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23.12.2016

20:34 Uhr

EZB-Vermögensstudie

Reiche Luxemburger, arme Litauer

VonFrank Wiebe

Eine Studie der Europäischen Zentralbank offenbart die durchschnittlichen Nettovermögen der Euroländer. Dabei wird deutlich: Es gibt gewaltige Unterschiede. Auch Deutschland liegt nur im unteren Mittelfeld.

Die Auswertung der EZB zeigt: Die Euroländer weisen große Unterschiede bei den durchschnittlichen Nettovermögen ihrer Haushalte auf. dpa

Nettovermögen

Die Auswertung der EZB zeigt: Die Euroländer weisen große Unterschiede bei den durchschnittlichen Nettovermögen ihrer Haushalte auf.

New YorkEin durchschnittlicher Luxemburger müsste man sein. Dann hätte man nach einer neuen Auswertung der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Nettovermögen, also abzüglich der Schulden, von 786.400 Euro. Der „mittlere“ Luxemburger (Median), der gleich viel ärmere wie reichere Mitbürger hat, besitzt immer noch 437.500 Euro. Reich sind im Durchschnitt aber auch die Zyprioten mit 387.000 Euro, die Malteser mit 350.500 Euro und die Belgier mit 330.300 Euro.

Deutschland liegt mit 214.300 dagegen im unteren Mittelfeld – und leicht unter dem europäischen Durchschnitt. Spanier, Österreicher, Franzosen, Italiener und sogar Iren sind reicher als wir. Relativ abgeschlagen liegen die Portugiesen mit 156.500 und die Niederländer mit 151.100 Euro. Griechenland kommt nur auf 104.200 Euro. Schlecht sieht es für viele osteuropäische und baltische Staaten aus. Die Litauer müssen sich mit 40.000 Euro Vermögen begnügen.

Die Ergebnisse beruhen auf der Befragung von rund 84.000 Haushalten, die meisten davon fanden 2014 statt. Vier Jahre zuvor hatte die EZB eine ähnliche Untersuchungen mit ähnlichen Ergebnissen angestellt. Seit damals sind die Europäer aber statistisch etwas ärmer geworden. Die Ungleichheit der Vermögen ist gestiegen, aber nur so wenig, dass die Differenz innerhalb der Irrtumsspanne bleibt.

Der Reichtum steckt vor allem in Immobilien, etwa zur Hälfte in selbst genutzten Häusern und Immobilien. Unternehmensanteile spielen vor allem bei den Reichen auch noch eine wichtige Rolle. Die direkte Anlage in Anleihen und Aktien ist dagegen nur schwach vertreten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern spiegeln daher zum Teil mehr die Verhältnisse am Immobilienmarkt als die realen Lebensverhältnisse wider. Deutschland fällt dabei auch aus der Rolle – weil hier sehr viel mehr Leute zur Miete wohnen als in anderen Ländern.

Ein europäischer Haushalt hat im Durchschnitt ein Netto-Vermögen 223.300 Euro. Davon entfallen allein 207.300 auf „reale“ Werte, vor allem Immobilien. Der mittlere Wert (Median) des Netto-Vermögens liegt bei 104.100 Euro. Ein wichtiger, häufig übersehener Effekt ist der Lebenszyklus: Die meisten Menschen besitzen anfangs sehr wenig, häufen bis zum Eintritt in die Rente Vermögen an und bauen es später wieder langsam wieder ab. Das heißt: Ungleichheit ist auch eine Frage des Alters.

So besitzen die 16- bis 34-Jährigen im Schnitt nur 68.500 Euro, die 55- bis 64-Jährigen, immer pro Haushalt gerechnet, dagegen 318.500 Euro. Wenn es heißt, dass die oberen zehn Prozent einen Großteil des gesamten europäischen Vermögens besäßen, bedeutet das also nicht, dass der Kreis dieser besonders reichen Haushalte unverändert wäre – es gibt Auf- und Absteiger, und dabei spielt der Lebenszyklus eine wichtige Rolle.

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