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23.07.2015

19:59 Uhr

Gesetzliche Rentenversicherung

280 Millionen Euro Überschuss

Eine positive Entwicklung bei den Beitragseinnahmen hat der gesetzlichen Rentenversicherung im Juni einen Überschuss von 280 Millionen Euro beschert. Nun fordern erste Experten aus der Union eine Beitragssenkung.

Die Nachricht hat eine neue Debatte um den Rentenbeitrag ausgelöst. dpa

Rentenversicherung fährt Überschuss ein

Die Nachricht hat eine neue Debatte um den Rentenbeitrag ausgelöst.

BerlinDie gesetzliche Rentenversicherung hat den Monat Juni überraschend mit einem Überschuss von 280 Millionen Euro abgeschlossen – nach roten Zahlen in den fünf Monaten zuvor. Das erfuhr das Handelsblatt aus Rentenversicherungskreisen.

Grund für das Plus ist die unerwartet positive Entwicklung bei den Beitragseinnahmen. Sie lagen seit Januar trotz der Beitragssenkung Monat für Monat zwischen 1,8 und 4,2 Prozent über Vorjahresniveau. „Die gute Wirtschaftsentwicklung hat die Einnahmeausfälle wegen der Beitragssenkung überkompensiert“, kommentierte der Rentenexperte der CDU, Peter Weiß, die Entwicklung.

Die Nachricht hat eine neue Debatte um den Rentenbeitrag ausgelöst. Während CDU-Rentenexperte Peter Weiß ähnlich wie die Rentenversicherung auf Anfrage des Handelsblatts vor voreiligen Spekulationen warnte, forderte der Wirtschaftsflügel der Union, jeden Spielraum zur Beitragssenkung zu nutzen. „Die Sozialkassen sind keine Sparkassen. Das Geld gehört den Beitragszahlern und muss zurückgegeben werden“, sagte Carsten Linnemann, Chef der Mittelstandsvereinigung der Union, dem Handelsblatt.

Für die Arbeitgeber wies deren Rentenexperte Alexander Gunkel darauf hin, dass belastbare Aussagen für die weitere Beitragsentwicklung erst möglich seien, „wenn die Ende des Jahres aufbereiteten ökonomischen Daten vorliegen“. Auch Gunkel sprach sich aber dafür aus, den Beitrag zu senken, sollten 2016 die Reserven 1,5 Monatsausgaben übersteigen. Zu viel Geld in den Sozialkassen verleite nur zu Ausgaben, die langfristig nicht zu finanzieren sind, sagte er.

Dagegen warnen die Gewerkschaften vor einer weiteren Beitragssenkung. „Nur weil die Beitragseinnahmen im Augenblick gerade sprudeln, sollten wir sie nicht durch eine Beitragssenkung wieder verpulvern“, sagte Annelie Buntenbach, Mitglied des DGB-Bundesvorstands. Wer die Rente sichern wolle, müsse langfristig denken. „Wir sollten eine Demografiereserve aufbauen, damit wir nicht nackt dastehen, wenn die Baby-Boomer in ein paar Jahren in Rente gehen.“

Von

pt

Kommentare (6)

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Herr Andreas Glöckner

23.07.2015, 20:56 Uhr

Entsetzlich, dass immer diejenigen mitreden wollen, die am wenigsten mit dem Erfolg zu tun haben.

Die Gewerkschaften und die Industrie haben diesen Überschuss aufgebaut. Sollen die doch entscheiden, was für die Rentner am besten ist. Sie haben sich ja schließlich auch um die Menschen gekümmert, als die noch Arbeiter waren.

Keine Beitragssenkung. Die Gewerkschaften haben schon Recht.

Herr Peter Noack

24.07.2015, 07:20 Uhr

"280 Millionen Euro Überschuss" in den Kassen der Gesetzlichen Rentenversicherung. Wie viel Prozent des jährlichen Beitragssatzes für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind das denn? Sollten das doch 0,02 Prozent sein? Davon muss sich doch nun endlich der Konsum der Arbeitnehmer und die Investitionsbereitschaft der Unternehmer massiv ausweiten, oder etwa nicht.
Typisches Ideologengeschrei im Sommerloch., sonst nichts.

Herr Peter Noack

24.07.2015, 07:38 Uhr

Überschuss in der Rentenkasse trotz Mütterrente von über 9,5 Milliarden Euro im Jahr und Rente mit 63. Wer hätte das denn gedacht. Die Befürchtungen des Präsidenten lauteten vor einem Monat noch ganz anders. Die Reserven sind bis 2018 aufgebraucht und der Beitragssatz muss auf 19,1 Prozent angehoben werden. Und jetzt, vier Wochen später das ganze Gegenteil? Wir können ja "Rentenexperten" haben. Gilt die ganze Sinnlosdebatte auch für die Arbeitslosen- und für die gesetzlichen Krankenversicherungen?
Wie glaubwürdig soll denn jemand sein, die Beitragssteigerungen das Wort reden?
Woran liegen sämtliche Fehleinschätzungen? Man vergisst einfach die steigende Anzahl der Beitragszahler durch sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Ganz einfach, aber nicht ohne Grund. Die Prognose der Steigerungen oder Senkungen der Beitragssätze hängt folglich direkt und unmittelbar von der steigenden oder sinkenden Zahl der Beitragszahler ab. Wie wird denn diese Prognose bis 2019 ausfallen? Steigt die Anzahl der Beitragszahler auf mehr als 31 Millionen und steigen die Löhne weiter, werden die Beitragssätze eher sinken als steigen. Trotzdem wachsen die Verteilungsspielräume. Werden das die Experten der Sozialversicherungen bald merken oder werden die sich weiter irren?

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