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06.02.2015

14:38 Uhr

Geldanlage

Noch mehr Strafzinsen in der Schweiz

Immer mehr Schweizer Banken führen Negativzinsen ein, zuletzt auch die Safra Sarasin. Anleger und Vermögensverwalter reagieren irritiert. Bei welchen Banken Kunden draufzahlen.

Negativzinsen schockieren vermögende Anleger. dpa

Negativzinsen schockieren vermögende Anleger.

Der Plan der Schweizer Notenbank, mit Negativzinsen auf Einlagen einen Run auf den Schweizer Franken zu verhindern könnte aufgehen. Zunehmend belasten Schweizer Banken die Einlagen ihrer Kunden mit Negativzinsen.
Aktuell soll nach einem Bericht der Internetseite „Inside Paradeplatz“, die Banker mit Insiderinformationen aus der Schweizer Finanzbranche versorgt, die Bank Safra Sarasin „Minuszins flächendeckend an ihre Kunden weitergeben“.

Nach dem Bericht, den das Institut in Teilen dementierte, sollen gestern Safra-Sarasin-Berater die externen Vermögensverwaltern der Privatkunden entsprechend informiert haben. „Der Tagesbefehl vom Rheinknie lautete: Sofort allen Kunden 0,75 Prozent Minuszins auf allen Cash-Konten belasten“, schreibt die Internetseite. Die Bank erklärte dagegen dass sie nur „selektiv für sehr wenige, spezifische Kunden mit großen Positionen“ negative Zinsen berechnen werde.

Wo die Deutschen ihr Geld lagern

Festverzinsliche Wertpapiere (inklusive Zertifikate)

216 Milliarden Euro (vier Prozent)

Sonstige Anteilsrechte (zum Beispiel GmbH-Anteile)

199 Milliarden Euro (vier Prozent)

Aktien

300 Milliarden Euro (sechs Prozent)

Sonstige Anlageformen

355 Milliarden Euro (sieben Prozent)

Investmentfonds

450 Milliarden Euro (neun Prozent)

Versicherungen

1552 Milliarden Euro (30 Prozent)

Bargeld und Einlagen

2082 Milliarden Euro (40 Prozent)*

*Quelle: Deutsche Bundesbank

Die Internetseite zitiert einen Kunden, der sich vom Negativzins überrascht zeigte und angeblich sofort alle Konten kündigte: „Einfach mal anrufen und befehlen, dass ab sofort Negativzins gilt, so geht es sicher nicht.“
Negativzinsen für alle Kunden wären ein Novum in der Schweiz. Für bestimmte Zielgruppen bieten mehrere Institute Strafzinsen an. So haben die Zürcher Kantonalbank und Credit Suisse bereits Negativzinsen für Kunden mit großen Einlagen angekündigt.

Die Genfer Bank Lombard Odier verlangte als erstes Institut einen Negativzins von 0,75 Prozent auf Cash-Bestände ab 100.000 Franken. Lediglich bei Portfolios, deren Verwaltung die Kunden vollständig der Bank übertragen haben, kommt der Mindestzins nicht zum Zug. Dass Kunden in Scharen abwandern, erwartet die Bank nicht. Die Genfer gehen davon aus, dass viele Reiche für die hohe Sicherheit zu zahlen bereit sind, die Anlagen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bieten. Lombard Odier parkt die Franken-Bestände bei der SNB.

Die UBS führte ebenfalls eine spezielle Gebühr auf Kontoeinlagen einiger Kunden ein. Betroffen sind hohe Guthaben von Firmen, institutionellen Kunden sowie juristischen Körperschaften. Mitte Januar hob die SNB den den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf und führte Negativzinsen von 0,75 Prozent auf Einlagen von Banken bei der Notenbank ein. Zudem schob die SNB das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor in den Minusbereich.

Kommentare (1)

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Herr Peter Noack

11.02.2015, 07:40 Uhr

Worin besteht der Kick für seine Millionen oder Milliarden Geldvermögen, die man sich ganz allein vom Munde abgespart hat, in der Schweiz noch Geld für die Aufbewahrung des Kontos zu zahlen. Es muss einen oder mehrere rationale wirtschaftlichen Gründe geben, wenn diese Anleger das als nützlich empfinden.

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