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28.07.2012

15:08 Uhr

Finanzexpertin

„Geldanlage gilt als unsexy“

VonKerstin Leitel

Klassiker wie Sparbuch oder Bausparvertrag sind für Sicherheitsfanatiker oft die richtige Wahl, weiß Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale. Doch viele Produkte seien komplex, der Ertrag meist enttäuschend.

Annabel Oelmann ist Finanzexpertin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. © Verbraucherzentrale NRW Honorarfreie Verwendung nur im Zusamme

Annabel Oelmann ist Finanzexpertin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Frau Oelmann, jeden Tag kann man in den Zeitungen über die Entwicklungen von Aktien, Fonds und Derivaten lesen. Sind denn klassische Bankprodukte überhaupt noch aktuell?

Gerade im Moment, da in den Zeitungen fast täglich Schlagzeilen zur Euro-Krise oder Pleite von europäischen Ländern stehen, fragen sehr viele Verbraucher nach den klassischen Bankprodukten wie Sparbuch, Tages- oder Festgeld. Auch Immobilien - und damit Bausparverträge - liegen im Trend. Allerdings muss man bei einer Investition in derartige Bankprodukte bedenken, dass deren Sicherheit mit einer geringen Rendite bezahlt werden muss.

Dennoch haben die Deutschen Milliarden auf ihren Sparbüchern liegen?

Ein Sparbuch bringt meist genauso viel, wie das Geld unter das Kopfkissen zu legen: Es ist sicher, aber es bringt wenig Rendite.

Was wäre besser?

Das neue Sparbuch heißt Tagesgeld. Allerdings ist weder das Sparbuch noch Tagesgeld so einfach wie früher. Heutzutage werden Sparbücher oder Festgeldprodukte zu allen Ereignissen angeboten, etwa zu Olympia oder zur Fußball-WM. Gerade solche Produkte sind oft so komplex, dass sie nur für den eingefleischten Fan zumindest emotional interessant sind.

Und längerfristige Geldanlageformen wie Festgeld?

Die Zinsen für Festgeld mit einer Laufzeit von über drei Jahren sind derzeit sehr niedrig. Der Mut, sein Geld so lange in andere Hände zu geben, wird nicht angemessen belohnt. Auch ist davon auszugehen, dass die Zinsen langfristig wieder steigen. Deswegen sollte man sein Geld nicht für eine so lange Zeit in Festgeld anlegen.

Viele Deutsche legen ihr Geld deswegen auf ein Tagesgeldkonto. Ist diese Form der Geldanlage so einfach wie es den Anschein hat?

Auf den ersten Blick scheint Tagesgeld nicht kompliziert. Oft heißt es, allein die Zinshöhe sei entscheidend. Doch es spielen noch andere Faktoren eine wichtige Rolle, in erster Linie die Einlagensicherung. Ist die Bank, die das Tagesgeld anbietet, in der deutschen Einlagensicherung? Oder gibt es eine Institutssicherung? Auch ob die Zinsen monatlich oder jährlich gezahlt werden, kann aufgrund des Zinseszinseffektes ausschlaggebend dafür sein, ob sich das Angebot wirklich lohnt.

Man muss sich also genauer mit dem Thema Geldanlage befassen?

Heutzutage muss man viele Angebote vergleichen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Das wollen viele nicht. Es gibt viele, die stundenlang Prospekte wälzen und sogar Excel-Tabellen anlegen, um die besten Handy-Angebote zu vergleichen - bei der Geldanlage macht das kaum einer. Das Thema Geldanlage gilt nicht als sexy. Die Arbeit, die richtige Anlageform zu finden, wird gern in die Hände anderer gegeben.

Das heißt, viele Deutsche verlassen sich auf ihren Bank- berater? Ist der Ruf des Bankers nach all den Skandalen der vergangenen Monate nicht angekratzt? Wird auf den Rat des Bankberaters gehört?

Das Vertrauen in das deutsche Banksystem ist immer noch groß. Zwar hat sich das Image des Bankers verschlechtert, und viele Verbraucher stehen Bankern nun - anders als früher - misstrauisch gegenüber. Interessanterweise gilt das aber nicht automatisch für den eigenen Bankberater. Dem Bankberater aus der eigenen Bankfiliale, den man vielleicht schon seit über 20 Jahren kennt, vertrauen viele uneingeschränkt.

Kommentare (10)

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investor

28.07.2012, 15:25 Uhr

...Das Thema Geldanlage gilt nicht als sexy. Die Arbeit, die richtige Anlageform zu finden, wird gern in die Hände anderer gegeben...
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Genau Frau Oelmann, und da liegt eines der Probleme, die Krisen weiter verschärfen können, wenn Kleinanleger verunsichert "den Haien" in die Hände zu spielen beginnen.
Vor so einem Verhalten sind, wie man sehen kann, nichteinmal Regierungen gefeit.

Anonym

28.07.2012, 15:40 Uhr

Es würde dem Handelsblatt besser stehen endlich wirkliche Experten mit professionellen und vor allem richtigen Antworten zu befragen. Die Qualität ist in den letzten Jahren leider nicht mehr adäquat.

Sanne

28.07.2012, 18:55 Uhr

Welche Ausbildung hat eigentlich die "Finanzexpertin"? Die Antworten, die die junge Dame gibt, sind so massentauglich, ein fundiertes Fachwissen lässt sich nicht erkennen. Wann endlich sucht sich das Handelsblatt echte Expereten? Soche, die mal nicht den Einheitsbrei von sich geben sondern innovativ, frisch und modern sind. Diese verstaubten und abgegriffenen Dauerfloskeln will doch wirklich niemand mehr wissen.

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