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11.01.2004

15:46 Uhr

Garantie-Versprechen werden teurer

Spitzenstellung der Lebenpolice wackelt

VonHolger Alich

Beim Aufbau einer privaten Altersvorsorge hat in Deutschland kein Finanzprodukt eine vergleichbare Bedeutung wie die Lebensversicherung. Das Versprechen einer garantierten Mindestablaufleistung plus die Aussicht auf eine schöne Überschussbeteiligung, das ganze garniert mit der Steuerfreiheit der Erträge; dies waren immer starke Verkaufsargumente.

HB DÜSSELDORF. Hinzu kam das Image der scheinbar unerschütterlichen Sicherheit dieser Anlage. Doch nach den Umwälzungen am Kapitalmarkt und durch die nun anstehenden Änderungen einiger gesetzlicher Rahmenwerke erscheint es fraglich, ob die Lebensversicherung ihre dominante Stellung in Zukunft verteidigen kann.

Da ist zuallererst ein gewisser Vertrauensschwund festzustellen: Die zuletzt stark gesunkenen Überschussbeteiligungen haben den Anlegern klar gemacht, dass auch die Lebensversicherer nicht immun sind gegen Kapitalmarktkrisen. Hier hat sich gerächt, dass den Kunden nicht immer klar gemacht wurde, dass die in Aussicht gestellte Ablaufleistung unter Einrechnung der Überschussbeteiligung eben nur eine unverbindliche Prognose ist. Und seit dem Fall der Mannheimer Lebensversicherung wissen die Kunden, dass auch ein Lebensversicherer pleite gehen kann.

Fairerweise sei angemerkt, dass kein Lebensversicherungskunde Geld mit seiner Police verloren hat - es sei denn, er besitzt eine fondsgebundene Police. Von der allgemeinen Verunsicherung konnten die Versicherer profitieren, die als finanzstark und solide eingeschätzt werden. Ihnen wird am ehesten zugetraut, auch in Zukunft die garantierten Leistungen zahlen zu können.

Allerdings erhöhen die neuen Vorschriften zur Kapitalausstattung von Versicherern (Solvency II), die Kapitalanforderungen für Garantien. Die Folge: Garantie-Versprechen werden teurer und damit unattraktiver für den Anbieter. Große Versicherer wie Zurich Financial Services haben bereits angekündigt, sich beim Angebot von Leben-Policen mit Garantien künftig zurückzuhalten. Denn fraglich ist, inwieweit die wegen der neuen Kapitalanforderungen steigenden Kosten auf die Kunden abwälzbar sein werden. Steigende Preise haben bisher noch nie ein Produkt attraktiver gemacht.

Am Nimbus der Lebensversicherung kratzt zudem die Politik. Erneut steht das Steuerprivileg der Lebensversicherung zur Debatte. Geht es nach den Reformplänen des Finanzwissenschaftlers Rürup, bekommen künftig nur noch die Produkte eine steuerliche Förderung, die eine lebenslage und unveräußerliche Leibrentenzahlung vorsehen. Sollten die Pläne Gesetz werden, würde dies der kapitalbildenden Lebensversicherung, die eine einmalige Auszahlung am Ende der Laufzeit vorsieht, ein großes Stück ihrer Attraktivität nehmen. Angesichts dieser Trends scheint es möglich, dass in einigen Jahren die Produktlandschaft für Altersvorsorge nicht mehr wiederzuerkennen sein wird.

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