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15.04.2014

13:14 Uhr

„Finanztest“

Anlegerinfo zu Indexfonds meist unverständlich

Bei einer Untersuchung von „Finanztest“ wurden 18 Anlegerinformationen von Fondsgesellschaften zum Teil schlecht bewertet. Die Infoblätter sind voll von Insidersätzen und Kunstwörtern, die für Laien zu kompliziert sind.

Für die Zeitschrift „Finanztest“ sind Anlegerinformationen von Fondsgesellschaften zu ihren Indexfonds schwer verständlich, was unerfahrene Anleger abschrecken könnte. dpa

Für die Zeitschrift „Finanztest“ sind Anlegerinformationen von Fondsgesellschaften zu ihren Indexfonds schwer verständlich, was unerfahrene Anleger abschrecken könnte.

BerlinDie Anlegerinformationen von Fondsgesellschaften zu ihren Indexfonds sind zum großen Teil unverständlich. Zu diesem Schluss kommt die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer Mai-Ausgabe nach der Auswertung von 18 Anlegerinformationen. Die Infoblätter sind demnach „voll mit schwer verständlichen Insidersätzen, Kunstwörtern und zäh formulierten Rechtshinweisen“, kritisieren die Verbraucherexperten. Dabei sind die gesetzlich vorgeschriebenen Anlegerinfos für Laien gedacht, damit diese Eigenschaften, Chancen und Risiken der Geldanlagen verstehen und vergleichen können.

Dazu tragen die untersuchten Infoblätter laut „Finanztest“ allerdings nicht bei. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass die Indexfonds von unerfahrenen Anlegern aufgrund der schlechten Informationsblätter für zu kompliziert gehalten werden. Dabei seien die Fonds, die stur die Wertentwicklung von Aktien- oder Rentenindizes nachzeichnen, eigentlich eine einfach zu verstehende Anlageform und zugleich kostengünstig.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Im Test kam demnach keines der 18 Infoblätter über das Qualitätsurteil „befriedigend“ hinaus, vier wurden sogar nur mit „mangelhaft“ bewertet. Als Beispiel für unverständliche Kunstwörter nannten die Tester „Ogaw“, eine Wortschöpfung für „Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren“ – gemeint sind damit laut „Finanztest“ schlicht Investmentfonds.

Um sich detaillierter über die Risiken zu informieren, empfehlen die Verbraucherexperten Kunden den Verkaufsprospekt für den Fonds, der auf der Internetseite des Anbieters verfügbar ist. Zwar halten sich die Anbieter bei der Beschreibung der Risikoklassen an die Vorgaben, weitere Details fehlten aber in den Infoblättern.

Von

afp

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