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05.11.2015

16:26 Uhr

EU-Kommissionspräsident Juncker

Geschacher um deutsche Sparguthaben

VonMichael Brächer

Der Chef der EU-Kommission wagt sich in die Höhle der Löwen: Vor deutschen Genossenschaftsbankern stellt Jean-Claude Juncker seine Pläne für eine europäische Einlagensicherung vor. Und erntet Unverständnis.

Jean-Claude Juncker will die Deutschen von seinen Plänen für eine europäische Einlagensicherung überzeugen. dpa

Jean Claude Juncker

Jean-Claude Juncker will die Deutschen von seinen Plänen für eine europäische Einlagensicherung überzeugen.

FrankfurtJean-Claude Juncker steht noch gar nicht auf der Bühne, da machen ihm seine Gastgeber schon klar, was sie von seinen Plänen halten: Nichts. Man sei gegen die europäische Einlagensicherung, sagt Michael Bockelmann, Präsident des Genossenschaftsverbands. Der Verband hat Unternehmer und Banker zum Wirtschaftstag nach Frankfurt geladen - und die sind auf den Präsident der EU-Kommission und seine Pläne nicht sonderlich gut zu sprechen.

Doch als Präsident der EU-Kommission ist Juncker Gegenwind gewohnt. Der Luxemburger sorgt mit seiner Rede und einer gehörigen Portion Selbstironie bei den Bankern für Applaus - auch, weil er auf ihre Bedenken eingeht. „Ich kann Sie beruhigen“, sagt Juncker. „Das wird nicht so sein, dass bei Ihnen anhaltender Schüttelfrost eintritt.“

So legen die Deutschen ihr Geld an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. Von Januar bis März 2015 machte der Posten einen Anteil von 39,7 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. Von Januar bis März 2015 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 37,4 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. In den ersten drei Monaten des Jahres 2015 ging die Quote auf 3,0 Prozent zurück.

Aktien und sonstige Anteilsrechte

Das in Aktien investierte Vermögen und der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen der deutschen Haushalte sind gestiegen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. Im ersten Quartal 2015 lag der Anteil bei 10,8 Prozent.

Aktienfonds

Die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit gewonnen. 9,4 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte von Januar bis März 2015 in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Wie die konkreten Pläne der EU-Kommission für die Einlagensicherung aussehen, will Juncker zwar noch nicht verraten. Aber vorsorglich gibt er ein Versprechen: Brüssel plane keine „Risikovergemeinschaftung“. Zudem werde es „eine Regelung geben, die den Ausnahmen der nationalen Sicherungssysteme Rechnung tragen wird.“ Damit signalisiert Juncker den Genossenschaftsbankern ein Entgegenkommen. Ganz ausnehmen will er die Institute aus seinen Plänen aber nicht – darüber war im Vorfeld in der Presse spekuliert worden.

Die EU-Kommission plant eine europäische Einlagensicherung, bei der die Bankensysteme der einzelnen Länder im Fall der Fälle füreinander eintreten, um Sparguthaben zu garantieren. Davon wollen die Banken in Deutschland nichts wissen. Man sei nicht bereit, „die über viele Jahre angesammelten Mittel in anderen Ländern einzusetzen“, heißt es bei der Deutschen Kreditwirtschaft, dem Dachverband der Bankenbranche. Mit den Brüsseler Plänen würde das „Vertrauen der Bürger in die Verlässlichkeit der vorhandenen Systeme“ leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

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