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27.05.2014

15:58 Uhr

Gesetzesentwurf liegt vor

Lebensversicherte müssen mit Einbußen rechnen

Das Reformpaket für Lebensversicherer steht: Neukunden drohen niedrigere Garantiezinsen, Altversicherte dürften weniger als bisher von Kursgewinnen profitieren. Geht es den Versicherten jetzt an den Kragen?

Geht es Lebensversicherten an den Kragen? Das Reformpaket sieht vor, dass Altkunden künftig anteilig auf die Beteiligung an Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere verzichten müssen. Getty Images

Geht es Lebensversicherten an den Kragen? Das Reformpaket sieht vor, dass Altkunden künftig anteilig auf die Beteiligung an Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere verzichten müssen.

DüsseldorfDas Maßnahmenpaket zur Zukunft der Lebensversicherung steht. Bereits vor Monaten hatte die Große Koalition angekündigt, Lebensversicherer unter die Arme zu greifen, die aufgrund niedriger Zinsen immer größere Probleme haben, den Versicherten bei Fälligkeit der Lebenpolicen die versprochenen Garantien auszubezahlen.

Am Dienstag nun hat der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Michael Meister (CDU), Journalisten den offiziellen Referentenentwurf vorgestellt. Angestrebt wird, dass das Bundeskabinett den Gesetzentwurf in der ersten Juni-Woche verabschiedet.

Wie bereits erwartet worden war, sollen ab 1. Januar 2015 die Garantiezinsen für neue Lebensversicherungsverträge gesenkt werden. Das bedeutet für alle, die künftig eine abschließen, dass sie nur noch mit einer Mindestverzinsung von 1,25 Prozent rechnen dürfen. Bislang hatten Versicherer noch 1,75 Prozent garantiert.

Die wichtigsten Fragen zur Lebensversicherung

Wie funktioniert die Lebensversicherung?

Es gibt verschiedene Arten von Lebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung dient der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Die Kapitallebensversicherung soll dagegen zugleich auch Altersvorsorge sein. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird letztere erreicht, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge aus. Für viele Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe und bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert.

Was ist die Bewertungsreserve?

Kauft eine Versicherung von den Kundenprämien eine Aktie für 100 Euro, bleibt ihr Buchwert in der Bilanz auch fünf Jahre später bei 100 Euro, auch wenn der Kurs auf 120 Euro gestiegen ist. Die 20 Euro Differenz zwischen Marktwert und Kaufwert ist die sogenannte Bewertungsreserve oder stille Reserve. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2008 müssen Versicherungen die Hälfte der Bewertungsreserve an ihre Kunden auszahlen, deren Verträge auslaufen.

Was ist der Garantiezins?

Viele Verbraucher haben sich auch deshalb für Kapitallebensversicherungen entschieden, weil die Anbieter für das eingezahlte Kapital praktisch eine Art von Mindestverzinsung garantieren: den sogenannten Höchstrechnungszins, umgangssprachlich Garantiezins genannt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Aktuell beläuft er sich auf 1,75 Prozent, ab 1.1.2015 nun wird er auf 1,25 Prozent gesenkt.

Früher lag der Satz deutlich höher, in den 90er Jahren teils bei vier Prozent. Seit 2000 geht es bergab. Der Grund: Versicherer müssen die Gelder ihrer Kunden in krisensicheren Anlageformen investieren. Die Renditen dafür sind seit Jahren aber sehr niedrig.

Was bedeutet das niedrige Zinsniveau konkret für Lebensversicherungen?

Bei Lebensversicherungen mit Garantiezins bildet dieser nur einen Teil der Gesamtverzinsung, welche die Versicherer zahlen. Dazu kommen noch zusätzliche Renditen, wenn Versicherer das Geld der Versicherten besonders gut anlegen. Da die Zinsen für Anleihen krisenfester Staaten aber zurückgehen, schrumpfen generell sowohl Garantiezins als auch Überschussbeteiligungen. Zu beachten ist, dass Bestandskunden in der Regel von Senkungen des Garantiezinses nicht betroffen sind.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Versicherer sagen ja: Weil sie durch niedrigere Garantiezinsen weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und für eine Mindestverzinsung zurücklegen müssen, könnten sie höhere Risiken eingehen – und damit auch für die Versicherten höhere Gesamt-Renditen erwirtschaften. Verbraucherschützer dagegen stehen klassischen Lebensversicherungen inzwischen skeptisch gegenüber. Ihrer Meinung nach fließt zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibt.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Kunden sollten laut Verbraucherschützern auch bedenken, dass die Kündigung eines laufenden Vertrags immer mit Verlusten verbunden ist. Ob diese Verluste von einer jetzt eventuell noch höheren Beteiligung an den Bewertungsreserven ausgeglichen werden, muss im Einzelfall berechnet werden. Zudem ist besonders bei Altverträgen, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, zu beachten, dass sie bei der Auszahlung im Alter noch steuerfrei sind, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat.

Darüber hinaus müssen allerdings auch solche Versicherte mit Einbußen rechnen, die schon eine Lebenpolice am Laufen haben. Konkret wurde im Entwurf die Frage erörtert, wie stark Versicherer künftig Kunden, deren Police ausläuft oder die ihre Police vorzeitig kündigen, an Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere beteiligen müssen.

Bislang sah der Gesetzgeber eine hälftige Beteiligung des Kunden an solchen Bewertungsreserven vor. Nun soll die Beteiligung flexibel gestaltet werden. Konkret sollte die Beteiligung der Kunden in solchen Fällen zurückgefahren werden, in denen der Versicherer die Garantieverzinsung nicht anderweitig erwirtschaften könne. Die Versicherungsaufsicht Bafin wolle dies im jeweiligen Fall überprüfen.

Bewertungsreserven entstehen dann, wenn hochverzinste Papiere, etwa Staatsanleihen, statt auf Rückzahlungswert 100 (pari) auf 107 Prozent (über pari) notieren. Verkauft der Versicherer diese Anleihen zum höheren Kurs vor Fälligkeit, kann er Kursgewinne unmittelbar mitnehmen, muss allerdings auf die ausstehenden (hohe) Zinszahlungen verzichten.

Im Zweifel wäre es für den Versicherer rentabler, die Papiere im Bestand zu halten als sie loszuschlagen, um Versicherten die Beteiligung an den Kursgewinnen auszubezahlen. Die nun ins Auge gefasste, flexiblere Lösung, schafft den Versicherern an dieser Stelle zumindest Spielraum. Laut Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben die Lebensversicherer 2013 jeden Monat geschätzt knapp 300 Millionen Euro an Bewertungsreserven ausgeschüttet.

Kommentare (21)

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27.05.2014, 16:13 Uhr

...und der Beschiß über immer mehr Schrott-Anleihen in den Versicherungs-Portfolien täuscht weiter den fleißigen Vorsorge-Sparer über die Finanzierung der Staatsschuldenkrise hinweg... ...Transparenz sieht anders aus...

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27.05.2014, 16:17 Uhr

Das haben die Besitzer von Lebensversicherungen der absolut verfehlten Politik mit dem Euro zu verdanken (niedrige Zinsen, damit reformunwillige Südstaaten am Leben gehalten werden können); machen wir es England und Frankreich nach, raus aus dem Euro.

Die eigenen Bürger (Wähler) müssen massiv bluten, nur weil Schäuble und Co. eine verfehlte Politik betreiben; dies ist extrem unsozial !!

Account gelöscht!

27.05.2014, 16:23 Uhr

Der Einheitseuro und die dadurch entstehenden Nullzinsen sind an der Misere Schuld. Die deutschen Bürger dürfen nur zahlen, zahlen und gleichzeitig die milliardenschwere Entwertung der Vorsorgevermögen hinnehmen. Schuld ist die unfähige Politik Brüssels, Berlins und der kriminellen EZB. Nein danke für diesen Murks!

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