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29.01.2015

13:56 Uhr

Gastbeitrag zur Lebensversicherung

Die Renaissance des legalen Betrugs

Die Versicherer gaukeln der Politik, der Finanzaufsicht und ihren Kunden etwas vor, schreibt Verbraucherschützer Axel Kleinlein in einem Gastbeitrag. Das Vertrauen der Sparer in die private Altersvorsorge sei zerstört.

Der Vorstand beim Bund der Versicherten gilt als schärfster Kritiker der Versicherungsbranche. Einberger für Handelsblatt

Der Vorstand beim Bund der Versicherten gilt als schärfster Kritiker der Versicherungsbranche.

Wir werden betrogen. Von den Versicherern. Uns Verbrauchern wird eine faire Überschussbeteiligung vorgegaukelt. So als hätten wir gesicherte Ansprüche an einem Großteil der Überschüsse, die die Versicherer mit unserem Geld erwirtschaften. Stimmt aber nicht. Denn die Unternehmen zwacken Geld ab, viel Geld, und entziehen es der Überschussbeteiligung.

Aber trotzdem erwecken sie den Anschein, als würden wir fair an den Überschüssen partizipieren. Anschein und Wirklichkeit stimmen nicht überein. In meiner Welt nennt man das Betrug – auch wenn das strafrechtlich kein Betrug ist.

Denn die Versicherer brechen kein Gesetz. Sie sprechen sich mit der Aufsichtsbehörde ab. Diese staatliche Behörde hilft den Unternehmen. Sie erlässt Regeln, die so einiges erlauben. Zum Beispiel eben das mit der Überschussbeteiligung.

Lebensversicherung und Altersvorsorge: Schwere Vorwürfe gegen die Lebensversicherer

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Schwere Vorwürfe gegen die Lebensversicherer

Eine aktuelle Analyse zeigt, wie die Renditen der Lebenspolicen dahinschmelzen. Ein anderer Vergleich wirft der Branche vor, die Kunden nicht angemessen an den Erträgen zu beteiligen. Ein hitziger Streit ist entbrannt.

Diese Aufsichtsbehörde ist direkt dem Finanzminister unterstellt. Es ist eine große und wichtige Behörde – früher nannte sie sich sogar „Amt“. Deshalb ist dann auch alles legal, was die Aufsicht erlaubt.

Diese Aufsicht lässt das betrügerische Handeln der Versicherer zu. Zuweilen fördert sie auch dieses Handeln. Deshalb handelt es sich nicht nur um einfachen Betrug. Es ist legaler Betrug. Die Geschäfte der Lebensversicherer sind derzeit davon durchdrungen.

Die Betrogenen sind aber nicht nur die Kunden, die Verbraucher. Auch die Politiker lassen sich betrügen. Das ist auch ein Ziel der Versicherungsbranche. Denn wenn die Politiker erst einmal den Betrug für bare Münze nehmen, dann machen sie den Weg frei, um noch mehr Regeln zu legalisieren, die den Versicherern helfen und den Kunden schaden.

Ein Beispiel: Eigentlich sollen die Versicherten an den erwirtschafteten Gewinnen fair beteiligt werden. Da gibt es feste Quoten, die festlegen, wie viel der Gewinne für zukünftige Überschussbeteiligungen für die Kunden verwendet werden müssen. Seit ein paar Jahren wird aber nicht mehr der gesamte Gewinn nach diesen Quoten aufgeteilt. Stattdessen wird ein großer Batzen der Gewinne in einen Nebentopf gepackt (in die sogenannte Zinszusatzreserve). Kein Cent dieses Geldes fließt dann in die Überschussbeteiligung.

Kommentare (8)

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Herr Dietmar Jowanka

29.01.2015, 14:22 Uhr

Überprüfung der eigenen Pensionsvorsorge

Herr Kleinlein übersieht, dass es doch schon lange möglich ist, in einer fondsgebundenen Lebensversicherung sowohl die Veranlagung selbst zu bestimmen, als auch die Kostenstruktur der Versicherungen zu vergleichen. Und in Österreich werden Einzahlungen nur mit 4% pauschal versteuert, während die Erträge, im Gegensatz zum Fondssparplan, steuerfrei bleiben.

Näheres zur Überprüfung Ihrer persönlichen Pensionsvorsorge (Österreich) unter http://www.investwissen.at

Frau Elke Schlegelmilch

30.01.2015, 10:24 Uhr

Axel Kleinleins Ausführungen sind Wasser auf meine Mühle. Der Vollständigkeit halber möchte ich noch eine Ergänzung nachschieben: Legaler Betrug ist meiner Ansicht nach auch die seit 2004 wirksame, von der Politik ausgeheckte Krankenkassen-Abzocke selbst auf Altverträge. Das sogenannte Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) wurde seinerzeit von SPD, CDU/CSU und Grünen mehrheitlich beschlossen, lediglich Linke und FDP stimmten dagegen. Im Ergebnis zahlen seither sogar rückwirkend die gesetzlich krankenkassenversicherten Betroffenen auf Ihre Altervorsorge bei Kapital-Auszahlung zehn Jahre lang die vollen Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge. Wohlweislich hat die Politik die privat Krankenversicherten ausgespart. Versicherer verdrängen diese Fakten bei Neuabschlüssen gern ins Kleingedruckte. Und bisher haben die Medien diesen Massenbetrug leider viel zu wenig thematisiert, ebenso wie den wachsenden Widerstand von Betroffenen. Hunderte engagieren sich z.B. mittlerweile in der Bürgerinitiative GMG-Geschädigte Direktversicherte.

Herr Bankmensch Insider

30.01.2015, 11:31 Uhr

Frau Schlegelmilch,

Ihre Aussage stimmt nicht! Produkte der dritten Schicht, also auch Lebens- und Rentenversicherungen werden NICHT mit Krankenkassenbeiträgen belegt!
Lediglich alte Direktversicherungen gem. § 40b werden damit belegt. Richtig ist, dass gesetzliche Versicherte hiervon betroffen sind, nicht aber privat Versicherte. Logisch, denn gesetzliche Krankenversicherte zahlen prozentual von ihrem Einkommen den Krankenversicherungsbeitrag, dazu gehäört auch das Einkommen aus Altersvorsorge der Direktversicherung. Privatversicherte zahlen einen festen Beitrag,. Man muss halt die Unterschieden verstehen.

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