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10.12.2014

21:39 Uhr

Gesetzliche Krankenversicherung

Techniker Krankenkasse senkt Beitrag nur gering

VonPeter Thelen

ExklusivDie TK ist die finanzstärkste unter den rund 130 Krankenkassen. Trotzdem senkt sie ab 1. Januar den Mitgliederbeitrag nur wenig. Damit ist sie zwar günstiger als die größten Wettbewerber – es geht aber auch billiger.

Die Techniker Krankenkasse steht finanziell gut da. dpa

Die Techniker Krankenkasse steht finanziell gut da.

BerlinObwohl die Techniker Krankenkasse unter den 131 Krankenkassen mit 3,1 Milliarden Euro die höchsten Rücklagen hat, will sie von der neuen gesetzlichen Möglichkeit, ihren bisher per Gesetz festgelegten Beitrag zu senken, nur sehr vorsichtig Gebrauch machen. Dies erfuhr das Handelsblatt (Donnerstagausgabe) aus Kassenkreisen.

Statt 15,5 Prozent sollen die 6,7 Millionen Mitglieder ab 1. Januar 2015 nur noch 15,4 Prozent zahlen. 0,8 Prozentpunkte davon entfallen auf den allein von den Versicherten zu zahlenden Zusatzbeitrag, der bisher gesetzlich bei 0,9 Prozent festgeschrieben war.

Das bedeutet eine maximale Entlastung von vier Euro im Monat für jedes zahlende Mitglied. Formell beschlossen werden soll der neue Beitrag am Freitag. Wie das Handelsblatt weiter erfuhr, hofft die TK damit auch 2015 alle Ausgaben aus den laufenden Einnahmen decken zu können, also ihre Reserven zu schonen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Zusatzbeitrag

Welchen Zusatzbeitrag erhebt meine Krankenkasse?

Über den Zusatzbeitrag und seine Höhe entscheiden die Verwaltungsräte der einzelnen Krankenkassen. Das geschieht zum ersten Mal mit der Haushaltsplanung Ende 2014. Die Krankenkasse muss ihre Mitglieder per Brief auf den Zusatzbeitrag und das damit verbundene Sonderkündigungsrecht hinweisen. Über Zusatzbeitragssätze, die zum 1. Januar 2015 eingeführt werden, müssen die Kassen bis Ende 2014 informieren. Der GKV-Spitzenverband wird darüber hinaus ab Januar 2015 eine Online-Übersicht aller Zusatzbeitragssätze auf seinen Internetseiten veröffentlichen.

Quelle: Presseinformation des GKV-Spitzenverbands

Wird es Kassen geben, die keinen Zusatzbeitrag erheben?

Rein theoretisch ja, praktisch allerdings unwahrscheinlich. Der niedrigere Beitragssatz zwingt die Kassen förmlich dazu die Mindereinnahmen durch Zusatzbeiträge zu kompensieren.

Kann weiterhin zwischen den Kassen wechseln?

Die freie Wahl zwischen den rund 130 gesetzlichen Krankenkassen bleibt. Der GKV-Spitzenverband weist allerdings darauf hin, dass der finanzielle Aspekt bei der Wahl nicht der ausschlaggebende sein sollte. Jede Kasse könne weiterhin individuelle Zusatzleistungen und Services anbieten. Am Ende komme es auf das individuelle Preis-Leistungs-Verhältnis an.

Darf ich kündigen, wenn meine Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt?

Egal, wie lange die Mitgliedschaft besteht, können Versicherte einer Kasse kündigen und in eine andere Kasse wechseln, wenn ein Zusatzbeitrag erstmalig festgelegt und später erhöht wird. Die Kündigungsfrist beträgt allerdings zwei Monate.

Werden die Zusatzbeiträge weiter steigen?

Das ist wahrscheinlich. Schließlich steigen die Ausgaben der Kassen konstant an. Die Einnahmen dagegen hängen von der Konjunktur ab, die künftig stocken dürfte. Spätestens sobald die Rücklagen der Kassen aufgebraucht sind, wird es also Beitragserhöhungen geben.

Muss ich den Zusatzbeitrag separat überweisen?

Pflichtversicherte Arbeitnehmer müssen den Zusatzbeitrag nicht separat überweisen – er wird direkt vom Arbeitgeber abgeführt. Versicherte, die ihre Beiträge selbst überweisen (wie beispielsweise hauptberuflich Selbstständige), müssen auch künftig den Zusatzbeitrag selbst überweisen.

Spielt der Zusatzbeitrag steuerlich eine Rolle?

Der Zusatzbeitrag erhöht die Krankenversicherungsbeiträge und damit die steuerlich abzugsfähigen Aufwendungen des Mitglieds. Er ist daher bei der Meldung der Krankenversicherungsbeiträge an das Finanzamt zu berücksichtigen.

Barmer und DAK planen den Angaben zufolge trotz der schwierigen Finanzlage ihrer Unternehmen im nächsten Jahr bei 15,5 Prozent Gesamtbeitrag zu bleiben, ebenso die KKH. Dagegen will die kleine Ersatzkasse HKK mit 15,0 Prozent auskommen, die HEK mit 15,4 Prozent.

Die formellen Beschlüsse sollen am kommenden Freitag beziehungsweise in der nächsten Woche fallen. Die AOK-Bayern hat bereits beschlossen bei 15,5 Prozent zu bleiben. Die übrigen acht Ortskrankenkassen halten sich noch bedeckt. Ihre Verwaltungsräte tagen erst in der kommenden Woche. Sechs von ihnen haben immerhin versprochen, nicht teurer zu werden.

Auch bei der Mehrzahl der Betriebskrankenkassen wird erst nächste Woche entschieden: Hier wird die Bandbreite der künftigen Beitragssätze zwischen 14,9 und 15,5 Prozent liegen, hieß es am Mittwoch beim Bundesverband. Damit dürfte es zunächst für keinen der 70 Millionen gesetzlich Versicherten teurer werden als heute.

Weil Kassen ihre Ausgaben im kommenden Jahr theoretisch anteilig noch aus Reserven stemmen können, befürchten einige Experten bereits einen Preiskampf zwischen den Versicherern. Ebenso besteht die Sorgen, Versicherer könnten Mehrleistungen beschränken. Ob das politische Ziel, ein Wettbewerb nach den Gesichtspunkten Preis und Leistung, erreicht werden kann, wird sich erst noch zeigen.

Bis 31. Dezember müssen die rund 130 gesetzlichen Krankenkassen ihre Mitglieder über die Höhe des Zusatzbeitragssatzes schriftlich informiert haben. Ab Januar sollen die Beitragssätze dann auf den Internetseiten des GKV-Spitzenverbands für jedermann zugänglich sein.

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