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08.12.2015

14:05 Uhr

Erbschaften in Deutschland

Womit Erben rechnen können

VonJens Hagen

Obwohl in den nächsten zehn Jahren mehr als drei Billionen Euro vererbt werden, hat sich nur jeder fünfte mit dem Thema beschäftigt. Womit die Erben rechnen können und wie der Nachlass geregelt wird.

Nach der Trauerphase regeln die Hinterbliebenen den Nachlass. Getty Images

Nach der Trauerphase regeln die Hinterbliebenen den Nachlass.

FrankfurtMit Blick auf die Statistik könnte der Beobachter fast meinen: Die Deutschen schwimmen im Geld. Im vergangenen Jahr lag das Geldvermögen der deutschen Haushalte laut Bundesbank bei mehr als 5,2 Billionen Euro. Das waren 1,3 Billionen Euro mehr als zehn Jahre zuvor.

Das Vermögen der Deutschen entsteht nicht nur durch harte Arbeit. Eine Studie der Deutschen Bank zeigt: Jeder zweite Bundesbürger hat bereits geerbt oder erwartet in der Zukunft eine Erbschaft. Laut aktuellen Schätzungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge werden in den Jahren 2015 bis 2024 in Deutschland etwa 3,1 Billionen Euro Privatvermögen vererbt.

Regional gibt es aber große Unterschiede. In Ostdeutschland erwarten nur 17 Prozent der 1.651 Personen vom Allensbach-Institut für die Deutsche Bank befragten Personen eine Erbschaft. In Süddeutschland sind es 26 Prozent. Noch deutlicher sind die Unterschiede nach den Berufsgruppen: Nur 15 Prozent der Arbeiter erwarten eine Erbschaft, bei den Beamten liegt die Quote bei 31 Prozent.

Auf den Nachlass sind aber viele Deutsche nicht vorbereitet. Nur jeder fünfte Deutsche hat sich schon intensiv auf das Thema vorbereitet. In Deutschland ist der Tod ein Tabuthema, das die wenigsten transparent in der Familie besprechen. 58 Prozent der Bundesbürger geben an, sich mit dem Thema ungern zu beschäftigen und mehr als Dreiviertel der Deutschen empfindet das Erbrecht als kompliziert (76 Prozent).

Was Erben wissen sollten

Wer kann erben?

Erben können alle, die im Testament bedacht sind. Auch Minderjährige dürfen erben, dann springt aber ein gesetzlicher Vertreter ein. Das sind in der Regel die Eltern. Ohne Testament gilt das gesetzliche Erbrecht.

Was passiert, wenn die Erben unbekannt sind?

Ein Nachlassgericht sichert das Erbe nach pflichtgemäßen Ermessen. Gegenstände können versiegelt und Wertpapiere hinterlegt werden. Das Gericht bestellt einen Nachlasspfleger, der das Vermögen absichert und die Erben ermitteln soll. Der Verwalter haftet bei vorsätzlichen oder fahrlässigen Schäden.

Wer erbt, wenn kein Testament besteht?

In diesem Falle gilt das gesetzliche Erbrecht. Das Gesetz sieht fünf Ordnungen vor: 1. Direkte Abkömmlinge: Ehegatten, eingetragene Lebensgemeinschaften, Kinder, 2. Die Eltern des Verstorbenen, 3. Großeltern und deren Abkömmlinge, 4. Urgroßeltern und deren Abkömmlinge, 5. Ururgroßeltern und deren Abkömmlinge. Jeder Verwandte einer vorherigen Kategorie schließt einen Nachfolger aus. Beispiel: Wenn die Kinder noch leben, gehen die Eltern des Verstorbenen leer aus.

Was ist, wenn der rechtmäßige Erbe bereits verstorben ist?

An die Stelle des Verstorbenen treten seine Abkömmlinge. Beispiel: Ein Verstorbener hat zwei Kinder, von denen eines nicht mehr lebt. An die Stelle des verstorbenen Kindes treten dann seine oder ihre Kinder. 

Wie wird das Erbe aufgeteilt?

Das Erbe wird nach dem Verwandtschaftsgrad aufgeteilt. Beispiel: Wenn der Mann stirbt, erbt seine Frau 50 Prozent. Die beiden Kinder teilen die restlichen 50 Prozent unter sich auf. Bruder und Eltern des Verstorbenen gehen leer aus. Sonderfälle gelten bei einem Ehevertrag mit Gütertrennung.

Was regelt das Testament?

In vielen Fällen möchte der Erblasser von den gesetzlichen Regelungen abweichen. Ein Einvernehmen mit den Erben ist nicht nötig, die Verfügungen können jederzeit widerrufen werden. Eine Alternative ist ein Erbvertrag, der nicht widerrufen werden kann. Ein solcher Vertrag kann auch zwischen Erblasser und Erbe geschlossen werden.

Was ist bei einem Testament zu beachten?

Ein per Handschrift eigenhändig verfasstes, unterzeichnetes Testament bedarf keine Testierung durch den Notar. Der Text muss eigenhändig verfasst sein, ein Diktat reicht nicht: Die Handschrift muss erkennbar sein. Die Form muss gewahrt sein: Die Unterschrift muss in der Regel unter dem letzten Satz stehen und Vor- und Zunamen enthalten. Ort und Zeit sind anzugeben, machen das Testament bei Fehlen aber nicht ungültig. Nachträgliche Streichungen oder Radierungen sind wirksam. Wichtig: Der letzte Wille sollte keine Zweifel aufkommen lassen.

Was steht laut Testament Enterbten zu?

Jedem rechtmäßigem Erben steht unabhängig vom Inhalt des Testamentes ein Pflichtteil des Nachlasses zu. Anspruch haben die Familie sowie Kinder, Enkel, Eltern und Ehegatte. Entfernte Verwandte wie Geschwister, Onkel oder Neffen gehen leer aus. Die Erben haften für die Ansprüche der Pflichtteilberechtigten.

Wann müssen Enterbte auf ihren Pflichtteil verzichten?

In einigen Fällen von Kriminalität, etwa bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder Bedrohung des Lebens der Abkömmlinge. Auch eine Verletzung der Unterhaltspflicht kann zum Verlust des Pflichtteils führen.

„Ein Problem“, sagt Thomas Danz, Leiter Private Banking Deutschland bei der Deutschen Bank. „Für den Erblasser und die Erben ist es wichtig, nicht nur die Rechte und Pflichten im Erbfall zu kennen, sondern auch die zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten im deutschen Erbrecht, um frühzeitig Vorkehrungen zu treffen.“

Besonders häufig streiten die Erben etwa ein Streit bei der Übertragung von Immobilien, in denen oft ein Großteil des Vermögens der Erblasser steckt. Ohne eine klare Regelung per Testament entsteht bei der Übertragung des Objektes eine Erbengemeinschaft.

Kommentare (11)

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Herr Michael Müller

08.12.2015, 14:33 Uhr

Und am meisten freut sich der Staat, wenn mehrfach versteuertes Vermögen nochmals final abgegriffen wird!

Natürlich nur aus sozialer Gerechtigkeit, um die armen alten Frauen, die 6 Kinder großzogen und nun vor dem Verhungern und Erfrieren sind zu retten.

Zum Glück gibt es noch genug Staaten, die ohne diese zusätzliche Neidsteuer auskommen und auch die richtigen Begründungen dafür abgeben! Welche Politiker verzichten freiwillig schon auf Steuern? Deutsche Politiker zumindest nicht!

Deutschland hat kein Steuerproblem, Deutschland hat ein Ausgabenproblem!

Würden die Steuern nicht in Europa verteilt und weltweit verschenkt, veruntreut oder sonst zweckentfremdet, könnte Deutschland sogar die Steuern senken und trotzdem dem Deutsche Volk ein gutes soziales Netz bieten!

Herr Paul Oberste

08.12.2015, 15:27 Uhr

Endlich ein Thema für alle Nichtshabenden.
Die Erschaftssteuerabzocke ist ein Skandal. Da bedient sich der Staat mehrfach.

Herr Matthias Boudik

08.12.2015, 16:02 Uhr

Die Kommentare kann ich nicht nachvollziehen.

Ich wohne in München, Ortsteil Waldtrudering.

Bis vor 25 Jahren war das aufgrund des ca. 2 km entfernt gelegenen Flughafens München Riem eine eher sehr schlechte Wohnlage. Dann ist der Flughafen "weggezogen".

Um 1950 wurde bei uns die Grundstücke fast "verschenkt". Heute zahlt man ca. 1800 Euro / qm (Villenlage).

Der Wertzuwachs wurde nie versteuert. Neid kann man mir auch nicht vorwerfen.

Ein "kleines Haus" an den Sohn oder die Tochter, dass sind mal schlappe 2 Millionen Euro. 1955 gekauft für ein paar tausend Mark.

1907 war der Preis 5 R-Pfennig pro qm (erschlossen, damals war Trudering noch selbständig).......

Andere Beispiele: Geschicktes Ausnutzen von Gestaltungsmöglichkeiten bei Stiftungen, Wertentwicklungen von Unternehmen, Kunstgegenständen, landwirtschaftliche Güter etc... ....

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