von Unternehmen und Konsumenten ebenfalls mit einem Strafzins belasten könnten. Fünf US-Topbanken haben nach einem Bericht der Financial Times schon damit gedroht, die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. „Die Banken würden dann mit den Einlagen ihrer Kunden kein Geld mehr verdienen, sondern Verluste schreiben“, sagt ein US-Banker. Ein anderer Banker meinte, dass negative Einlagenzinsen nicht nur die Margen der Finanzinstitute belasten würden, sondern für das Finanzsystem insgesamt nach hinten losgehen könnten.

Die japanische Zentralbank hält einen Strafzins für Geschäftsbanken nicht für ein nachhaltiges Instrument der Geldpolitik. „Negative kurzfristige Zinsen könnten zwar möglich sein, einige Länder haben damit in der Vergangenheit experimentiert“, sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda am Montag in Tokio. „Aber nur in einem gewissen Rahmen und nur für eine begrenzte Zeit.“ Die Folgen eines solchen Schrittes für die Wirtschaft seien unklar.

Kommentare (31)

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26.11.2013, 11:02 Uhr

Oma Schmitz mit ihrem Sparbuch oder Tagesgeld wählt dennoch weiterhin die Blockparteien, die dieses perverse Enteignungsprinzip unterstützen. Wer dumm ist muss halt bluten.

Fortunio

26.11.2013, 11:22 Uhr

Silvio Gesell läßt grüßen. Zeit, sich mit diesem genialen Geldtheoretiker nach langer Zeit wieder zu beschäftigen.
Seine "Schwundgeldtheorie" passt genau in den Ansatz, den die Befürworter des Negativzinses als angemessen ansehen.

Account gelöscht!

26.11.2013, 11:34 Uhr

Wer in den diesem Jahr in Aktien investiert ist oder war hat mind. 20% mehr auf dem Konto, und dazu noch seine Immos finanziert kommt vor Freude über das aktuelle Zinsniveau bei der Suche nach geeigneten Objekten gar nicht schnell genug hinterher.
Negative Zinsen jucken mich also überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil.

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