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10.01.2011

22:28 Uhr

Geldautomaten

Neue Gebühren, neue Probleme

VonYasmin Osman, Christian Panster

Der Streit um hohe Gebühren an Geldautomaten scheint beendet. Ab 15. Januar gelten neue Regeln. Kunden sollen künftig weniger für die Abbuchung an Automaten fremder Finanzinstitute bezahlen. Nicht alle Beteiligten sind mit der Neuregelung zufrieden.

Kunden sollen künftig weniger Gebühren am Geldautomat zahlen müssen. dpa

Kunden sollen künftig weniger Gebühren am Geldautomat zahlen müssen.

FRANKFURT. Geld ziehen an fremden Geldautomaten wird für viele Bankkunden ab dem 15. Januar billiger. Sparkassen und Genossenschaftsbanken berechnen fremden Kunden bei Abhebungen mit der Girocard künftig nur noch zwischen zwei und fünf Euro. Die privaten Banken haben sich darauf verständigt, in Zukunft lediglich 1,95 Euro zu verlangen.

Vorangegangen war der Vereinbarung ein heftiger Streit zwischen den Banken untereinander und dem Kartellamt über Wucher am Geldautomaten. Weil sich die Kreditinstitute untereinander immer höhere Gebühren berechnet hatten, leitete die Kartellbehörde 2010 eine Untersuchung ein.

Das neue Gebührensystem soll vor allem Transparenz schaffen: Künftig stellen die Banken fremden Kunden direkt die Gebühr in Rechnung - und nicht mehr deren Bank. Wie hoch die Kosten sind, zeigt der Geldautomat an. Ist die Gebühr zu hoch, kann der Kunde den Vorgang abbrechen und sein Geld woanders ziehen.

Viele Volksbanken und Sparkassen sind allerdings gar nicht glücklich mit der Regelung; ihnen bricht eine lukrative Einnahmequelle weg. Die Kölner Bank beispielsweise rechnet damit, dass sie eine Million Euro weniger verdient pro Jahr. Das genossenschaftliche Institut, das von anderen Banken bislang sechs Euro verlangte, will künftig je nach Standort 3,95 bis 5,95 Euro verlangen. Auch Werner Terheggen, Vorstand der Volksbank an der Niers, rechnet mit Einbußen. "Wir wissen aber nicht, in welcher Höhe, da sich das Kundenverhalten schwer abschätzen lässt", sagt er.

Noch ärgerlicher für Sparkassen und Genossen: Die größten Profiteure des neuen Systems sind nicht einmal die Verbraucher, sondern die Konkurrenten - Banken mit wenigen Filialen und Automaten. Der Grund: Die Gebühren, die sich Kreditinstitute früher untereinander in Rechnung stellten, waren meist höher als der Betrag, den die betroffenen Banken letztlich an ihre Kunden weitergaben.

Ein gutes Beispiel dafür ist die VR-Bank Dinklage-Steinfeld. Bislang haben die Genossen 15,50 Euro von der ING Diba verlangt, wenn deren Kunden bei einem Automaten des Instituts Geld abhoben. Die Direktbank gab wiederum nur fünf Euro an ihre Kunden weiter. Wenn die VR-Bank am Freitag ihre Automaten umstellt, wird sie nur noch zwei verlangen. ING-Diba-Kunden sparen dadurch drei Euro; die Direktbank selbst spart sogar 10,50 Euro, die sie bislang draufzahlen musste.

Bei vielen anderen Banken ist die Rechnung ähnlich. Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank berechneten ihren Kunden bislang mindestens sechs Euro, wenn sie an einem fremden Geldautomaten waren. Heben die Kunden künftig bei der Sparkasse Laubach-Hungen für 4,50 Euro Geld ab, sparen sie 1,50 Euro. Noch mehr sparen aber die Banken, nämlich 14 Euro. Denn bislang verlangte die Sparkasse 20 Euro.

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