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12.11.2014

15:53 Uhr

Geldanlage

Weitere Bank verlangt Strafzins

Die Niedrigzins-Politik der Europäische Zentralbank bringt immer mehr Banken in Bedrängnis. Jetzt verlangt ein weiteres Institut negative Zinsen von Guthaben der Kunden.

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Werden Strafzinsen bald zur Normalität?

Umstrittene EZB-Forderung: Werden Strafzinsen bald zur Normalität?

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Nach der deutschen Skatbank gibt es jetzt ein zweites Institut, das ihre Kunden mit negativen Zinsen auf ihre Einlagen verunsichert. Die DZ Privatbank in Luxemburg will Kunden vom 15. November an 0,25 Prozent pro Jahr auf Guthaben abziehen. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die jetzt an Kunden verschickt wurde und der WirtschaftsWoche vorliegt. Das Magazin gehört zum gleichen Verlag wie auch das Handelsblatt.

Die Bank begründet diesen Schritt mit der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank vom 5. Juni. Seitdem habe sich „eine negative Verzinsung“ auf kurzfristige Euro-Einlagen am Markt durchgesetzt. „Dieser Entwicklung können wir uns nicht mehr länger entziehen. Daher werden wir auf Kontokorrentguthaben in EUR ab dem 15. November 2014 negative Zinsen in Höhe von zunächst - 0,25 % p.a. berechnen. Wir bitten um Ihr Verständnis“, heißt es in der kurzen Mitteilung.

Wo die Deutschen ihr Geld lagern

Festverzinsliche Wertpapiere (inklusive Zertifikate)

216 Milliarden Euro (vier Prozent)

Sonstige Anteilsrechte (zum Beispiel GmbH-Anteile)

199 Milliarden Euro (vier Prozent)

Aktien

300 Milliarden Euro (sechs Prozent)

Sonstige Anlageformen

355 Milliarden Euro (sieben Prozent)

Investmentfonds

450 Milliarden Euro (neun Prozent)

Versicherungen

1552 Milliarden Euro (30 Prozent)

Bargeld und Einlagen

2082 Milliarden Euro (40 Prozent)*

*Quelle: Deutsche Bundesbank

Betroffen sind davon offenbar zunächst Fonds. Sie halten meist Bargeld, etwa als Reserve für den Fall, dass Kunden Geld abziehen oder der Fondsmanager neue Papiere kaufen will. Einer der größten Kunden der DZ Privatbank ist Union Investment. Das Fondshaus bestätigte, dass sich Union Investment aktuell mit der Situation konfrontiert sehe, dass „einzelne Depotbanken“ den Negativzins der Zentralbank „an Union Investment weitergeben“. Das gelte „für das Halten von Bankeinlagen“ oder der Kasse in den Investmentvermögen.

Die DZ Privatbank gehört zur Gruppe der Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Als Private-Banking-Einheit der Volksbanken betreut sie zudem vermögende Kunden. Die Bank war vorübergehend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Raiffeisen- und Volksbanken-Verband BVR wehrt sich gegen Strafzinsen. „Der BVR spricht sich weiterhin gegen negative Zinssätze für Einlagen von Privatkunden aus“, sagte eine Verbands-Sprecherin zuletzt. „Genossenschaftsbanken berechnen regelmäßig keine negativen Zinssätze bei Privatanlegern.“

Angesichts historisch niedriger Zinsen schließen Deutschlands Privatbanken Strafzinsen auf Kundeneinlagen dagegen nicht grundsätzlich aus. „Jedes einzelne Institut muss sich mit dem Thema auseinandersetzen“, sagte der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB).

Kommentare (9)

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G. Nampf

12.11.2014, 16:55 Uhr

Wie bei einer Domino-Kette:

Einer fängt an und alle anderen fallen der Reihe nach um.

Ich habe bei meiner Bank alle Festgelder gekündigt und auf mein Girokonto umbuchen lassen (für Festgeld/Tagesgeld bekommt man ohnehin fast nichts mehr). Wenn das so weitergeht, gehe ich mit einem Rucksack voll bedruckter Baumwolle heim... :-)

Herr Kurt Küttel

12.11.2014, 17:01 Uhr

Banken sind die größten Ansammlungen von Verbrechern. Das System der Banken gehört abgeschafft!

Sergio Puntila

12.11.2014, 17:33 Uhr

eher dürfte anzunehmen stehen, dass jene Banken sich in ihr eigenes operatives Geschäft gemacht haben.
Und wie soll das gehen: Banken mit Negativzinsen?
Zahlen die jetzt dafür ihrer Kundschaft?^^

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