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10.12.2014

11:27 Uhr

Gesetzliche Krankenversicherung

Wettlauf um die geringsten Zusatzbeiträge

VonSara Zinnecker

Vom 1.1. an dürfen die gesetzlichen Krankenkassen ihre Versicherten extra belangen. Immer mehr Kassen verraten, wie hoch der Zusatzbeitrag ausfällt. Ist der Preiskampf vorprogrammiert? Worauf Versicherte achten sollten.

Der Wettlauf beginnt: In diesen Tagen verraten die gesetzlichen Krankenkassen, wie viel Zusatzbeitrag sie im nächsten Jahr verlangen.

Der Wettlauf beginnt: In diesen Tagen verraten die gesetzlichen Krankenkassen, wie viel Zusatzbeitrag sie im nächsten Jahr verlangen.

DüsseldorfNeugierig dürften Kunden der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den kommenden Tagen zum Briefkasten spazieren. Denn dann werden die ersten Kassen ihren insgesamt rund 70 Millionen Mitgliedern verraten, wie hoch der Zusatzbeitragssatz ausfällt, den Versicherte ab dem 1. Januar abdrücken müssen.

Was steckt dahinter? Zum neuen Jahr sinkt der reguläre Beitragssatz der GKV von 15,5 auf dann noch 14,6 Prozent – so hat es die Große Koalition im Sommer entschieden. Im Gegenzug dürfen Kassen dann je nach Bedarf individuelle Zusatzbeiträge erheben, genauer gesagt: Sie dürfen einen Prozentsatz festlegen, der auf das Einkommen der Versicherten gerechnet wird. Je mehr jemand verdient, umso mehr wird er also zusätzlich bezahlen.

Durchschnittlich wird der Zusatzbeitragssatz bei 0,9 Prozent liegen, hieß es Mitte Oktober bereits vom Schätzerkreis – genau die 0,9 Prozent, um die der Beitragssatz ursprünglich gesenkt wurde. Bleibt am Ende also alles so wie vorher? Nicht ganz. Denn wie der Begriff „Durchschnitt“ bereits impliziert, wird es einige Anbieter geben, deren Zusatzbeiträge nach oben und unten ausschlagen – also teurer oder günstiger versichern als bislang.

Was Versicherte in der GKV zahlen

System

In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Versicherte einen vorgegebenen Prozentsatz ihres Einkommens – und zwar bis zu einem Höchstbeitrag, der jährlich angepasst wird.

Beitragsbemessungsgrenze

Die Einkommensgrenze für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung lag 2014 bei einem Einkommen von 4050 Euro, 2015 wird sie sich auf 4125 Euro im Monat erhöht.

Wechselgrenze

Zu unterscheiden sind Beitragsbemessungsgrenze und die Grenze für einen Wechsel in die PKV. Letztere ist höher gesetzt. Erst ab einem Monatseinkommen von 4575 Euro ist 2015 ein Wechsel in die PKV möglich. Bisher lag diese Verdienstgrenze bei 4462,50 Euro

Höchstsatz

Ein Kinderloser zahlte 2014 einen Höchstsatz von 15,5 Prozent. Das bedeutet bei einem Einkommen an der Beitragsbemessungsgrenze eine monatliche Prämie von 610,31 Euro. 2015 zahlt der Versicherte dann 14,6 Prozent gesetzlichen Beitrag auf die neue Bemessungsgrundlage (602,25 Euro) plus einen Zusatzbeitragssatz x, den die Krankenkasse festlegt.

Pflegeversicherung

Neben der Krankenversicherung muss auch in die Pflegeversicherung eingezahlt werden. Der Satz beträgt ab 2015 2,35 Prozent. Das entspricht 96,94 Euro für alle, die an der neuen Beitragsbemessungsgrenze von 4.125 Euro verdienen. 2014 zahlte ein Kinderloser somit 720,90 Euro im Monat für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen.

Kinder

Wer Kinder hat, muss weniger in die Pflegeversicherung zahlen. Kinder sind zudem oft beitragsfrei in der Familienversicherung enthalten. In der PKV muss jedes Kind eine eigene Versicherung haben.

Selbstständige

Selbstständige ohne Anspruch auf gesetzliches Krankengeld zahlen etwas weniger, weil ihr Beitragssatz dann nur 14,9 Prozent beträgt. Insgesamt kommen sie 2014 auf 710,78 Euro.

Erste Branchenkenner fürchten nun bereits, es könne, wie in der Vergangenheit, ein Preiswettbewerb ausbrechen. Noch recht frisch ist die Erinnerung an die Zeit vor 2009, als die Kassen Beiträge noch selbst festsetzen konnten und die Jagd nach der günstigsten Kasse gang und gäbe war. Oder die Erinnerung an die Jahre 2010 und 2011, als durch den Kostendruck einzelne Kassen Zuschläge einfordern mussten. Sie verloren damals innerhalb weniger Monate zum Teil Hundertausende Versicherte.

Richtig ist: Auch diesmal könnten Versicherte sparen – nämlich dann, wenn sie bei einer Kasse sind, die künftig einen geringeren Zusatzbeitrag nimmt als den Durchschnitt. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Angenommen, ein Kunde verdient 3.500 Euro brutto im Monat.

Würde er den mittleren Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent zahlen, wären das 31,50 Euro im Monat oder 378 Euro im Jahr. Würde seine Kasse den Zusatzbeitragssatz auf 0,8 Prozent absenken, könnte er 42 Euro davon sparen. Läge der Zusatzbeitragssatz bei 0,7 Prozent, könnte er schon 84 Euro sparen. Läge der neue Zusatzbeitragssatz nur noch bei 0,4 Prozent, könnte er stattliche 210 Euro im Jahr sparen.

Letztlich wird es wohl genau dieses Sparpotenzial sein, das Versicherte interessiert, wenn in diesen Tagen der Brief der Kasse eintrudelt. Der ein oder andere Versicherte mag sich fragen: Zahle ich künftig weniger? Wo steht meine Kasse im Vergleich zu anderen? Und: Kann ich mehr sparen, wenn ich wechsle?

Kommentare (7)

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Herr Manfred Zimmer

10.12.2014, 12:01 Uhr

Die Erhebung von Zusatzbeiträgen bei gleichzeitiger Senkung des Beitragssatzes, der jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen wird, ist sachlich nichts anderes als dass der Arbeitnehmer für diesen Teil des Beitrags die alleinige Zahlung übernimmt.

Ein Beispiel:
Wird der Beitragssatz, den bisher Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils hälftig zahlten um 50 €/mtl. gesenkt und die Krankenkasse erhebt einen Zusatzbeitrag von besagten 50 €, greift der Staat dem Arbeitnehmer mit 25 € in die Tasche und schenkt diesem dem Arbeitgeber.

Von dieser Musterrechnung sind alle Rentner betroffen.


Mit welchem Spruch wollten noch einmal die großen Volksparteien bei den letzten Wahlen Punkten? War es nicht "Gerechtigkeit". Das muss zuerst einmal ein Bürger verstehen, was Gabriel und Merkel hier vom Stapel lassen.

Man sollte in diesem Zusammenhang und im Verständnis der Politiker auch beachten, dass diese sich in diesem Jahr einen "Diätenzuschlag" von über 800 € gönnten und die Rentner mit mal einen 1 € im Monat abspeisten. Letztlich sind dies über das 700-fache des Durchschnittsrentners, den die Politiker legitimiert vertreten wollen.

Gemessen an diesem Vergleich sind die Bonus-Ansprüche bei Bankvorständen, die die gleichen Politiker geiseln, geradezu Almosen.

Gerade vor Weihnachten muss die Frage erlaubt sein, welche Charaktere denn den bundesdeutschen Politiker heute ausmachen und ob in Deutschland keine besseren Charaktere von den Parteien auszumachen sind, die das Thema "Gerechtigkeit" besser besetzen können?

Herr Helmut Metz

10.12.2014, 12:09 Uhr

An der Quelle saß der Knabe und labte sich. ;-)
Zeigen Sie mir auch mal irgendeinen Politiker, der sich z.B. im Falle eines Krankenhausaufenthaltes freiwillig in ein Dreibettzimmer legen würde, womöglich auch noch in die Mitte, und sich von kaum der deutschen Sprache mächtigen Assistenzärzten betreuen lassen würde...

Herr Dieter Koch

10.12.2014, 12:11 Uhr

Absolut, der Zusatzbeitrag ist ein Geschenk an die Arbeitgeber, die endlich erreicht haben, dass die bewährte paritätische Finanzierung aufgegeben wird. Durch ein höheres Durchschnittsalter der Bevölkerung mit entsprechend größerer Morbidität dürfte dieser in der Zukunft weiter anwachsen. Das sollte sich der Wähler für die nächsten Wahlen merken.

Im übrigen wäre ein Wettbewerb um die besten Leistungen besser, als über den Beitrag. Wie wir es aus der Vergangenheit kennen, wird Letzteres dazu führen, dass die Kassen ihre Leistungen zurückschrauben und sehr restriktiv agieren werden. Am Besten, man bleibt gesund.

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