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06.01.2015

16:49 Uhr

Finanzaufsicht Bafin

Weniger Beschwerden von Anlegern

Im vergangenen Jahr sind deutlich weniger Kundenbeschwerden von Anlegern eingegangen als noch im Jahr zuvor. Der Finanzaufsicht Bafin liegen für 2014 insgesamt 6050 Beschwerden über fehlerhafte Beratungen vor.

In Deutschland gibt es jährlich rund 70 Millionen Anlageberatungen. dpa

In Deutschland gibt es jährlich rund 70 Millionen Anlageberatungen.

Frankfurt/BonnBei der Finanzaufsicht Bafin sind im vergangenen Jahr deutlich weniger Kundenbeschwerden über schlechte Anlageberatung eingegangen als im Vorjahr.

Hatten sich Verbraucher im Jahr 2013 noch in 9720 Fällen über eine aus ihrer Sicht fehlerhafte Beratung von Banken, Sparkassen oder Finanzdienstleistern beklagt, waren es im vergangenen Jahr noch 6050 Fälle. Eine Sprecherin der Bafin bestätigte am Dienstag einen vorab veröffentlichen Bericht des Berliner „Tagesspiegels“ (Mittwoch).

Im Rahmen ihres Berater- und Beschwerderegister sammelt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) seit dem 1. November 2012 die Daten von Anlageberatern in Deutschland und registriert Beschwerden von Kunden. Nun können erstmals zwei volle Kalenderjahre miteinander verglichen werden.

Das bringt die Honorar-Anlageberatung

Worum geht es?

Provisionen bei der Vermittlung von Geldanlageprodukten sind Verbraucherschützern schon lange ein Dorn im Auge. Ihre Kritik: Berater verkauften Kunden nicht immer die für sie passende Finanzprodukte, sondern solche, bei denen sie hohe Provisionen erhielten. Die Bundesregierung will die Beratung gegen Honorar stärken. Am 1. August 2014 trat das sogenannte Honoraranlageberatungsgesetz in Kraft.

Der Kunde zahlt

Honorar-Anlageberater dürfen sich ausschließlich vom Kunden bezahlen lassen, denn die Beratung soll nur im Interesse des Kunden erbracht werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Berater unabhängig bleibt.

Wann Provision fließen darf

Nur unter engen Voraussetzungen darf ausnahmsweise eine Provision fließen. Die muss jedoch unverzüglich nach Erhalt ungemindert an den Kunden ausbezahlt werden, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Voraussetzung dafür ist, dass weder das empfohlene Finanzinstrument noch ein in gleicher Weise geeignetes Produkt ohne Provision erhältlich ist.

Das Honorar

Es gibt keine Gebührenordnung. Häufig wird pro Stunde abgerechnet, der Branche zufolge sind es derzeit im Schnitt etwa 150 Euro.

Verbot

Honorar-Anlageberater dürfen sich nicht auf Eigenemissionen, also Finanzinstrumente, die sie selbst aufgelegt haben, beschränken. Auch dürfen sie nicht nur Produkte von Anbietern oder Emittenten anbieten, die mit ihrem Wertpapierdienstleistungsunternehmen verbunden oder wirtschaftlich verflochten sind.

Wohlverhaltenspflicht

Die Palette an Angeboten des Honorar-Anlageberaters unterliegt besonderen Anforderungen: Um ein Produkt zu empfehlen, muss er ein „hinreichenden Marktüberblick“ haben. Er muss seine Angebotspalette auch hinsichtlich der Anbieter und Emittenten der Finanzinstrumente hinreichend streuen und sich hier am Markt orientieren.

Register

Der Begriff „Honorar-Anlageberatung“ ist gesetzlich geschützt. Honoraranlageberater müssen sich daher im Honorar-Anlageberaterregister bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eintragen lassen. Dort sind nur Institute eingetragen, die durch eine Prüfbescheinigung nachweisen, dass sie die besonderen Anforderungen an die Honorar-Anlageberatung erfüllen.

Für Anleger

Anleger können das Honorar-Anlageberaterregister ab dem 1. August auf der Internetseite der BaFin einsehen und prüfen, welche Institute Honorar-Anlageberatung erbringen.

Was sagen die Kreditinstitute?

Sie sehen unter anderem die strikte Trennung von Honorarberatung und Beratung auf Provisionsbasis kritisch. Dies werde in der Praxis kleinere und mittlere Kreditinstitute aufgrund mangelnder Ressourcen zu einer Entscheidung „entweder - oder“ zwingen, sagt die Deutsche Kreditwirtschaft voraus. „Wenn ich nur zwei Berater habe, ist das in der Praxis ein Problem, zum Beispiel bei Urlaub oder Krankheit“, heißt es beim Bundesverband deutscher Banken (BdB).

„Einige Themen waren 2014 nicht mehr so aktuell wie 2013“, erklärte die Bafin-Sprecherin den Rückgang der Zahlen. So hätten sich im Jahr 2013 viele Kunden an die Aufsicht gewandt, weil sie Anteile an Investmentfonds nicht zurückgeben konnten.

Im vergangenen Jahr bremste auch der Boom an den Börsen die Zahl der Beschwerden: „Durch die bessere Marktentwicklung nehmen zugleich die Beschwerden über die Performance von Finanzinstrumenten ab“, sagte die Bafin-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

In Deutschland gibt es jährlich etwa 70 Millionen Anlageberatungen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

06.01.2015, 18:06 Uhr

"Im vergangenen Jahr sind deutlich weniger Kundenbeschwerden von Anlegern eingegangen als noch im Jahr zuvor. Der Finanzaufsicht Bafin liegen für 2014 insgesamt 6050 Beschwerden über fehlerhafte Beratungen vor."

Wer schon einmal Grund zur Beschwerde bei der BAFin hatte, beschwert sich nicht mehr.

Es geht nicht um die Beschwerden wegen Fehlverhaltens der Finanzdienstleister, es geht vielmehr um die Kompetenz im Hause der BAFin und ihrem Lobbyismus.

Dazu sollte man wissen, dass sich die BAFin keinesfalls dem Verbraucherschutz verpflichtet fühlt. Wenn hier also vermutet wird, dass die BAFin die richtige Stelle für Beschwerden der Verbraucher wäre, dann liegt man mit dieser Vermutung voll falsch.

Wir können das Thema gerne fortsetzen!

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