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16.04.2006

08:00 Uhr

Finanzen in der Familie

Kinder haben Geld wie Heu

VonDaniel Schönwitz und Anke Henrich

Kann Ihr Nachwuchs mit Geld umgehen? Sorgen Sie optimal für seine Zukunft vor? Und wie können Sie dank Ihrer Kinder Steuern sparen, ohne dem Finanzamt in die Falle zu tappen? Was Eltern über Kinder und Finanzen wissen sollten.

Familienglück (Foto: dpa) dpa

Familienglück (Foto: dpa)

"André ist 14 Jahre alt, hatte schon 4006 Euro Handy-Schulden und die Telefongesellschaft ließ ihn weiter quasseln", erzählt Igor Schwabe, 22, "das war ein echt krasser Fall." Und nicht der einzige, in dem Teenager aus gutem Haus vor einem Schuldenberg stehen. Schwabe ist Finanz-Scout am Berufskolleg Bonn. Er zeigt Schülern Filme, macht mit ihnen Rollenspiele und erzählt ihnen von den neusten Tricks der Inkassoeintreiber. Die Jungen und Mädchen will er zum Nachdenken bringen. Nachdenken über sich und über Geld.

Beratungsbedarf gibt es reichlich. Denn Deutschlands Kinder haben Geld wie Heu: 5,7 Milliarden Euro standen ihnen 2005 zur Verfügung, um Warenlager von Bonbons, Barbies und Playstations leer zu räumen. Zudem haben sie 6,6 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Werte vermitteln, Werte anlegen - das ist eine elterliche Dauerbaustelle. Testen Sie, ob die Finanzerziehung Ihrer Kinder richtig läuft. Und lesen Sie, welche Fragen rund um Recht und Steuern wichtig sind und wie Sie mit Sparplänen und Fonds Ihrem Nachwuchs bis zur Volljährigkeit ein Polster verschaffen.

Kinder lernen am Vorbild

"Geld verdienen, sparen und ausgeben macht Spaß und es verdirbt auch nicht den Charakter - das ist typisch deutsche Miesepeterei", sagt Birgit Neiser, Volkswirtin, Mutter von drei Halbwüchsigen und Autorin eines der wenigen zeigefingerfreien Kinderbücher zu diesem Thema. "Geld ist ein Tauschmittel, mehr nicht." Und wie immer lernen Kinder am Vorbild. Was ist ihren Eltern viel Geld wert und was nicht? Machen sie auch mal Fehlkäufe, freuen sie sich über Schnäppchen? Fahren sie ihr Auto, bis der TÜV sie scheidet oder muss es jedes Jahr ein neuer Wagen sein?

Den Umgang mit kleinen und großen Summen zu lehren ist eine Aufgabe mit Langfristperspektive und genauso wichtig wie ein guter Sparplan. Sonst haut der 20-Jährige das über Jahre angesparte Kleinvermögen sofort auf den Kopf. Und noch etwas sollten sich Mütter und Väter fragen: Welchen Eindruck vermitteln sie vom Geldverdienen? Kinder bekommen leicht ein falsches Bild vom Arbeitsleben. Es ist ein menschlicher Zug, nach einem Tag voller Ärger daheim erst einmal Dampf abzulassen. Erfolgserlebnisse bekommen Kinder seltener mit. Da bleibt hängen: Spaß macht der Job nicht. Wollen Sie das? Schon für Anderthalbjährige ist es ein Unterschied, ob Mami beim morgendlichen Abschied im Kindergarten erklärt, sie muss oder sie möchte jetzt ins Büro fahren. Wie machen es Eltern richtig?

So zum Beispiel: Wie früh kann man Kinder an den Umgang mit Geld gewöhnen? Schon Zweijährige spielen Einkaufen - da fängt es an. Gehen Sie gemeinsam in den Supermarkt, denken Sie einfach laut: Was kostet der Schinken? Was der Käse? Welche Taschentücher sind günstiger? Wie viel Geld bekommt die Kassiererin von mir? Apropos: Sie müssen nicht bei jedem Einkauf einen Euro für Quengelware zahlen. Lassen Sie Sohn oder Tochter vor Wut toben, sie werden die aufgeschobene Bedürfnisbefriedigung überleben.

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