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11.12.2015

09:00 Uhr

Gesetzliche Krankenversicherung

Jetzt die Kasse wechseln und sparen

VonPeter Thelen

Zum ersten Januar erhöhen die meisten deutschen Krankenkassen ihre Beiträge. Am stärksten wird es die Versicherten der DAK treffen. Welche Kassen auf der Sonnenseite und welche auf der Schattenseite liegen.

Nicht nur die Beiträge können je nach Kasse variieren, auch die Leistungen. Das gilt für den Impfschutz. dpa

Impfung

Nicht nur die Beiträge können je nach Kasse variieren, auch die Leistungen. Das gilt für den Impfschutz.

BerlinDrei Jahre lang herrschte Ruhe an der Beitragsfront der gesetzlichen Krankenversicherung. Seit im Januar 2015 der Gesetzgeber den Kasse das Recht gab, selbst über den vorher bei 0,9 Prozent fixierten nur von den Versicherten zu zahlenden Teil des Beitragssatzes von 15,5 Prozent zu entscheiden, gab es erst mal seit langem sogar Beitragssenkungen bei einigen Kassen.

Doch diese guten Zeiten sind vorbei. Bei der Mehrzahl  der 123 Kassen geht es zum 1. Januar mit den Beitragssätzen nach oben. Den Vogel wird nach Informationen des Handelsblatts die DAK abschießen. Sie muss ihren Zusatzbeitrag von derzeit 0,9 Prozent wohl um mindestens 0,5 Prozent anheben und wird dann mit einem Gesamtbeitrag von 16 Prozent die teuerste Kasse sein.

Die Beitragserhöhungen sind leider keine Eintagsfliege. „In Zukunft rechnen wir jedes Jahr mit einem Anstieg um durchschnittliche 0,2 Prozentpunkte“ sagt der Chef des Verbands der Ersatzkrankenkassen, Christian Zahn.

Höchste Zeit also, über einen Kassenwechsel nachzudenken.

Was Versicherte in der GKV zahlen

System

In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Versicherte einen vorgegebenen Prozentsatz ihres Einkommens – und zwar bis zu einem Höchstbeitrag, der jährlich angepasst wird.

Beitragsbemessungsgrenze

Die Einkommensgrenze für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung lag 2014 bei einem Einkommen von 4050 Euro, 2015 wird sie sich auf 4125 Euro im Monat erhöht.

Wechselgrenze

Zu unterscheiden sind Beitragsbemessungsgrenze und die Grenze für einen Wechsel in die PKV. Letztere ist höher gesetzt. Erst ab einem Monatseinkommen von 4575 Euro ist 2015 ein Wechsel in die PKV möglich. Bisher lag diese Verdienstgrenze bei 4462,50 Euro

Höchstsatz

Ein Kinderloser zahlte 2014 einen Höchstsatz von 15,5 Prozent. Das bedeutet bei einem Einkommen an der Beitragsbemessungsgrenze eine monatliche Prämie von 610,31 Euro. 2015 zahlt der Versicherte dann 14,6 Prozent gesetzlichen Beitrag auf die neue Bemessungsgrundlage (602,25 Euro) plus einen Zusatzbeitragssatz x, den die Krankenkasse festlegt.

Pflegeversicherung

Neben der Krankenversicherung muss auch in die Pflegeversicherung eingezahlt werden. Der Satz beträgt ab 2015 2,35 Prozent. Das entspricht 96,94 Euro für alle, die an der neuen Beitragsbemessungsgrenze von 4.125 Euro verdienen. 2014 zahlte ein Kinderloser somit 720,90 Euro im Monat für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen.

Kinder

Wer Kinder hat, muss weniger in die Pflegeversicherung zahlen. Kinder sind zudem oft beitragsfrei in der Familienversicherung enthalten. In der PKV muss jedes Kind eine eigene Versicherung haben.

Selbstständige

Selbstständige ohne Anspruch auf gesetzliches Krankengeld zahlen etwas weniger, weil ihr Beitragssatz dann nur 14,9 Prozent beträgt. Insgesamt kommen sie 2014 auf 710,78 Euro.

Am Freitag beschließt die Techniker Krankenkasse (TK) – Deutschlands größte gesetzliche Krankenkasse – ihren Beitragssatz für 2016. Kassenchef Jens Baas hat bereits vor Wochen  bekannt gegeben, wie sein Beschlussvorschlag für den Verwaltungsrat aussieht: Um 0,2 Prozent soll der zurzeit mit 0,8 Prozent leicht unter dem Durchschnitt liegende Zusatzbeitrag steigen.

Die TK wird damit auch 2016 mit einem günstigen Beitragssatz von insgesamt 15,6 Prozent glänzen. Denn im Durchschnitt werden die Zusatzbeiträge aller 123 Kassen nach der amtlichen Prognose des Schätzerkreises von  Bundesgesundheitsministerium, GKV-Spitzenverband und Bundesversicherungsamt um 0,2 Prozentpunkte auf 1,1 Prozent steigen, der Gesamtbeitrag somit auf durchschnittlich 15,7 Prozent.

Die TK bleibt damit auf der sicheren Seite.  Ihre Rücklagen sind so hoch, dass sie eigentlich auch mit einem niedrigeren Zusatzbeitrag auskommen würde. Doch dann müsste sie in ein oder zwei Jahren, wenn die Rücklagen aufgebraucht sind, umso stärker erhöhen. „Das wollen wir vermeiden“, sagt TK-Chef Baas.

Es gibt zwei weiterer Gründe, warum die TK den Beitrag 2016 trotz bester Finanzen anhebt, über die der TK-Chef nicht gerne öffentlich spricht. Dabei geht es um die Solidarität mit den anderen Angestelltenkrankenkassen, allen voran mit der DAK, der Barmer und der KKH. Denn diese drei Großkassen sind derzeit alles andere als auf Rosen gebettet. Sie sind heute schon teurer als die TK und müssen voraussichtlich ihre Zusatzbeiträge um mindestens 0,2 Prozent anheben.

Würde die TK ihren Beitragsspielraum nach unten ausschöpfen, würden noch mehr Versicherte zu ihr überlaufen als es heute schon tun. Allein im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Beitrag zahlenden Mitglieder bei der TK um 146.000 auf 6,86 Millionen. Zählt man die beitragsfrei versicherten Familienangehörigen hinzu nähert sich die Kasse mit fast 9,4 Millionen Versicherten inzwischen der Zehn-Millionen-Grenze.

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