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15.12.2016

21:20 Uhr

Europas Versicherer im Stresstest

Das 160 Milliarden-Risiko

VonChristian Schnell

Der neuerliche Stresstest der Versicherer offenbart ein düsteres Bild für die Branche. Dafür haben die Aufseher extreme Szenarien gewählt. Die Branche selbst sieht sich hingegen für die Zukunft gut gerüstet.

Ein Extremszenario würde die Bilanzen der europäischen Lebensversicherer mit 160 Milliarden Euro belasten. dpa

Stresstest für Lebensversicherer

Ein Extremszenario würde die Bilanzen der europäischen Lebensversicherer mit 160 Milliarden Euro belasten.

FrankfurtDie elementaren Probleme der Versicherer sind seit geraumer Zeit bekannt. Hohe Kosten für Digitalisierung und Regulierung belasten auf der Ausgabenseite, hinzu kommt eine Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, mit der sich auf der Einnahmenseite kaum noch Erträge für die lang laufenden Lebensversicherungen erzielen lassen. Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa hat deswegen wieder einmal getestet, ob die Assekuranzen langfristig überhaupt in der Lage sind, ihren Verpflichtungen gegenüber den Kunden nachzukommen.

Das Ergebnis, das am Donnerstagabend in Frankfurt präsentiert wurde, ist ernüchternd – auch wenn hier natürlich Extremsituationen durchgespielt werden. Wie damals schon haben die Experten dabei zwei unterschiedliche Szenarien zugrunde gelegt: Zum einen eine lang anhaltende Niedrigzinsphase, zum zweiten den Doppelschlag aus Niedrigzinsphase plus Preisverfall bei Aktien, Währungen und Immobilien. „Das derzeit herausfordernde wirtschaftliche Umfeld muss sich in einem solchen Stresstest wiederfinden“, sagte Eiopa-Chef Gabriel Bernardino bei der Ankündigung des neuerlichen Tests im Mai. Nur so lasse sich zeigen, wo die Branche am verwundbarsten ist.

Zumindest im aktuellen Umfeld geht es den getesteten 236 Versicherern aus insgesamt 30 europäischen Ländern noch gut, so die Aussage der Experten jetzt. Das so genannte Solvency Capital Requirement (SCR), also das Kapital, das die Versicherer in der Kasse haben, um die Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden in den kommenden zwölf Monaten mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 99,5 Prozent zu begleichen, liegt im Schnitt bei beruhigenden 196 Prozent. 70 Prozent der untersuchten Versicherer schaffen sogar eine Quote von über 160 Prozent, nur ganze zwei von 236 untersuchten Unternehmen liegen unter 100 Prozent.

Interessanter wird es, wenn Stress aufkommt. Beim alleinigen Niedrigzins-Szenario fällt der Wert der Anlagen im Vergleich zu den Verpflichtungen gegenüber Kunden um 100 Milliarden Euro. 16 Prozent der getesteten Versicherer würden gar mehr als ein Drittel ihrer Anlagegelder gegenüber den Verpflichtungen zu Kunden verlieren.

Noch schlimmer käme es bei einem Doppelschlag: Der negative Einfluss auf die Anlagen aller Versicherer betrüge 160 Milliarden Euro. Jetzt würden bereits 40 Prozent der getesteten Versicherer ein Drittel ihrer Anlagen in Relation zu ihren Verpflichtungen verlieren.

„Die Ergebnisse des diesjährigen Stresstests bestätigen die signifikanten Herausforderungen, der der europäische Versicherungssektor im gegenwärtigen makroökonomischen Umfeld gegenübersteht“, wertet Eiopa-Chef Gabriel Bernardino die Ergebnisse.

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

16.12.2016, 08:55 Uhr

Interessant wäre es ein realistisches Szenario zu betrachten. Leider ist dies politisch nicht opportun.

Realistisch ist ein Zusammenbruch/Scheitern des € in den kommenden 10 Jahren. In diesem Fall hätte die Bundesbank die Target Salden Italiens, Griechenlands...in der Bilanz. Ich vermute die Länder Südeuropas würden ihre Schulden per Gesetz in die neuen Währungen wechseln. Die neuen Währungen Südeuropa würden vermutlich abwerten.

Wie sieht es dann für die Versicherungen aus?

Account gelöscht!

16.12.2016, 14:56 Uhr

Die jetzigen Versicherungsnehmer werden in den nächsten Jahren gewaltig ihre Augen reiben müssen, wenn sie mindestens 40 oder 50% weniger an Ablaufleistungen erhalten, denen einst ihr Versicherungsvertreter mit dem Versicherungskonzern ausgerechnet hat.

Und dummerweise werden die kommenden Rentner -innen der sog. Babyboomergeneration die 'Gelackmeierten' sein.

Und bei der jüngeren Generation soll das noch funktionieren? Tut es ja jetzt noch nicht.
Und die Privaten Krankenkassen in den nächsten Jahren mit eingeschlossen.

Deswegen heißt es auch: Deutscher Michel!

Sein auffallendstes Attribut ist seine Schlaf- bzw. Zipfelmütze.

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