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27.01.2014

15:25 Uhr

Garantiezins

Milliarden für alte Lebensversicherungen

VonThomas Schmitt

Wer eine Police mit hohen Garantiezinsen besitzt, kann sich freuen. Damit die Zinszahlung sicherer wird, müssen die Versicherer 2014 wohl bis zu zehn Milliarden Euro zurücklegen. Das schätzt die Ratingagentur Assekurata.

Es gibt derzeit keine signifikanten Anzeichen für einen größeren Zinsaufschwung an den Kapitalmärkten, sagt Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata. Fotoquelle: Assekurata

Es gibt derzeit keine signifikanten Anzeichen für einen größeren Zinsaufschwung an den Kapitalmärkten, sagt Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata.

Fotoquelle: Assekurata

DüsseldorfIhre Garantien sind den Lebensversicherern heilig. Doch wegen der niedrigen Zinsen wird es immer schwerer, die festen Zusagen von 3,5 oder vier Prozent jedes Jahr auch einzuhalten. Dies hat die Politik früh erkannt und einen neuen Spartopf eingeführt, die Zinszusatzreserve. Die Versicherer müssen dort regelmäßig Geld reinstecken – und wegen der niedrigen Zinsen steigen die Zahlungen rasant.

In diesem Jahr könnte der Topf kräftig wachsen, schätzt die Ratingagentur Assekurata. Bis zu zehn Milliarden Euro müssen die Lebensversicherer womöglich einzahlen – und zwar dann, wenn die Zinsen nur ein wenig weiter sinken. Schon bisher waren die Zuführungen beachtlich: 2011 waren es 1,5 Milliarden, 2012 etwa fünf Milliarden und 2013 etwa sieben Milliarden Euro.

Mit dem Geld aus dem vergangenen Jahr ist dieser Notfalltopf inzwischen also bereits auf 13,5 Milliarden Euro angeschwollen. Das ist schon eine enorme Summe. Denn so hoch ist auch das gesamte bilanzielle Eigenkapital der Branche, wie Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will erläutert.

Der Garantiezins in der Lebensversicherung

Begriff

Die Garantiezins für die Lebensversicherungen in Deutschland wird mit Hilfe zehnjähriger Staatsanleihen im Euro-Raum ermittelt. Der Rechnungszins darf höchstens 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite dieser zehnjährigen Staatsanleihen betragen.

Bedeutung

Den Garantiezins müssen die Lebensversicherer auf jeden Fall zahlen. Er wird berechnet auf den Sparanteil der Prämie. Vom Beitrag werden also die Kosten des Versicherers abgezogen.

Schwankungen

Nach dem Krieg schwankte er zwischen 1,75 und vier Prozent. In den Veränderungen spiegeln sich die Änderungen der Zinslandschaft in Deutschland. In Zeiten mit hohen Garantiezinsen waren auch die Kapitalmarktzinsen sehr hoch – und umgekehrt.

Bis 1986

Bis Juni 1986: 3 Prozent

Bis 1994

Juli 1986 bis Juni 1994: 3,50 Prozent

Bis 2000

Juli 1994 bis Juni 2000: 4 Prozent

Bis 2003

Juli 2000 bis Ende 2003: 3,25 Prozent

Bis 2006

2004 bis 2006: 2,75 Prozent

Bis 2011

2007 bis 2011: 2,25 Prozent

Aktuell

Seit 2012: 1,75 Prozent, beschlossen ist nun eine Senkung auf 1,25 Prozent ab 1.1.2015

 

Hintergrund: In der Vergangenheit haben die Lebensversicherer besonders viele Verträge mit hohen Garantiezinsen von drei bis vier Prozent verkauft. Allein die Verträge mit 3,5 und vier Prozent machten noch über 40 Prozent der herkömmlichen Deckungsrückstellung aus, stellt Assekurata fest. 2014 könnte es nun passieren, dass zusätzlich  noch Geld für die Verträge mit Garantiezinsen von 3,25 Prozent zurückgelegt werden muss.

Deren Anteil an der Deckungsrückstellung liege aktuell bei knapp 15 Prozent, so Assekurata. Es dürfte sich dabei zum größten Teil um private Rentenversicherungen handeln, die sehr lange laufen. Entsprechend hoch fällt dann auch die Nachreservierung aus, damit die Unternehmen ihre Versprechen auch dauerhaft erfüllen können.

Grundlage für die Assekurata-Schätzung ist eine weiterhin negative Zinsprognose für den Kapitalmarkt – und zwar aufgrund der gesetzlichen Rechenmethode. Danach würde der Referenzzins für den zehnjährigen Durchschnitt europäischer Staatsanleihen auf 3,19 Prozent fallen, also unter die Garantiezins-Marke von 3,25 Prozent.

 

Kommentare (10)

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wissensmanufaktur_net

27.01.2014, 15:50 Uhr

Die Zinsen können systembedingt nicht mehr steigen

Warum?

Weil Geld nur über Kredit entsteht!!!

Geld = Schuld

Jeder Euro/Dollar/Yen der im Umlauf ist, wurde den Staaten, Unternehmen und Menschen nur geliehen, und muss plus Zinsen an die internationalen Bankster zurückgezahlt werden!!
( Privatbanken bzw. deren Eigentümer haben das Geldmonopol! )

Erst kürzlich meldete die Allianz, dass das weltweite Geldvermögen auf Rekordhöhe von 111 Bio. Euro gestiegen sei - trotz der Schuldenkrise, hieß es dann oft in Kommentaren. Dabei ist dies gar kein Gegensatz, sondern eher eine logische Konsequenz. Zu dieser Seite der Medaille hat die Allianz aber nichts gesagt: Wenn das Geldvermögen wächst, was wir alle wünschen, müssen auch die Schulden wachsen.

Unserem Geldvermögen auf der einen Seite müssen zwangsläufig ebenso hohe Schulden gegenüberstehen.

Wieviele Menschen, Unternehmen, Staaten müssen sich bei 111 Bio. Euro weltweitem Geldvermögen verschulden um die Zinsen aufzubringen?

Ein Grundübel des aktuellen Schuldgeldsystem ist das vorherrschende System des Zinses-Zins.

Anders als bei natürlichen System die linear wachsen, besteht das Zinses-Zins-System aus dem exponentiellen Wachstum der Schulden.

Am Ende dieses Systems muss der Zusammenbruch stehen, weil die Schuldner für die exponentiell angewachsenen Schulden nicht mehr aufkommen können. Damit wird auch das derzeitiges Schuldgeldsystem über kurz oder lang zusammenbrechen.

Es gibt alternative Geldsystem ohne Zinsen und Zwang zu immer mehr Wachstum.
Ein Geldsystem nach "Freigeld Wörgl"

Das Problem dabei dürfte allerdings weniger sein, dass dieses nicht funktioniert, sondern dass die bisher vom Zinssystem profitierenden Kreise eine solche Lösung nicht wünschen.

Warum erfahren wir in den gleichgeschalteten Massenmedien nie etwas über das Schuldgeldsystem bzw. Geldmonopol der internationalen Bankster?

aj68

27.01.2014, 16:11 Uhr

Kaum ein Beitragszahler weiß doch, ob sein Versicherer ihm den laut Vertrag bestehenden Garantiezins wirklich zahlt! Warum? Anhand der Leistungsübersicht, die dem Versicherungsnehmer einmal im Jahr ins Haus flattert, lässt sich dies nicht erkennen. Die Versicherer haben diese so geschickt gestaltet, daß der Versicherte nicht entnehmen kann, wieviel seiner Beiträge in den Sparanteil fließen und wieviel auf Versicherung/Kosten entfallen. Er kann lediglich rätseln, ob die genannten Summen, wie etwa der Rückkaufswert sich um den Garantiezins erhöht hat. Dazu muss er jedes Jahr alte und neue Bescheide hervorkramen und orakeln. Auf den ersten Blick lässt sich das nicht erkennen. Es ist schon erstaunlich, daß der Gesetzgeber, der ja Banken und Versicherungen in bürokratischen Auflagen erstickt, nicht geregelt hat, wie der Versicherer seine Leistungsmitteilung zu gestalten hat! Dem Versicherten müssten auf diesem Papier seine Erträge aus Garantie- und Überschussbeteiligung ausgewiesen werden. Genauso wie die Kosten. Das aber scheint nicht machbar zu sein und der Gesetzgeber hat auch kein Interesse daran. Der Trickserei ist Tür und Tor geöffnet. Und der kleine Versicherungsnehmer ist -wie immer- der Dumme. Verbraucherschutz nein danke!

USE

27.01.2014, 16:12 Uhr

@wissensmanufaktur_net: Diese Idee ohne Zins und Zinseszins ist mir auch bekannt. Aber so toll diese theoretischen Annahmen auf dem Papier auch sind, mal abseits von jeder Theorie folgende Frage: Würden SIE einer Organisation oder einem Menschen Geld leihen, ohne eine Gegenleistung (Zins)? Dabei darf man nie vergessen, das ich nicht weiß ob ich es zurück bekomme (Unsicherheit). Ich nicht!!
Zweite Frage: Kann die Welt ohne Kredite auskommen? Ja, aber dann können sich in Zukunft kaum Menschen größere Anschaffungen leisten. z.B. ein Haus, oder die Gründung, Expansion einer Firma. Ansparen bis das Geld da ist geht nicht, da ich Miete zahlen muss ohne eigenes Haus und Firmen Ihre Erträge nicht ohne das Geld steigern können.
Das System zu verfluchen ist eine Sache, aber eine realistische Lösung zu präsentieren ist dann die Aufgabe.
Problem des jetzigen Systems ist es doch, dass die Geldvermögen die durch Kreditausfälle vernichtet worden wären, durch weitere Schulden (Staatsschulden; Bail out)auf die Allgemeinheit verteilt werden. Dieses ganze Thema staatlich garantierte Sicherheit geht eigentlich nicht und ist das Übel. Ohne diese Sicherheit würden die Menschen Ihr Geld ausgeben oder als EK investieren.

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