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11.01.2012

15:13 Uhr

Fallstudie

So gelingt die Rückkehr in die Krankenkasse

VonThomas Schmitt

Wer von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung zurück will, braucht Geschick und Glück. Wechselwillige müssen sich auf die Regeln des Sozialrecht einstellen. Doch hier lauern viele Fallen.

TV-Anwältin Danni Lowinski alias Annette Frier im Einsatz am Gericht. Die Serie wird gerade auf Sat1 wiederholt. obs

TV-Anwältin Danni Lowinski alias Annette Frier im Einsatz am Gericht. Die Serie wird gerade auf Sat1 wiederholt.

Düsseldorf„Hallo, aus verschiedenen Gründen würde ich gerne in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurückkehren. Ich bin 37 Jahre alt, zwei Kinder, Jahresbrutto ca. 60.000 Euro, Angestellter und seit 01.12.2002 privat krankenversichert.“ So beginnt eine Anfrage auf der Internetseite Frag-einen-Anwalt.de. Die Idee des Ratsuchenden: den Arbeitsvertrag kündigen und sich arbeitslos melden, um so automatisch in die GKV zurück zu kommen. Wenn ihn dann eine Krankenkasse aufgenommen hat, will er seinen Vertrag mit dem privaten Krankenversicherer kündigen.

Für TV-Anwälte wie Danni Lowinski alias Annette Frier sind solche Fälle nicht unterhaltsam genug. Doch im wahren Leben müssen Rechtsexperten immer öfter über Fragen zur Rückkehr in die GKV grübeln. Denn viele der neun Millionen Privatpatienten ärgern sich über starke Beitragserhöhungen und fürchten, dass sie im Alter davon überfordert sein könnten. Sie wollen lieber zurück in den Schoß der Krankenkassen, die insgesamt 70 Millionen Menschen betreuen. 

Wer beim Wechsel in die GKV hilft

Die Helfer

Anwälte, Rentenberater oder Mitarbeiter von Krankenkassen kennen sich im Sozialrecht am besten aus, wenn Privatpatienten von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) möchten. Auch Verbraucherschützer leisten Hilfestellung.

Anwalt.de

Die Internetseite anwalt.de bietet eine Suche nach Anwälten für Sozialrecht

Anwaltsuche

Auch die Internetseite Anwaltsuche liefert Spezialisten im Sozialrecht sowie weitere Informationen zum Thema

Anwaltsverein

Im Deutschen Anwaltsverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für Sozialrecht. Auch hier wird auf eine Online-Anwaltsuche verwiesen. Einen Anwalt finden Interessenten hier auch über das Telefon 01805-181805. Die Auskunft selbst ist kostenlos, das Telefonat kostet – aus dem Festnetz – 0,15 Euro pro Minute.

Anwalt-Suchservice

Ein weiterer Dienst im Internet, um einen geeigneten Anwalt zu finden, ist der Anwalt-Suchservice

Ombudsmann

Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle, welche bei Meinungsverschiedenheit mit Versicherungsunternehmen die Entscheidungen der Versicherer neutral überprüft.

Bund der Versicherten

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten setzt sich für die Rechte der Verbraucher im Versicherungswesen ein.

Krankenkassen

Für die Techniker Krankenkasse, die 7,8 Millionen gesetzlich Versicherte betreut, sind Beratungen für Wechselinteressenten inzwischen Routine. Für PKV-Kunden ist die Kasse in den letzten Jahren ein attraktives Ziel gewesen. Allein 2011 kam 68.000 Personen aus der PKV.

Verbraucherzentralen

In den Verbraucherberatungsstellen tauche die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die GKV zwar immer wieder auf, stellte Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen jüngst fest. Gerade nach deutlichen Prämienerhöhungen wachse das Interesse an den gesetzlichen Kassen. Zu ihnen gebe es für Privatversicherte aber nur sehr begrenzten Zugang. Der Beratungsschwerpunkt liegt eher auf der Tarifwechselberatung innerhalb der PKV

 

Die Antworten der Anwälte sind jedoch im ersten Moment meist unbefriedigend: Ob der Wechsel gelingt, hängt stark von den Lebensumständen ab. Völlig verbaut ist der Weg zurück nicht. Die Rückkehrwilligen müssen die gesetzlichen Regeln geschickt für sich nutzen.

Eigentlich soll es aus rein finanziellen Gründen keine Rückkehr von der privaten Krankenversicherung (PKV) in die GKV geben. Die Politik will Rosinenpickerei verhindern - nach dem Motto: In jungen Jahren günstig privat versichert und im Alter wieder von den günstigeren Beiträgen der Krankenkassen profitieren. 

Ganz chancenlos sind Wechselwillige deshalb jedoch nicht. Der Familienvater im Beispiel könnte etwa seine Arbeitszeit um ein Sechstel verringern. Dann würde er weniger als 50.850 Euro im Jahr verdienen und läge unter der Versicherungspflichtgrenze für 2012. Nur wer mehr im Jahr verdient, ist freiwillig versichert und darf zwischen GKV und PKV wählen. 

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

11.01.2012, 17:03 Uhr

Tricksereien bei der "Rückkehr" in die GKV sind gefährlich. Denn unter Umständen wird man von einer gesetzlichen Kasse wieder aufgenommen, zahlt jahrelang Beiträge und wenn es dann mit größeren Leistungen zum Schwur kommt, dann erst wird die Leistungspflicht des Versicherers geprüft. Der Versicherer wird vermutlich zum Ergebnis kommen, dass keine Leistungspflicht besteht. Dann bekommt der schlaue Trickser u.U. seine Beiträge zurück, aber keine Leistung erstattet.

Deshalb vor einer, wie auch immer konstruierten, Rückkehr in die GKV eine Beitragsoptimierung innerhalb des bestehenden Versicherers versuchen. Ein Wechsel in einen vom Leistungsniveau her vergleichbaren Tarif, der deutlich weniger Beitrag kostet ist in rund 2/3 aller Fälle möglich. Dabei spielt der Gesundheitszustand keine Rolle. Auch ein 90-jähriger mit allen erdenklichen Krankheiten kann diese Möglichkeit nutzen. Sinnvoll ist es, fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn der Versicherer wird sich i.d.R. wehren. Es besteht jedoch ein Rechtsanspruch. Helfen kann ein spezialisierter Fachanwalt bzw. ein Versicherungsberater nach § 34e Gewerbeordnung. Im Gegensatz zu einem Makler oder Vermittler darf der Versicherungsberater Rechtsberatung zu Versicherungen erbringen. Spezialisten findet man über den Suchbegriff "Beitragsoptimierung" im Web.

Mitarbeiter

11.01.2012, 19:47 Uhr

Ich finde es ist eine Frechheit,
wenn man jung und gesund ist, geht man zur PKV um zu sparen.
Wenn man Familie hat oder älter ist, schreit man nach Solidarität.
Die Pflicht- und freiwillig- Versicherten, die ein Leben lang Mitglieder der GKV sind die "Dummen".
Anleitungen zu liefern, wie man sich wieder hinein trickst, finde ich verwerflich....
Das sind die gleichen Journalisten, die Herrn Wulf jagen.

Account gelöscht!

11.01.2012, 22:40 Uhr

Obwohl weniger als 9% privat versichert sind, sorgen PKV-Mitglieder doch für mehr als 30% der Einnahmen von Gesundheitsdienstleistern, und das obwohl sie weniger als 1/3 der Arztbesuche/Jahr und Person (4,6/18) der GKV-Versicherten aufweisen. Da braucht man nicht lange zu spekulieren, wer die wahren ungewollten Stützen oder auch Melkkühe unseres maroden Gesundheitsystems sind. PKV-Mitglieder sind wesentlich kostenbewusster als GKV-Mitglieder u.a weil sie die horrenden Kosten (im Schnitt das 2,5fache der Gesetzlichen bei gleicher Leistung) vorstrecken müssen, während parasitäre GKV-Mitglieder in der Regel die ersten sein wollen im Rennen um das grösste Stück vom Budgetkuchen.

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