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23.01.2012

16:37 Uhr

Geldvermögen steigt

Die Deutschen werden reicher - ein wenig

Die Deutschen haben einiges auf der hohen Kante – seit vergangenem Jahr noch etwas mehr. Wenn die Bürger für die Schulden des Staates aufkommen müssten, bliebe allerdings nicht mehr viel übrig.

Am liebsten im Sparstrumpf: Die Deutschen scheuen das Risiko. dpa

Am liebsten im Sparstrumpf: Die Deutschen scheuen das Risiko.

DüsseldorfDie Deutschen haben ihr Vermögen vermehrt. Nach Schätzungen von Allianz Global Investors legte das Bruttogeldvermögen um rund ein Prozent auf 4,74 Billionen Euro zu, im Jahr 2010 waren es noch 4,69 Billionen Euro.

Dass es überhaupt zu einem Plus von 50 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr gereicht hat, ist ein wenig überraschend. Fast wäre es nämlich anders gekommen. Der Absturz an den Börsen im August und September kostete - zumindest auf dem Papier - einiges an Vermögen. Durch die Buchverluste schmolz der Zuwachs aus dem ersten Halbjahr fast komplett dahin.

„Nach einer anfänglich guten Entwicklung des Bruttogeldvermögens wurde der Vermögensaufbau im zweiten Halbjahr jäh gebremst“, sagt Renate Finke, Ökonomin von Allianz Global Investors.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Die Geldmanager der Allianz messen jedes Jahr das Vermögen. Danach haben die Deutschen im Schnitt in den vergangenen zehn Jahren stetig mehr Vermögen angehäuft, wenn man die Inflation einmal außer Acht lässt. Im Jahr 2001 lag das Bruttogeldvermögen den Angaben zufolge noch bei 3,61 Billionen Euro. Rückgänge gab es lediglich in den Jahren 2002 und 2008 – jeweils nach schweren Crashs an den Börsen.

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten schlagen sich auch im Anlageverhalten nieder: Die Deutschen mögen es seit jeher sicher, am liebsten lassen sie ihr auf dem Sparbuch oder Konto. Zurzeit sind etwa 40 Prozent der Geldanlagen – rund 1,9 Billionen Euro – bei Banken und Sparkassen als Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie als Sparbriefe angelegt. Der Anteil, die in Versicherungen steckt, liegt bei rund 30 Prozent. Der Anteil in Aktien, Investmentfonds, Rentenpapieren und Beteiligungen ging leicht zurück auf 23,5 Prozent.

Kommentare (30)

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Mediale_Volksverarschung

23.01.2012, 16:51 Uhr

Wieder so eine Verallgemeinerungs-Überschrift des HB.
Wer ist „die Deutschen“ und wer wird etwas reicher?
Ich habe die letzten Jahre nur draufgezahlt und bin seit Einführung des Teuros ärmer als zu DM-Zeiten geworden.
Mich kotzen solche redaktionell einseitigen Beiträge nur noch an.

Statistikwahnsinn

23.01.2012, 16:57 Uhr

Selten so einen kranken Schwachsinn gelesen.
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„Rein rechnerisch verfügt jeder Bundesbürger laut Allianz Global Investors über 57.900 Euro. Zieht man die privaten Schulden ab, dann bleiben netto kapp 40.000 Euro.“

Account gelöscht!

23.01.2012, 17:17 Uhr

Man kommt einfach nicht dran vorbei:
Die kommende Enteignung der Deutschen durch Inflation, Leistungskürzung, Steuererhöhungen ist beschlossene Sache.
Wir können uns wehren: Wir konsumieren weniger, wir arbeiten weniger, unser Geld legen wir in Gold, Silber und Notvorräten an. Wir zahlen keine Miete mehr, weil wir im Wohnwagen leben - so wie die Amerikaner in ihren großen Autos wohnen. Drüben nennt man das: "USS-Home": United States Squatter Home. Der amerikanische und später auch der deutsche Traum.

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