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23.11.2012

10:12 Uhr

Festgeld

Null Komma Null fürs Ersparte

VonJens Hagen

Das Zinstief treibt aktuell kuriose Blüten. Die ersten Banken bieten ihren Anlegern schon gar keine Zinsen mehr. Bei welchen Instituten die Kunden Nullkommanichts bekommen und wo es noch auskömmliche Sätze gibt.

Sparschwein in Not: Die ersten Banken zahlen keine Zinsen mehr. dpa

Sparschwein in Not: Die ersten Banken zahlen keine Zinsen mehr.

Die Schuldenkrise und die damit verbundene Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank treibt selbst erfahrenen Bankern die Sorgenfalten auf die Stirn. „Wer sich in diesen Zeiten über Wirtschaft und Geldanlage auf dem Laufenden hält, hat gute Chancen, verrückt zu werden“, schreibt etwa der Ex-Dresdner Bank Chef Herbert Walter in einer Kolumne für Handelsblatt Online.

„Tagesgeld, Termingeld, Sparbücher bieten Zinsen, mit denen nicht einmal der Inflationsverlust ausgeglichen wird“, warnt der Banker. „Damit sind wir am Ende eines Jahres unweigerlich ärmer als zwölf Monate zuvor“.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Wie Recht er hat, zeigt ein Blick auf die Konditionen für Festgeld bei den Banken. Diese Woche markiert einen neuen Tiefpunkt in der Misere der Zinssparer. Die ersten Banken überweisen ihren Kunden gar keine Zinsen mehr. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung zahlt die Allianz Bank nur noch einen Zins von 0,01 Prozent für Festgeld mit einer Laufzeit von einem Jahr. Die Frankfurter Sparkasse überweist für Festgeld mit bis zu elf Monaten keinen Zins mehr. Laut FMH hätten andere Banken, darunter die Postbank, bereits ihre Festgeld-Angebote vom Markt genommen.

„Die Suche nach guten Zinsangeboten wird heutzutage immer wichtiger“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Denn es gibt noch Banken, die auch aus Marketinggründen ansprechende Zinsen bieten. Im Schnitt liegen die Sätze für Festgeld bei knapp einem Prozent. In der Spitze bieten Preisbrecher noch bis zu 2,35 Prozent.

Auf der Suche nach den besten Konditionen sollten Anleger aber ihre Risikoneigung prüfen. Die besten Anbieter für Festgeldkonten mit zwölf Monaten Laufzeit unterliegen meist nur der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro, die oft von europäischen Staaten gewährleistet werden.

Was gegen ausländische Anbieter spricht: „Im Ernstfall einer Pleite ist es einfacher, in Deutschland sein Recht einzuklagen“, sagt Annabel Oelmann, die Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wer volle Sicherheit möchte, muss bei der Rendite Abstriche machen. Das gilt auch für unspektakuläre Produkte wie dem Festgeldkonto.

Kommentare (5)

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Fakten

23.11.2012, 12:22 Uhr

Dieses irrsinnige Europa vernichtet hunderte Milliarden an Privatvermögen. Den Bürgern bleibt nur die Flucht in Sachwerte und in gute Fremdwährungen. Die Vernichtung des Geldes in Deutschland geht rapide weiter.

Durchblicker

23.11.2012, 18:06 Uhr

Es fehlt noch was: GOLD!
Wenn Papier keine Zinsen gibt, dann kann man getrost in Gold gehen, das gibt zwar auch keine Zinsen, kann aber nicht pleite gehen. Auch ist es inflationssicher, denn die Kaufkraft ist gleich geblieben.
Weil das so ist, haben die Briten, Franzosen und Amerikaner vermutlich unser Gold geklaut.
Also was hindert uns als sichersten Sachwert Edelmetall zu kaufen?

Lotus

24.11.2012, 08:31 Uhr

Eine Sparer-Lobby ist in Deutschland nicht sichtbar. Nicht einmal die Erhöhung des Sparerpauschbetrages wird nachdrücklich verlangt. Die "Financial repression" geht weiter und vernichtet die angesparte Altersvorsorge. Es wird höchste Zeit für eine aktive Interessenvertretung der Sparer.

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