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23.05.2014

17:07 Uhr

Finanzaufsicht

BaFin für Senkung von Garantiezins

Um technische Probleme bei den Versicherern zu vermeiden, hofft die Finanzaufsicht BaFin auf eine schnelle Entscheidung zur Senkung des Garantiezinses auf Lebensversicherungen.

Das Schild am Eingang der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin): Die BaFin hat dem Finanzministerium empfohlen, den Höchstrechnungszins auf 1,25 von 1,75 Prozent zu senken. dpa

Das Schild am Eingang der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin): Die BaFin hat dem Finanzministerium empfohlen, den Höchstrechnungszins auf 1,25 von 1,75 Prozent zu senken.

FrankfurtDie Finanzaufsicht BaFin dringt auf eine rasche Entscheidung zur Senkung des Garantiezinses auf Lebensversicherungen. "Falls sich die Entscheidung herauszögern würde, bekämen die Versicherer technische Probleme, die Senkung umzusetzen", sagte der oberste Versicherungsaufseher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, der Zeitung "Euro am Sonntag" laut Vorabbericht vom Freitag. Die Unternehmen brauchen nach eigenen Angaben etwa ein halbes Jahr, um ihre Tarife auf die neuen Vorgaben umzustellen.

Die BaFin habe dem Ministerium empfohlen, den Höchstrechnungszins auf 1,25 von 1,75 Prozent zu senken, sagte Hufeld. Grund seien die anhaltend niedrigen Zinsen.

Die wichtigsten Fragen zur Lebensversicherung

Wie funktioniert die Lebensversicherung?

Es gibt verschiedene Arten von Lebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung dient der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Die Kapitallebensversicherung soll dagegen zugleich auch Altersvorsorge sein. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird letztere erreicht, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge aus. Für viele Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe und bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert.

Was ist die Bewertungsreserve?

Kauft eine Versicherung von den Kundenprämien eine Aktie für 100 Euro, bleibt ihr Buchwert in der Bilanz auch fünf Jahre später bei 100 Euro, auch wenn der Kurs auf 120 Euro gestiegen ist. Die 20 Euro Differenz zwischen Marktwert und Kaufwert ist die sogenannte Bewertungsreserve oder stille Reserve. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2008 müssen Versicherungen die Hälfte der Bewertungsreserve an ihre Kunden auszahlen, deren Verträge auslaufen.

Was ist der Garantiezins?

Viele Verbraucher haben sich auch deshalb für Kapitallebensversicherungen entschieden, weil die Anbieter für das eingezahlte Kapital praktisch eine Art von Mindestverzinsung garantieren: den sogenannten Höchstrechnungszins, umgangssprachlich Garantiezins genannt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Aktuell beläuft er sich auf 1,75 Prozent, ab 1.1.2015 nun wird er auf 1,25 Prozent gesenkt.

Früher lag der Satz deutlich höher, in den 90er Jahren teils bei vier Prozent. Seit 2000 geht es bergab. Der Grund: Versicherer müssen die Gelder ihrer Kunden in krisensicheren Anlageformen investieren. Die Renditen dafür sind seit Jahren aber sehr niedrig.

Was bedeutet das niedrige Zinsniveau konkret für Lebensversicherungen?

Bei Lebensversicherungen mit Garantiezins bildet dieser nur einen Teil der Gesamtverzinsung, welche die Versicherer zahlen. Dazu kommen noch zusätzliche Renditen, wenn Versicherer das Geld der Versicherten besonders gut anlegen. Da die Zinsen für Anleihen krisenfester Staaten aber zurückgehen, schrumpfen generell sowohl Garantiezins als auch Überschussbeteiligungen. Zu beachten ist, dass Bestandskunden in der Regel von Senkungen des Garantiezinses nicht betroffen sind.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Versicherer sagen ja: Weil sie durch niedrigere Garantiezinsen weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und für eine Mindestverzinsung zurücklegen müssen, könnten sie höhere Risiken eingehen – und damit auch für die Versicherten höhere Gesamt-Renditen erwirtschaften. Verbraucherschützer dagegen stehen klassischen Lebensversicherungen inzwischen skeptisch gegenüber. Ihrer Meinung nach fließt zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibt.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Kunden sollten laut Verbraucherschützern auch bedenken, dass die Kündigung eines laufenden Vertrags immer mit Verlusten verbunden ist. Ob diese Verluste von einer jetzt eventuell noch höheren Beteiligung an den Bewertungsreserven ausgeglichen werden, muss im Einzelfall berechnet werden. Zudem ist besonders bei Altverträgen, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, zu beachten, dass sie bei der Auszahlung im Alter noch steuerfrei sind, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat.

Sie machen es den Lebensversicherern immer schwerer, die versprochene Verzinsung über die ganze Laufzeit des Vertrages zu gewährleisten. Der Garantiezins ist der maximale Zins, den die Lebensversicherer ihren Kunden über die Laufzeit des Vertrages versprechen dürfen.

Das Finanzministerium will die Senkung zum 1. Januar 2015 umsetzen und sie mit einem ganzen Maßnahmenpaket verbinden, das die Versicherer entlasten soll. Die Versicherer hatten gebeten, mit der Senkung bis Anfang 2016 zu warten.

Von

rtr

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