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14.01.2016

13:23 Uhr

Gesundheitsökonom

Zusatzbeiträge sollen 2017 steigen

Hohe Ausgaben bei niedrigen Zinsen setzen Krankenkassen unter Druck – gesetzliche wie private. Das erhöhe mittelfristig die Belastung für Versicherte, so Gesundheitsökonom Stefan Greß. Er rechnet mit einem Systemwechsel.

Schon länger wird die sogenannte „Bürgerversicherung“ diskutiert, bei der alle in die gleiche Kasse einzahlen. Die private Vollversicherung wäre damit überflüssig. dpa

Gesundheitsökonom erwartet Systemwechsel

Schon länger wird die sogenannte „Bürgerversicherung“ diskutiert, bei der alle in die gleiche Kasse einzahlen. Die private Vollversicherung wäre damit überflüssig.

BerlinNach Einschätzung des Gesundheitsökonomen Stefan Greß werden die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung weiter kontinuierlich steigen. Die durchschnittliche Anstieg von 0,2 Prozent wie in diesem Jahr werde „eher am unteren Rand des jährlichen Zuwachses“ liegen, sagte Greß der Wochenzeitung „Das Parlament“. Für 2017 rechne er mit einem Anstieg von 0,4 Prozent.

Die hohen Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) würden sich künftig „eins zu eins auf die Beitragssätze auswirken“, sagte der Gesundheitsexperte von der Hochschule Fulda laut einer Vorabmeldung vom Donnerstag. Das werde den Druck auf die Politik erhöhen, die Ausgaben einzugrenzen oder das System zu ändern.

Zusatzbeiträge Krankenversicherer 2016

Knappschaft

1,42 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,3 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,9 Prozent

AOK Niedersachsen

1,79 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,4 Prozent

AOK Nordwest

1,96 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015:15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,1 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,7 Prozent

AOK Rheinland/Hamburg

2,04 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,4 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 16,0 Prozent

AOK Plus

2,29 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,3 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 14,9 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 0,3 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 14,9 Prozent

IKK Classic

2,6 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,4 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 16,0 Prozent

AOK Baden-Württemberg

3,046 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,0 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,6 Prozent

AOK Bayern

3,33 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,1 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,7 Prozent

DAK

4,89 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,5 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 16,1 Prozent

Barmer GEK

6,7 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,1 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,7 Prozent

Techniker Krankenkasse

6,87 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,0 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,6 Prozent

Quelle

Unternehmen

Aber auch die Halbwertszeit der privaten Krankenversicherung (PKV) sei „überschritten“, sagte Greß. „Die niedrigen Zinsen sind eine Zeitbombe, die in der PKV tickt und die über kurz oder lang zu massiven Prämienerhöhungen führen wird.“ Spätestens dann werde die Diskussion um die Bürgerversicherung noch einmal neu aufleben. SPD, Grüne und Linke im Bundestag werben schon länger für die solidarische Bürgerversicherung, in die alle einzahlen.

Auch Greß hält es für grundsätzlich sinnvoll, die Versicherungslast auf mehr Schultern zu verteilen. Das würde eine Abkehr von der privaten Krankenvollversicherung bedeuten. Er rechne daher in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit einem Systemwechsel in der Krankenversicherung.

Die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge zum Jahreswechsel hatte die Debatte über eine mögliche Rückkehr zur paritätischen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer befeuert. Derzeit müssen die Arbeitnehmer die Zusatzbeiträge und damit die Mehrkosten in der gesetzlichen Krankenversicherung alleine tragen.

Grüne und Linke erneuerten am Donnerstag mit Anträgen im Bundestag ihre Forderung nach einer Rückkehr zur paritätischen Gesundheitsfinanzierung. Die SPD unterstützt dies.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, forderte eine Kehrtwende von der Unionsführung. Die Union lehnt die Rückkehr zur Parität ab. Deutschland sei ein leistungsstarkes Land, erklärte Mattheis. Damit habe die jetzige zusätzliche Belastung der Arbeitnehmer ihre Grundlage verloren.

Von

afp

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