Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.12.2014

17:17 Uhr

Gesetzliche Krankenversicherung

Viele Kassen wandeln am Abgrund

ExklusivDeutschlands gesetzliche Krankenkassen sind in Finanznot: Den aktuellen Kassenbeitrag von 15,5 Prozent werden nur die allerwenigsten Kassen in Zukunft halten können. Vor allem Betriebskrankenkassen stehen unter Druck.

Bunte Vielfalt: Die meisten Krankenkassen können dauerhaft den Beitragssatz bei 15,5 Prozent nicht halten. dpa

Bunte Vielfalt: Die meisten Krankenkassen können dauerhaft den Beitragssatz bei 15,5 Prozent nicht halten.

BerlinBei fast 20 Krankenkassen sind die Haushalte so auf Kante genäht, dass sie den heute geltenden Beitragssatz von 15,5 Prozent nicht mehr lange durchhalten können. So schreiben nach Recherchen des Handelsblatts (Dienstagausgabe) alle großen Ersatzkassen rote Zahlen. DAK, Barmer und KKH verfügen darüber hinaus nur über geringe Rücklagen von unter 150 Euro je Versichertem.

Noch schwieriger stellt sich die Lage bei einer Reihe kleinerer Betriebskrankenkassen da. Bei der für ihr großen Angebot im Bereich der Alternativmedizin bekannte Securvita beispielsweise lag das Defizit aus dem laufenden Geschäft bereits 2013 sechs mal höher als das Vermögen. Insgesamt lagen die Rücklagen von 18 Betriebskrankenkassen bereits Ende 2013 unter der kritischen Marke von 150 Euro je Versicherten und dürften im Jahresverlauf weiter gesunken sein.

Was Versicherte in der GKV zahlen

System

In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Versicherte einen vorgegebenen Prozentsatz ihres Einkommens – und zwar bis zu einem Höchstbeitrag, der jährlich angepasst wird.

Beitragsbemessungsgrenze

Die Einkommensgrenze für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung lag 2014 bei einem Einkommen von 4050 Euro, 2015 wird sie sich auf 4125 Euro im Monat erhöht.

Wechselgrenze

Zu unterscheiden sind Beitragsbemessungsgrenze und die Grenze für einen Wechsel in die PKV. Letztere ist höher gesetzt. Erst ab einem Monatseinkommen von 4575 Euro ist 2015 ein Wechsel in die PKV möglich. Bisher lag diese Verdienstgrenze bei 4462,50 Euro

Höchstsatz

Ein Kinderloser zahlte 2014 einen Höchstsatz von 15,5 Prozent. Das bedeutet bei einem Einkommen an der Beitragsbemessungsgrenze eine monatliche Prämie von 610,31 Euro. 2015 zahlt der Versicherte dann 14,6 Prozent gesetzlichen Beitrag auf die neue Bemessungsgrundlage (602,25 Euro) plus einen Zusatzbeitragssatz x, den die Krankenkasse festlegt.

Pflegeversicherung

Neben der Krankenversicherung muss auch in die Pflegeversicherung eingezahlt werden. Der Satz beträgt ab 2015 2,35 Prozent. Das entspricht 96,94 Euro für alle, die an der neuen Beitragsbemessungsgrenze von 4.125 Euro verdienen. 2014 zahlte ein Kinderloser somit 720,90 Euro im Monat für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen.

Kinder

Wer Kinder hat, muss weniger in die Pflegeversicherung zahlen. Kinder sind zudem oft beitragsfrei in der Familienversicherung enthalten. In der PKV muss jedes Kind eine eigene Versicherung haben.

Selbstständige

Selbstständige ohne Anspruch auf gesetzliches Krankengeld zahlen etwas weniger, weil ihr Beitragssatz dann nur 14,9 Prozent beträgt. Insgesamt kommen sie 2014 auf 710,78 Euro.

Trotzdem wollen diese Kassen aus Furcht vor Mitgliederverlusten eine Anhebung des Beitragssatzes über 15,5 Prozent hinaus vermeiden. Geraten Kassen in eine finanzielle Schieflage, weil sie ihren Beitrag zu niedrig festgelegt haben, droht eine Haftungskaskade: Zunächst sind andere Kassen der gleichen Kassenart verpflichtet, der notleidenden Kasse durch Finanzhilfen oder eine Fusion beizuspringen. Reicht dies nicht aus, droht Insolvenz. Auch hier müssen die anderen Kassen für die Folgen haften. Das Bundesversicherungsamt, das viele der Haushalte genehmigen muss, war auf Anfrage des Handelsblatts nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Von

pt

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

22.12.2014, 18:55 Uhr

Gesetzliche Kassen in Deutschland sind pleite, denn sie müssen um 50% aller Kunden (Angehörige) kostenlos ärztlich versorgen.

Das ist ein Wohlfahrtsveranstaltung auf Kosten aller Steuerzahler - nichts sonst.

Frau Ute Umlauf

22.12.2014, 19:27 Uhr

Alles Panikmache!
Letzte Woche sollten die Beiträge zur KV noch gesenkt werden!

Herr peter gramm

22.12.2014, 19:53 Uhr

das ganze ist ein ausfluß einer völliog verkorksten politik. die privaten wie die gesetzlichen versicherungen sind zu teuer geworden. privat versicherte kommen immer mehr in den notlagentarif und bei den gesetzlichen können immer größere teile der versicherten ihre beiträge auch nicht mehr bezahlen. hauptsache wir haben ein pflichtversicherungsgesetz. wir haben in der zwischenzeit immer mehr gesetze die vom bürger nicht mehr befolgt werden können. die verwaltung wuchert immer mehr und ergeht sich in sinnloser verwaltung und bestrafung der bürger. pünktchenzählbürokratie in flensburg ist sehr wichtig. jetzt kommt noch die mautüberwachungsbürokratie dazu, die ihk'n überwachen und kontrollieren auch tagein tagaus. hauptsache papier wird sinnlos beschmutzt und von einem schreibtisch zum anderen geschoben und viele pöstchen mit versorgungsanspruch werden geschaffen und unterhalten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×