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20.07.2016

14:44 Uhr

Falschberechnung der Versicherung

Ergo korrigiert die Korrektur

VonPeter Köhler

In rund 350.000 Fällen hatte Ergo die Auszahlung von Lebens- und Rentenversicherungen falsch berechnet. Die Versicherung versprach, jeden Fehler zu lösen. Das gelang in den meisten Fällen – aber offenbar nicht immer.

Der Versicherer Ergo hatte sich bei Hunderttausenden Lebensversicherungs-Kunden bei der Ermittlung von Erträgen und Gutschriften verrechnet. dpa

Versicherer Ergo: Immer Ärger mit den Zahlen

Der Versicherer Ergo hatte sich bei Hunderttausenden Lebensversicherungs-Kunden bei der Ermittlung von Erträgen und Gutschriften verrechnet.

FrankfurtFür eine Versicherung ist es immer schlecht, wenn sie mit der Mathematik zu kämpfen hat. Das musste auch der Versicherer Ergo erfahren, bei dem 2015 bekannt wurde, dass Hunderttausende von Lebens- und Rentenversicherungen falsch berechnet wurden. Immerhin zeigte sich der Assekuranz-Konzern kulant – die Kunden erhielten einen Nachschlag und konnten sogar zu viel ausgezahlte Beträge behalten.

Doch jetzt droht neues Ungemach, weil man sich offensichtlich nicht immer blind darauf verlassen kann, dass die Nachzahlungen auch korrekt sind. Das Magazin „Finanztest“ berichtet von einem solchen Fall. Danach hatte Ergo einem Kunden im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass man ihm 2009 wegen eines Berechnungsfehlers zu wenig ausgezahlt habe.

Die verschiedenen Zinsbegriffe der Lebensversicherung

Überschussbeteiligung I

Sie bezeichnet alle Erträge, die Lebensversicherer Kunden über die garantierte Verzinsung hinaus gutschreiben. Die Höhe hängt vom Anlageerfolg des Versicherers am Kapitalmarkt ab, vom Risikogewinn und dem Kostengewinn.

Überschussbeteiligung II

Risikogewinne erzielen Versicherer dann, wenn sie Sterblichkeitsrisiken zu hoch einkalkuliert haben. Der Begriff Überschussbeteiligung wird manchmal synonym für laufende Verzinsung verwendet.

Laufende Verzinsung I

Sie bezeichnet streng genommen Garantieverzinsung plus Überschussbeteiligung und wird jährlich gutgeschrieben. Versicherer veröffentlichen einmal im Jahr einen Durchschnittswert.

Laufende Verzinsung II

Kunden, die Altverträge halten, deren Garantieverzinsung über der laufenden Verzinsung liegt, bekommen die Garantieverzinsung gutgeschrieben.

Gesamtverzinsung

Sie setzt sich aus laufender Verzinsung, den Anteilen an Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere und Schlussgewinnen zusammen. Sie wird fällig, wenn der Vertrag ausläuft.

Gut 1100 Euro wurden deshalb nachgezahlt. Der Kunde beharrte darauf, dass Ergo ihm die Berechnung der Auszahlung erläutern solle. Doch so tiefen Einblick in die Geschäftspolitik wollte das Unternehmen nicht gewähren – der Kunde blieb aber hartnäckig und beschwerte sich bei der Finanzaufsicht Bafin.

Hier musste Ergo die Karten auf den Tisch legen – und siehe da: Die Nachzahlung war tatsächlich falsch berechnet worden, der Kunde bekam deshalb im Mai 2016 nochmals knapp 700 Euro nachgezahlt. Laut Finanztest hatte der Versicherer einen „Schlussüberschussanteil“ nicht berücksichtigt.

Eine Sprecherin von Ergo sagte, man gehe davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt. Der geschilderte Vorgang hänge auch nicht mit IT-Problemen zusammen, sondern beruhe auf einem manuellen Eingabefehler eines Mitarbeiters.

Ergos Probleme stammen von den so genannten Rechenkernen. Das sind die Programme, die für Millionen von Lebensversicherungskunden die komplexen Berechnungen von Kostenbelastungen, Gutschriften und schließlich Auszahlungssummen vornehmen. Der Versicherer entstand 1997 aus der Fusion der Victoria und der Hamburg-Mannheimer. Mit der Komplexität aus der Zusammenführung der IT-Welten habe auch die Möglichkeit zugenommen, dass sich Fehler einschleichen, teilte Ergo mit.

Bei der Bafin wollte man sich zu Einzelfällen nicht äußern. Aus Verschwiegenheitsgründen können man leider außer der Gesamtzahl der Beschwerden zu einem Versicherer nichts Unternehmensindividuelles sagen. Für Ergo Leben habe die Gesamtzahl im vergangenen Jahr bei 126 Beschwerden gelegen. Darin enthalten seien selbstverständlich auch Beschwerden zu den Problemen bei mathematischen Berechnungen .

Beim Magazin Finanztest hieß es, bisher seien außer dem geschilderten Fall keine weiteren Beschwerden über falsche Nachzahlungen bekannt geworden. Möglicherweise werde sich das aber ändern, wenn Kunden über die Korrektur der Korrektur lesen.

Kommentare (5)

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20.07.2016, 15:02 Uhr

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Fast 30 Jahre lang hat Petra Hinz als vermeintliche Juristin Karriere in der Politik gemacht. Jetzt kam raus, dass sie weder studiert noch Abitur gemacht hat.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Annette Bollmohr

20.07.2016, 15:42 Uhr

"Ergo korrigiert die Korrektur"

Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche - kommt offenbar auch in der Privatwirtschaft vor...

G. Nampf

20.07.2016, 16:13 Uhr

Ein Versicherungsunternehmen, das sich beim selben Vorgang zum zweitenmal verrechnet, braucht niemand.

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