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08.01.2014

06:36 Uhr

Garantiezins vor Senkung

Lebensversicherung droht der nächste Schlag

Die Lebensversicherer planen den nächsten Zinsschnitt. Nach der Überschussbeteiligung wollen sie auch den Garantiezins weiter senken. Der Klassiker der Altersvorsorge würde darunter leiden. Doch der Plan ist umstritten.

Wegen der niedrigen Zinsen haben die Lebensversicherer große Probleme. Es wird immer schwerer, die einst in Aussicht gestellten Gewinne für ihre Kunden zu erwirtschaften. dpa

Wegen der niedrigen Zinsen haben die Lebensversicherer große Probleme. Es wird immer schwerer, die einst in Aussicht gestellten Gewinne für ihre Kunden zu erwirtschaften.

DüsseldorfDer Garantiezins auf Lebensversicherungen könnte Anfang 2015 nach drei Jahren erneut sinken. Wegen der niedrigen Marktzinsen haben Versicherungsexperten über eine Senkung der maximalen Verzinsung beraten, die die Lebensversicherer ihren Neukunden für die gesamte Laufzeit fest versprechen dürfen.

Der Verband der Versicherungsmathematiker, die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), gibt dazu jährlich eine Empfehlung ab, die in der Regel von der Finanzaufsicht BaFin und dem Bundesfinanzministerium umgesetzt wird. Die entsprechende Mitteilung ist für den heutigen Mittwoch angekündigt.

Vorab wurde bekannt: Der Vorstand der DAV, in dem die wichtigsten Versicherungsmakler sitzen, empfehle eine Senkung auf 1,25 von 1,75 Prozent zum 1. Januar 2015. Das sagten zwei mit dem Beschluss vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Garantiezins in der Lebensversicherung

Begriff

Die Garantiezins für die Lebensversicherungen in Deutschland wird mit Hilfe zehnjähriger Staatsanleihen im Euro-Raum ermittelt. Der Rechnungszins darf höchstens 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite dieser zehnjährigen Staatsanleihen betragen.

Bedeutung

Den Garantiezins müssen die Lebensversicherer auf jeden Fall zahlen. Er wird berechnet auf den Sparanteil der Prämie. Vom Beitrag werden also die Kosten des Versicherers abgezogen.

Schwankungen

Nach dem Krieg schwankte er zwischen 1,75 und vier Prozent. In den Veränderungen spiegeln sich die Änderungen der Zinslandschaft in Deutschland. In Zeiten mit hohen Garantiezinsen waren auch die Kapitalmarktzinsen sehr hoch – und umgekehrt.

Bis 1986

Bis Juni 1986: 3 Prozent

Bis 1994

Juli 1986 bis Juni 1994: 3,50 Prozent

Bis 2000

Juli 1994 bis Juni 2000: 4 Prozent

Bis 2003

Juli 2000 bis Ende 2003: 3,25 Prozent

Bis 2006

2004 bis 2006: 2,75 Prozent

Bis 2011

2007 bis 2011: 2,25 Prozent

Aktuell

Seit 2012: 1,75 Prozent, beschlossen ist nun eine Senkung auf 1,25 Prozent ab 1.1.2015

 

Allerdings lässt sich das Gremium noch eine Hintertür offen: Wenn sich die Zinslandschaft in nächster Zeit verbessere, wäre auch eine Senkung auf 1,5 Prozent vertretbar. Die Empfehlung geht an das Bundesfinanzministerium, das in Abstimmung mit der Finanzaufsicht BaFin endgültig entscheidet. Die DAV wollte sich nicht äußern.

Die deutschen Lebensversicherer leiden seit langem unter den extrem niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Es wird deshalb immer schwieriger für sie, ihre Zinsversprechen an die Kunden zu erfüllen. Der Garantiezins ist hier eine besondere Belastung, weil diese Zusage auf jeden Fall erfüllt werden. Das führt dazu, dass die Versicherer entsprechend Kapital binden müssen.

Eine Senkung des Garantiezinses beträfe allerdings nur das Neugeschäft der Versicherer. Die in alten Verträgen garantierten Zinsen gelten nach wie vor. Derzeit reicht die Spanne hier von 1,75 Prozent bis zu vier Prozent. Insbesondere Altverträge mit solch hohen Zinszusagen stellen die Lebensversicherer vor große Probleme. Eine Änderung wäre frühestens zum 1. Januar 2015 umsetzbar, weil die Versicherer vorher all ihre Tarife neu berechnen müssten.

Kommentare (30)

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Account gelöscht!

07.01.2014, 13:33 Uhr

Sparer und Besitzer von Lebensversicherungen in Deutschland sind die Dummen und zahlen die Zeche dafür, dass klamme "Südstaaten" mit Minizinsen ihr Überleben hinauszögern können; die Europawahl wird der AfD maximalen Zulauf bescheren.

Account gelöscht!

07.01.2014, 13:33 Uhr

Mutti und den Dicken gewählt => Rente pulversiert

So einfach ist das, auch wenn dazwischen noch eine Menge Zins- und Inflationsmechanismen liegen. Aber da die Wähler größtenteils wirtschafsbildungsmäßige Analphabeten sind, merkts keiner und es beschwert sich auch keiner.

Da sage ich nur: Selbst schuld! Es gab ja eine "Alternative" bei der Wahl.

Account gelöscht!

07.01.2014, 13:34 Uhr

Sparer und Besitzer von Lebensversicherungen in Deutschland sind die Dummen und zahlen die Zeche dafür, dass klamme "Südstaaten" mit Minizinsen ihr Überleben hinauszögern können; die Europawahl wird der AfD maximalen Zulauf bescheren.

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