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16.10.2015

13:52 Uhr

Girokonten im Vergleich

Wo Neukunden richtig absahnen

VonJens Hagen

Die Banken haben das Girokonto wiederentdeckt. Sie locken mit Wechselprämien von bis zu 100 Euro. Welche Institute am meisten zahlen und faire Konditionen für Dispo und Karten bieten, zeigt das Tool der Woche.

Viele Banken locken Girokonten-Neukunden mit einem Handgeld. Imago

Sahnehaube

Viele Banken locken Girokonten-Neukunden mit einem Handgeld.

FrankfurtDie Banken blasen bei Girokonten zum Angriff. Wer bei der ING-DiBa bis Ende November ein Girokonto eröffnet, kann sich als „Dankeschön zum 50. Geburtstag“ des Instituts über eine Gutschrift von 100 Euro freuen. Auch die 1822 direkt bietet Wechslern ein „Dankeschön“ von 100 Euro für ihr Gratiskonto. Eine „Prämie von bis zu 150 Euro gibt es bei Comdirect. „100 Euro wenn sie uns mögen, 150 Euro wenn nicht“, wirbt das Institut.

Eigentlich waren solche Wechselprämien längst aus der Mode, bis die Commerzbank im November 2012 nicht nur Neukunden mit 50 Euro belohnte, sondern auch unzufriedenen Kunden weitere 50 Euro anbot. Die Prämien zahlen die Banken nicht nur aus reiner Menschenliebe. Die Akquise eines Neukunden kostet die Institute zwischen 250 Euro und 350 Euro.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



„Girokonten sind ein wichtiges Ankerprodukt im Privatkundengeschäft“, erklärt Oliver Mihm, Vorstand der Unternehmensberatung Investors Marketing. „Viele Banken locken Neukunden daher mit hohen Prämien, weil sie eine langjährige Kundenbeziehung mit dem Vertrieb von weiteren Finanzprodukten erwarten.“

Insgesamt 17 Institute belohnen Wechsler derzeit mit mindestens 50 Euro, wie eine Marktstudie der FMH Finanzberatung für das Handelsblatt ergab. Ein Wechsel ist gratis und einfach. Die Commerzbank bietet sogar eine Kontowechsel-App an und früher oder später werden alle Banken ein vergleichbares Angebot haben. Verbraucherzentralen stellen Musterschreiben zur Kündigung ins Netz. „Kunden sollten aber nicht nur auf den Bonus achten“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Auch die weiteren Konditionen sind wichtig.

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