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17.10.2011

15:02 Uhr

Finanzdienstleistungen

Revolution auf dem Versicherungsmarkt

Die Bundesregierung regelt die Honorarberatung bei Finanzdienstleistungen neu. Das könnte die Vergütung der Versicherungsmakler und gebundenen Vermittler auf den Kopf stellen, sagt ein Experte.

Die Regierung will die Provisionsreglung auf dem Versicherungsmarkt ändern. dpa

Die Regierung will die Provisionsreglung auf dem Versicherungsmarkt ändern.

BerlinDie von der Bundesregierung initiierte Regelung für die Honorarberatung bei Finanzdienstleistungen könnte das provisionsgetriebene Geschäftsmodell der deutschen Versicherer aus den Angeln heben – mit entsprechenden negativen Folgen für die Vergütung der rund 42.000 Versicherungsmakler und rund 150.000 gebundenen Vermittler in Deutschland. Davon ist zumindest der renommierte Berliner Versicherungsprofessor Hans-Peter Schwintowski überzeugt.

Nach Vorstellungen von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sollen Honorarberater nicht nur beraten können - das entspricht dem Status quo - sondern sie sollen künftig auch Produkte vermitteln können. Mögliche Provisionen müssen sie dann an die Kunden weiterleiten. Wenn diese Vorstellung Schule mache, stehe das provisionsgetriebene Geschäftsmodell der Versicherer am Scheideweg, sagte Schwintowski am Montag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Nach den Eckpunkten für eine gesetzliche Regelung des Berufsbildes für Honorarberater müssen Produktanbieter wie beispielsweise Allianz oder Axa auf Anfrage der Honorarberater ihre Produkte zu Nettotarifen anbieten oder im Produkt enthaltene Abschluss-/Vermittlungsprovisionen offenlegen. Das würde sich im Markt herumsprechen – und Makler und Vertreter würden diesen Trittbrettfahrerwettbewerb nicht lang durchhalten, vermutet Schwintowski. Am Ende würden alle Vertriebspartner das Produkt zum Nettopreis bekommen und ihre Provision frei mit dem Kunden aushandeln, glaubt Schwintowski. Das wiederum werde auch zu einem schärferen Wettbewerb unter den Produktanbietern führen.

Ob die Verbraucherministerin mit all diesen Konsequenzen ihrer Initiative gerechnet hat, ist nicht klar. Mittlerweile haben das Bundesfinanz- und das Bundesjustizministerium signalisiert, dass sie im Bereich Honorarberatung auch einen Regelungsbedarf sehen. Ob es dazu ein spezielles Gesetz geben wird oder Einzelheiten in bereits bestehenden Gesetzen geregelt werden, ist nicht klar. Für die Bundesverbraucherministerin ist wichtig, dass der Kunde weiß, wen er vor sich hat, einen Berater oder einen Verkäufer. Wenn ein Berater auf Provisionsbasis arbeite, ist das für Aigner „völlig legitim“, der Kunde müsse es nur wissen. Es könnte nur sein, dass diese Provisionsbasis bald erodiert.

Von

fmd

Kommentare (8)

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Kuon

18.10.2011, 09:45 Uhr

Man muß sich fragen, ob die intelektuelle Ausstattung unserer Verbraucherschutzministerin dazu angetan ist, dieses Amt aus zu füllen. Jeder weiß, daß ein Versicherungsagent sein Geld mit dem Vertrieb von Versicherungsverträgen verdient, zu deren Abschluß er im Vorfeld berät. Der Eine besser, der Andere schlechter.Kein Mensch unterstellt, daß sich der Versicherungsagent oder der Versicherungsmakler aus Jux und Tollerei stundenlang hinsetzt - außer Ilse Aigner, die glaubt, man müsse dem Kunden das Triviale im Vorfeld breit auseinandersetzten. Gesetzliche Regelungen hin oder her, letztlich steht und fällt die Qualität der Beratung mit der Intelligenz und Integrität des Beraters, bedes Dinge, die man bei Politikern nicht zwangsweise voraussetzen kann. G. KUON (Versicherungskaufmann IHK) - KUON ASSEKURANZ, München

Thebucag

18.10.2011, 15:58 Uhr

Anscheinend haben Menschen wie Herr Schwintowski und Frau Aigner die überzogene Vorstellung, dass allen Versicherungsmaklern und gebundenen Vermittlern die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass auf dem Verdienst bzw. Provisionsmodell dieser Berufsgruppe so viel herum geritten wird.
Gerne bin ich bereit, dass Frau Aigner oder Herr Schwintowski 4 Wochen lang meinen 12 Stunden Arbeitstag und meine täglichen,abendfüllende Termine begleiten, um sich einmal selber ein Bild machen zu können wie arbeitsintensiv das Provisionsmodell ist.
Michael W., freier Berater

alberg-makler.de

18.10.2011, 20:18 Uhr

Man solle die Privisonsvergütungen Komplett verbieten!!! Ob Auto, Küchenblock, Bohrmaschiene, oder Brötchen egal, jedes Produkt, sprich jeder Verkäüfer soll verpflichtet werden einen Netto bzw. EK Einkaufspreis beim Verkauf einzuzeigen.
Denn im Prinzip weis ja jeder, dass keiner Umsonst arbeitet. Nur ob bei der Bank, Versicherung, oder Baumarkt wird ja nur der Endpreis genant und wer und wie viel dabei verdient kann man gar nicht abschätzen....
Seit Jahren wird ja immer wieder über die Versicherungsvermittler und deren Provisionshöhen heftig diskutiert und es soll ja schlimm klingen! Wie z.B. Aussage des Reporters von F.S. Fakt: für einen Riestervertrag bekommt ein Verträter bei Ergo mehr als 7000€ und bei der Allianz sogar mehr als 9000€.... Woher sollchen Summen gehollt werden???
Andersrum, Tausende gehen zu einem Makler und wissen, das beim Zustandekomemmen eines Kaufs bzw. Mietvertrages einiege Tausend Euros sofort fällig sind.
Wichtig, man soll es entweder für alle oder für keinen machen.

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