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23.02.2011

11:40 Uhr

Garantiezins sinkt

Was Lebensversicherte jetzt wissen müssen

VonJens Hagen

Ab dem nächsten Jahr müssen Kunden mit beim Abschluss einer Lebensversicherung mit einem niedrigeren Garantiezins begnügen. Die Auswirkungen für Versicherte im Überblick.

95 Millionen Lebensversicherungen haben die Deutschen. Aber lohnen die Policen noch? Quelle: Volkmar Schulz / Keystone

95 Millionen Lebensversicherungen haben die Deutschen. Aber lohnen die Policen noch?

DüsseldorfKlassische Lebenspolicen waren schon immer ein Vertriebsprodukt. Aktuell dürften aber selbst die gewieftesten Vermittler Schwierigkeiten haben, ihren Kunden die Vorteile solcher Verträge zu erklären. Das Zinstief beutelt die Branche und die Verzinsung für Lebenpolicen, die schon in der Vergangenheit im Vergleich zu Kapitalanlageprodukten eher niedrig war, fällt. 

Nachdem die meisten Gesellschaften für dieses Jahr ihre Überschussbeteiligung teils deutlich gesenkt hatten kommt nun ein weiterer Rückschlag für die Branche. Ab dem nächsten Jahr sinkt der Garantiezins von aktuell 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent. Versicherte fragen sich, welche Auswirkung die Absenkung des Garantiezinses hat und ob der Abschluss einer Lebenpolice überhaupt noch lohnt. Handelsblatt Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Kommentare (2)

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Schorsch

23.02.2011, 13:14 Uhr

@ Heidi:
LVs pauschal als Unsinn zu bezeichnen ist äußerst subjektiv und stellt die Frage nach dem Grad der Information.
Wenn ein Sparer eine Risiko-LV und einen Sparbeitrag leisten möchte ist die Kapital-LV nicht verkehrt. Es stellt sich auch die Frage nach der Alternative. Investmentfonds mit 5,5% Ausgabeaufschlag und jährlicher Verwaltungsgebühr von 1,7% - machen diese mehr Sinn, vor allem da sie meist inflexibel in der Assetklasse sind in die sie investieren. Des Weiteren sind Fonds in der Anlage an dem schlagen von Benchmarks (kurzfristige Orientierung) interessiert wohingegen Lebensversicherer der langfristigen Verpflichtung eher entsprechen können. etc. etc.
Man sollte schon vorsichtig mit pauschalen Urteilen sein. Wenn für den einen eine Kapitallebensversicherung nicht passt passt sie für einen anderen umso mehr....

Cosmopolit

04.04.2011, 10:53 Uhr

@Schorsch: Erst denken, dann schreiben!
Eine KLV ist ein strukturiertes Produkt, bestehend aus einer Risiko-LV und deinem Sparplan.
Statt 5,5% Prozent Agio bei Fonds (allerdings, wer zahlt das noch, wenn es Direktbanken und Fondsplattformen gibt?!), zahlt man man bei einer Versicherung quasi 8% und mehr, aber versteckt. Und dann investieren die Versicherungen den Teil der Beiträge, die nach Kosten auf den Sparplan entfallen (90% und weniger) u.a. in Spezialfonds bei teils eigenen KAGs. Noch schlimmer in Immobilien, deren Wert in Krisenphasen, wie wir in der noch bestehenden Finanz- und Wirtschaftkrise, wegbrechen. Fazit: Eine KLV braucht wirklich niemand. Man sollte sich fragen, ob es Hinterbliebene abzusichern gibt, dann ist eine Risiko-LV ratsam. Wer darüber hinaus für die Altersvorsorge etwas tun möchte, kann das kostengünstiger mit Investmentfonds-Sparplänen machen, da gibt es für jede Risikoneigung gute Angebote.
Wer eine KLV hat, sollte prüfen, ob es noch Sinn macht, besser wird das Ergebnis jedenfalls nicht mehr, denn selbst die Branche glaubt nicht mehr daran, (s. Aussagen des Chefs der Munich RE zum Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherung).

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