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25.03.2016

15:03 Uhr

Gastbeitrag zu Lebensversicherungen

Das Altersvorsorge-Roulette

Nicht nur das Zinstief macht Lebenpolicen unattraktiv. Es hapert auch an der Verlässlichkeit für die Altersvorsorge, erklärt Gastautor Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. Der Erfolg hängt immer mehr vom Zufall ab.

Roulette ist ein Glücksspiel. Das sollte die private Altersvorsorge nicht sein. dpa

Rien ne va plus

Roulette ist ein Glücksspiel. Das sollte die private Altersvorsorge nicht sein.

BerlinVerlässlichkeit, Sicherheit, Zuverlässigkeit. Alles Attribute, die notwendig sind, damit Altersvorsorge klappt. Schwinden diese und machen der Zufälligkeit Platz, dann läuft etwas schief. Eigentlich sollten sich gerade die Lebensversicherer ganz stark daran orientieren, dass diese Attribute gerade auf ihre Produkte zutreffen. Tun sie aber nicht. Der Erfolg der Altersvorsorge mit einer Lebensversicherung ist mehr und mehr zufällig.

Bei Zufall denkt jeder Statistiker an Roulette. Denn an diesen Spieltischen haben große Mathematiker die Grundlagen für die Wahrscheinlichkeitstheorie geschaffen. Und die ist wiederum Grundlage für das moderne Versicherungswesen. Und überraschenderweise ist es leider sogar so, dass das Roulette-Spiel unterm Strich lukrativer ist als der Abschluss einer Lebensversicherung, da schließt sich der Kreis. Und wenn das Roulette-Spiel lukrativer ist als der Vertragsabschluss, dann fehlt der Lebensversicherung sogar mehr Verlässlichkeit als der Roulettekugel.

Axel Kleinlein ist Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten (BdV). Thomas Einberger für Handelsblatt

Axel Kleinlein ist Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten (BdV).

„Das kann doch nicht sein, dass Roulette rentabler wäre als eine Lebensversicherung!“, höre ich so manchen Versicherungslobbyisten jetzt schimpfen. Ist es aber doch, wenn man bedenkt wie viele Kunden im Schnitt ihren Vertrag stornieren und bei der Kündigung oder Beitragsfreistellung noch mal richtig auf Geld verzichten müssen. Der Erwartungswert ist beim Roulette-Spiel höher als bei der Lebensversicherung.

Hinzu kommt bei der Lebensversicherung die Ungewissheit der Überschussbeteiligung. Die ist nämlich nicht nur von den Kapitalmärkten abhängig, sondern auch von den Managern des Versicherungsunternehmens. Die entscheiden nämlich wieviel Überschüsse die Kunden dann tatsächlich bekommen sollen. Das hat nicht „gerecht“ zu erfolgen, sondern nur „verursachungsorientiert“, was auch immer das heißen mag. Zuverlässigkeit lässt sich jedenfalls nicht ableiten.

Die größten Lebensversicherer in Deutschland (nach Bruttobeiträgen)

Platz 10

Nürnberger Versicherung

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 9

Bayern-Versicherung

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 8

Axa

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: drei Prozent)

Platz 7

Ergo

Marktanteil 2014: drei Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 6

Generali

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: fünf Prozent)

Platz 5

Debeka

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 4

Zurich

Marktanteil 2014: vier Prozent (2013: vier Prozent)

Platz 3

Aachen Münchener

Marktanteil 2014: sechs Prozent (2013: fünf Prozent)

Platz 2

R+V

Marktanteil 2014: sechs Prozent (2013: sechs Prozent)

Platz 1

Allianz

Marktanteil 2014: 21 Prozent (2013: 19 Prozent)

Quelle

Quelle: Map-Report

Alle Angaben beziehen sich auf die verdienten Bruttobeiträge im Lebensversicherungsgeschäft.

Und dann ist die Überschussbeteiligung auch noch von der Politik abhängig, die den Managern regelmäßig neue Gesetze an die Hand gibt, die es erlauben die Überschussbeteiligung zu kürzen – zuletzt beim Lebensversicherungsreformgesetz. Seit dem gibt es deutlich weniger Geld aus den Bewertungsreserven.

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