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18.10.2012

11:55 Uhr

Girokonto

Banken erhöhen heimlich die Gebühren

Schon wieder Ärger um die Banken: Immer mehr Geldinstitute führen die Gebühren für Kontoführung wieder ein. Kunden bekommen davon oft gar nichts mit. Verbraucherschützer raten zum Wechsel.

Immer mehr Banken schaffen das Gratiskonto ab. dpa

Immer mehr Banken schaffen das Gratiskonto ab.

DüsseldorfSeit Sommer hat sich so manches Geldinstitut auf leisen Sohlen vom Gratis-Girokonto verabschiedet und wieder auf Gebühren umgestellt. „Den Anfang machte die Santander Bank, die HypoVereinsbank zog nach sowie diverse kleinere Sparkassen“, hat Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, beobachtet.

Der Rückzug vom Nulltarif liege bei Filialbanken klar im Trend. Dafür haben reine Online-Banken eine Art Gegenoffensive gestartet, um unzufriedene Kunden abzufischen. Sie zahlen derzeit bis zu 100 Euro Prämie für jeden Neukunden - das kostenlose Girokonto gibt es sowieso.

Das Wiedereinführen von Gebühren für Konten, die oft jahrelang kostenfrei waren, habe viele Verbraucher auf die Palme gebracht, berichtet Oelmann. „In unseren Beratungsstellen machten Unzählige ihrem Ärger Luft.“

Was die Banken bei einer Konto-Überziehung verlangen

Umfragen

Finanztest und die FMH-Finanzberatung aus Frankfurt haben bei den Banken die Dispo-Zinsen erfragt oder ermittelt.

Ergebnis von Finanztest

"Bis zu 14,75 Prozent Dispozinsen zahlen Bankkunden, wenn sie ihr Konto überziehen, obwohl sich Banken und Sparkassen für nur 0,5 Prozent Zinsen Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Einige Banken verstoßen zudem gegen das Gesetz, weil sie in ihren Filialen keinen Preisaushang zur Höhe ihrer Dispozinsen haben. Für die September-Ausgabe (2013) ihrer Zeitschrift Finanztest hat die Stiftung Warentest flächendeckend die Dispozinsen der 1538 Banken in Deutschland ermittelt und Unterschiede von mehr als 10 Prozent festgestellt."

Ergebnis von FMH-Finanzberatung

"Die wirklich schlechten Banken sind nicht bereit, sich in solchen Vergleichen zu zeigen." Der schlechteste, im August 2013 von FMH ermittelte Wert ist also nicht so schlecht wie er aussieht. Finanztest hat durch eine umfangreichere Recherche andere Extreme gefunden.

Margen

Die Banken verdienen heute an Überziehungen deutlich mehr als früher. Vergleicht man zum Beispiel einen Schnitt der Dispo-Zinsen mit dem Referenzzins, dem Euribor für drei Monate, so ergeben sich in einer Vierjahresbetrachtung im Schnitt Gewinnmargen von über 10 Prozentpunkten. Vor der Jahrtausendwende waren es dagegen mal sieben Prozentpunkte oder weniger, ermittelte die FMH-Finanzberatung.

Die günstigsten Banken

Deutsche Skatbank, einige PSD Banken, DAB Bank, 1822 direkt

Quelle: FMH Finanzberatung, Finanztest

Mehr als 12 Prozent

Deutsche Bank, Postbank

Mehr als 14 Prozent

Raiffeisenbank Dietersheim, Raiffeisenbank Weil, Raiffeisenbank Oberbayern Südost, Volksbank Haaren, Targobank

Topwerte

Den höchsten Dispozinssatz von 14,75 Prozent verlangte die Volksbank Feldatal in Hessen. Das Institut hat seinen Satz jedoch inzwischen auf 12,95 Prozent gesenkt. Dass es auch anders geht, zeigen nach Erkenntnissen von Finanztest die VR-Bank Uckermark-Randow, die lediglich 4,2 Prozent für den Dispo für ihr Konto "Komfort Plus" verlangt sowie die Deutsche Skatbank, die von allen Kunden nur einen Dispozins von 5,25 Prozent für ihr online geführtes Girokonto erhebt. Im Schnitt hat die Stiftung Warentest einen Zinssatz von 11,31 Prozent ermittelt.


Intransparenz

119 Banken kassieren Dispozinsen von 13 Prozent und mehr. Um Kunden Vergleiche zu erschweren, nennen viele Institute die Zinshöhe nicht. In 606 Filialen musste die Stiftung Warentest Tester schicken, weil sie auf die schriftliche Anfrage nicht reagiert hatten und ihre Konditionen auch nicht im Internet zu finden waren. Doch auch intensives Nachfragen in den Filialen brachte in 26 Fällen kein Ergebnis.

Trend

Im Durchschnitt ist der Zinssatz für den Dispokredit seit der letzten Erhebung der Stiftung Warentest gesunken - und zwar etwas mehr, als die Marktzinsen im gleichen Zeitraum. Positive Beispiele dafür seien die Raiffeisenbank Oberursel und die Volksbank Forchheim. Die erste senkte nach der aktuellen Anfrage der Stiftung Warentest den Zinssatz von 12,25 Prozent auf 7,75 Prozent, die zweite von 12,75 Prozent auf 9,25 Prozent.

Extreme

Manche Überziehungen über das vereinbarte Soll hinaus werden von den Banken geduldet. Sie verlangen dafür jedoch höhere Zinsen, die um drei bis sechs Prozentpunkte über dem vereinbarten Dispozins liegen können - im Extrem sind also Zinsen von 20 Prozent oder mehr möglich.

„Die Sensibilität für Bankgebühren nimmt bei den Bürgern zu“, betont auch Kerstin Backofen von Stiftung Warentest. Der Großteil der Kunden habe allerdings noch gar nicht mitgekriegt, dass er fürs Konto bald wieder zahlen soll, ist Oelmann überzeugt.

Denn die Umstellung macht sich unterschiedlich bemerkbar, je nach Filialbank. Mal wird das kostenfreie Kontomodell ganz abgeschafft und auf kostenpflichtige Alternativen verwiesen, mal an neue Guthabengrenzen, Mindesteingänge oder -umsätze gekoppelt.

Welche Banken die niedrigsten Dispozinsen haben

Platz 10

Die PSD Bank Nürnberg fordert Dispozinsen in Höhe von 8,1 Prozent und ist damit der einzige Top-10-Anbieter über acht Prozent.

Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 17.1.2013

Platz 9

Bei der DKB Deutsche Kreditbank liegen die Dispozinsen bei 7,9 Prozent.

Platz 8

Die PSD Bank Hessen Thüringen Giro Direkt verlangt Dispozinsen in Höhe von 7,77 Prozent.

Platz 7

Die Direktbank 1822direkt verlangt Dispozinsen in Höhe von 7,74 Prozent. Auch die PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz und die PSD GiroDirekt und die PSD Bank RheinNeckarSaar Giro Direkt liegen hier.

Platz 6

Bei der PSD Bank Kiel liegen die Dispozinsen bei 7,71 Prozent.

Platz 5

Die DKB Deutsche Kreditbank verlangt Dispozinsen in Höhe von 7,90 Prozent.

Platz 4

Bei der PSD Bank Braunschweig muss der Kunde Dispozinsen in Höhe von 7,45 Prozent zahlen.

Platz 3

Die PSD Bank Berlin-Brandenburg verlangt Dispozinsen in Höhe von 6,99 Prozent. Bei der PSD Bank Westfalen-Lippe sind es 7 Prozent.

Platz 2

Bei der DAB Bank (Direktbank) liegen die Dispozinsen bei 6,95 Prozent.

Platz 1

Die niedrigsten Dispozinsen gibt es bei der Deutschen Skatbank (Direktbank). Hier liegen die Zinsen bei 5,25 Prozent.

Beispiel Santander: Das spanische Bankhaus, das seine Kunden von der schwedischen SEB-Bank übernahm und offenbar als erstes an der Gebührenschraube drehte, überraschte die Inhaber des Gratis-Kontos Giro4free mit folgendem Schreiben: „Glückwunsch. Ab sofort nutzen Sie GiroStar 1 Jahr kostenfrei!“ Die Angeschriebenen brauchten „nichts weiter zu unternehmen“, außer nach einem Jahr für den Wechsel von „free“ zu „Star“ monatlich 5,99 Euro zu zahlen.

„All die, die den Brief als Werbeaktion wegwarfen, kriegen die Kostenpflicht erst in ein paar Monaten mit“, erläutert Oelmann. Andere Geldinstitute hätten die anstehenden Veränderungen wenigstens klar formuliert und nicht als Marketingaktion verpackt.

Kommentare (95)

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Skywalker

18.10.2012, 12:34 Uhr

Eine Leistung kostet i.d.R. Geld, aber Bankenbashing ist im Moment in. Vielleicht könnten die Banken die Einlagen und Kredite mit den gleichen Zinssätzen ausstatten, die Beratungen kostenfrei erbringen, Girokonten kostenlos führen und die Bargeldversorgung kostenlos sicher stellen. Wäre das dann o.k.? Ach ja, das Sponsoring von gemeinnützigen Aufgaben sollte nicht unter den Tisch fallen!

Blubb

18.10.2012, 12:40 Uhr

Dieser Artikel ist m.E. schlecht recherchiert, wie viele der HB Artikel zu diesem Thema! Mit der Überschrift "locken" und im Text darunter nur heiße Luft.
1. Die Banken erhöhen die Gebühren nicht "heimlich" sondern schreiben ALLE Kunden mind. 3 Monate vorher an. Kunden die bis dahin nicht reagiert haben oder der Umstellung widersprochen haben, sind selber Schuld.
2. Alle Filialbanken haben in etwa die selben Gebühren. Bei den einen kostet das Konto etwas mehr, bei den anderen der (Kredit-)Kartenpreis, dann wieder bei anderen der Zahlungsverkehr. Alle Filialbanken haben am deutschen Markt die gleiche Voraussetzungen (Mieten für Filialen (Filialnetz), Personalkosten, Stromkosten, Servicekosten). Irgendwo relativiert sich alles wieder.
3. Klar ist auch das Filialbanken nicht mit Onlinebanken mithalten können. ABER: wer den Service einer Bank mit Filialnetz nutzen möchte, sollte auch dazu bereit sein, etwas mehr zu bezahlen.

NichtKostenlos

18.10.2012, 12:54 Uhr

Genau so ist es. Wir müssen endlich mit dem geiz ist geil Denken aufhören. Es handelt sich bei der Kontoführung um eine Dienstleistung und warum soll diese umsonst sein. Auf dauer kann sich das kein Kaufmann leisten.

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