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15.08.2012

10:53 Uhr

Ex-Minister im Interview

Herr Riester, was ist bloß aus Ihrer Rente geworden?

VonJens Hagen

Die Riester-Rente ist heftig in der Kritik. Zu hohe Gebühren, zu wenig Rendite, sagen Verbraucherschützer. Aber was denkt eigentlich der Erfinder, was denkt Walter Riester über seine Rente?

Walter Riester, als Bundesarbeitsminister 2001 im Bundestag: "Die Leute kennen mich noch von früher." Reuters

Walter Riester, als Bundesarbeitsminister 2001 im Bundestag: "Die Leute kennen mich noch von früher."

Herr Riester, werden Sie eigentlich häufig von fremden Menschen auf der Straße angesprochen?

Ja, häufig. Aus meiner Erinnerung ist das aber niemals negativ. Die Leute kennen mich noch von früher, ich habe viele interessante Gespräche geführt.

 

Aktuell gibt es bestimmt auch mal kritische Töne.  Die private Altersvorsorge, die Ihren Namen trägt ist arg in Verruf geraten.

Es gibt häufig Phasen, da steht die Rente medial in der Kritik. Zu unrecht. Dann erhalte ich auch mal beleidigende Mails. Rentenfragen sind immer hoch emotional. Fakten spielen dann nicht immer eine Rolle. Vielfach fehlt auch Kenntnis des Themas.

 

Verbraucherschützer laufen Sturm gegen die „Riester“-Rente. Die Rendite sei inakzeptabel.  Man könne das Geld genauso gut in einen Sparstrumpf legen. Herr Riester, was ist nur aus Ihrer Rente geworden?

Der Vergleich mit dem Sparstrumpf ist falsch und albern. Eine verführerische und schlimme Argumentation.  Eine Rente ist etwas völlig anderes als ein Sparstrumpf. Eine Leibrente kann man grundsätzlich nicht mit Renditesparen vergleichen. Der Fokus liegt nicht auf hohen Zinsen, sondern auf einer Absicherung gegen das Risiko im Alter kein Geld mehr zu haben.

Was Verkäufer in der Finanzbranche verdienen

Rangliste

Die folgenden Euro-Beträge für verschiedene Produkte von Versicherungen, Banken, Bausparkassen und Fonds wurden anhand üblicher Provisionssätze und marktgängiger Anlagesummen berechnet. Die Rangliste liefert einen Anhaltspunkt über die Bedeutung der jeweiligen Provisionsart für Vermittler.

Quelle: www.monero.de, Vermittler, Finanzunternehmen, eigene Berechnungen

Platz 10

Sachversicherung
11,25 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Haftpflichtversicherung

Platz 9

Sachversicherung   
45 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Hausratversicherung

Platz 8

Krankenzusatzversicherung
90 Euro für eine Zahnzusatzversicherung

Platz 7

Sachversicherung
200 Euro für einen Fünf-Jahresvertrag in der Hausratversicherung

Platz 6

Bausparvertrag
325 Euro für einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 25.000 Euro

Platz 5

Fondsanlage
450 Euro für ein Investment mit einer Anlagesumme von 10.000 Euro

Platz 4

Lebensversicherung 
1440 Euro für einen Vertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro, Laufzeit 30 Jahre

Platz 3

Immobilienfinanzierung
1500 Euro für einen Vertrag mit einer Kreditsumme von 200.000 Euro

Platz 2

Krankenversicherung
2100 Euro für eine PKV-Vollversicherung mit einem Monatsbeitrag von 350 Euro

Platz 1

Unternehmerische Beteiligungen
3000 Euro für einen geschlossenen Fonds mit einer Anlagesumme von 30.000 Euro

 

Ohne eine angemessene Rendite in der Ansparphase fällt die monatliche Rente aber ziemlich niedrig aus.

Wir sollten bei dieser Diskussion nicht vergessen, dass die Ansparphasen bei Vorsorgeprodukten sehr lang sind, in vielen Fällen 30 Jahre und mehr. In einem solchen Zeitraum wechseln sich Niedrigzinsphasen und Hochzinsphasen ab. Im Moment ist das Zinsniveau sehr niedrig, da haben Sie Recht. Daraus zu schlussfolgern, dass sämtliche Renditen am Ende der Ansparphase auf immer und ewig sehr niedrig ausfallen werden, ist aber nicht korrekt.

 

Experten erwarten, dass die Niedrigzinsphase sehr lange anhalten könnte.  Müsste die Regierung in einem solchen Falle ihre Förderung erhöhen? Schließlich sind Sie bei Einführung der Riester-Rente von ganz anderen Annahmen ausgegangen.

Ob die zitierten Experten Recht haben, weiß ich nicht. Was wir aber wissen: Für 2011 lag die Verzinsung auf Einlagen der Versicherungen bei 4,07 Prozent. Für 2012 werden 3,9 Prozent erwartet. Zum Vergleich: Bei zehnjährigen Bundesanleihen sank die Rendite im selben Zeitraum auf 1,8 Prozent; mittlerweile liegt sie sogar deutlich darunter. Daran sehen Sie, dass trotz der Niedrigverzinsung die Altersvorsorge noch recht attraktiv ist.

Kommentare (38)

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observer

15.08.2012, 11:15 Uhr

--- @ Handelsblatt

ein interessanter Artikel, finde ich.


+++++++++ wo man sich heute immer mehr informiert +++++

Wir sehen generell auch hier in Europa einen Wettlauf, wer noch dümmere und primitivere Formate bringen kann, kurz Assi-TV genannt, um verzweifelt den letzten Zuschauer zu holen.

Laut Post hat ein Produzent gesagt, die Änderung bei CNN ist wie "der Moment als MTV sich entschied, keine Musik-Videos mehr zu senden, weil es nicht mehr funktionierte."

Wenn es stimmt, dann bedeutet das, CNN wird bald kein reiner Nachrichtensender mehr sein. Aus Cable News Network wird dann "keine Nachrichten hier", was ja praktisch eh schon der Fall ist.

Eine steigende Zahl der Amerikaner haben sich von den Mainstreammedien angewidert abgewendet und holen sich die Informationen aus dem Internet. Der Trend zu den alternativen Medien wird immer stärker.
+++++++++++++++++++

malvin

15.08.2012, 11:22 Uhr

Die staatliche Förderung bei "Riestern" schöpfen die Versicherer selbst ab. Sie lassen dann dem Einzahler zumindest seinen Eigenanteil.

Es ist immer schlecht wenn es noch Zwischenvermittler gibt. Warum benötigt man denn diese Versicherungsfzzies???

Jede Hand, durch die ein Sparer-Euro wandert, behält einen Teil für sich.

Es stimmt auch nicht, dass die sich verändernden Zinsphasen für die geringere Rendite verantwortlich sind. Die Rendite beim Riestern ist auch in Zinshochphasen viel zu gering; dann schöpfen die Vermittler entpsrechend mehr ab.

Für die Vermittler ist der staatliche Zuschuss wie ein Geldregen!! Die Riesterrente sollte von einer unabhängigen non-profit-organisation oder einer Stiftung verwaltet werden. Nur so bringt das Riestern was.

blackstone

15.08.2012, 11:24 Uhr

Herr Riester, was ist nur aus Ihren Werbemillionen geworden?

Riester kassierte jahrelang von den privaten "Versicherungen" a la Maschmeyer Millionen für Werbung, Reden, Bilder.

Was ist aus diesem "Judaslohn" geworden, Herr Riester?

http://www.youtube.com/watch?v=DTkh9YEmfkM

LG
Blackstone

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