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12.10.2012

13:06 Uhr

GKV

Krankenversicherte müssen weniger zahlen

Gesundheit dürfte im nächsten Jahr günstiger werden. Immer mehr Gesetzliche Krankenkassen planen Rückzahlungen für ihre Versicherten. Auch bei der Praxisgebühr tut sich etwas. Kanzlerin Merkel denkt an eine Abschaffung.

Krankenversicherungskarten: Einige Kassen zahlen Beiträge zurück. dpa

Krankenversicherungskarten: Einige Kassen zahlen Beiträge zurück.

Angesichts der Rekordrücklagen im Gesundheitssystem überdenkt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Festhalten an der Praxisgebühr. Die Kanzlerin betrachte derzeit das „Gesamtbild“ im Gesundheitswesen „und denkt intensiv über die Argumente, die da vorgebracht werden, nach“, sagte ihr Sprecher Steffen Seibert in Berlin. Auf die Frage, ob Merkel die vom Koalitionspartner FDP geforderte Abschaffung der Gebühr weiterhin ablehne, sagte Seibert, es gebe ein „Prüfen der Argumente“.

Das FDP-geführte Bundesgesundheitsministerium warb erneut für eine Abschaffung. „Es besteht aus unserer Sicht kein Grund dafür“, die Gebühr beizubehalten, sagte Ministeriumssprecher Christian Albrecht. Die Praxisgebühr bezeichnete er als "verkorkst". Albrecht begrüßte es als "ein gutes Signal", dass nach der KKH-Allianz nun auch die Techniker Krankenkasse als zweite große Kasse angekündigt hat, den Versicherten unter bestimmten Bedingungen die Praxisgebühr rückzuerstatten.

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Wer mit akuten Beschwerden in eine Praxis kommt, muss oft lange warten. Gesetzlich Versicherte können froh sein, wenn sie noch am selben Tag behandelt werden. Was sich Patienten bieten lassen müssen - und was nicht.

Die Praxisgebühr von zehn Euro, die seit dem Jahr 2004 jeder Patient beim ersten Arztbesuch im Quartal bezahlen muss, bringt jährlich etwa zwei Milliarden Euro ein. Nach Meinung von Kritikern wurde das Ziel der Praxisgebühr, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren, verfehlt. Fast 30 Milliarden Euro dürften in der gesetzlichen Krankenversicherung bald auf der hohen Kante liegen. Einzelne Kassen schütten Prämien aus. Die Koalition streitet über die Praxisgebühr.

Ohnehin können viele Versicherte im nächsten Jahr sparen. Angesichts der Rekordreserven der gesetzlichen Krankenversicherung bekommen gesetzlich Versicherte bald millionenfach Prämien ausgeschüttet.

Die Techniker Krankenkasse entscheidet am Freitagmittag über die bereits angekündigte Ausschüttung an ihre knapp sechs Millionen Beitragszahler, wie eine Sprecherin in Hamburg sagte. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitag) will die zweitgrößte deutsche Kasse nächstes Jahr eine Prämie von 80 Euro zahlen. Zudem sollen die Versicherten die Praxisgebühr von 10 Euro im Quartal erstattet bekommen, wenn sie an mindestens vier Vorsorgemaßnahmen im Jahr teilgenommen haben.

Die Beitragsspirale in der GKV

Die letzten fünf Jahre: 2008 bis 2012

Schnitt über fünf Jahre: 3,27 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

2012: Beitragssteigerung: 3,03%; Höchster Beitrag: 592,88 Euro
2011: Beitragssteigerung: 2,99%; Höchster Beitrag: 575,44 Euro
2010: Beitragssteigerung: -1,91%; Höchster Beitrag: 558,75 Euro
2009: Beitragssteigerung: 6,20%; Höchster Beitrag: 569,63 Euro
2008: Beitragssteigerung: 6,03%; Höchster Beitrag: 536,4 Euro

2003 bis 2007

Schnitt über zehn Jahre: 2,7 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

2007: Beitragssteigerung: 0,00%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro
2006: Beitragssteigerung: 0,36%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro
2005: Beitragssteigerung: 1,07%; Höchster Beitrag: 504,08 Euro
2004: Beitragssteigerung: 3,25%; Höchster Beitrag: 498,72 Euro
2003: Beitragssteigerung: 6,01%; Höchster Beitrag: 483 Euro

1998 bis 2002

Schnitt über 15 Jahre: 2,28 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut


2002: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 455,62 Euro
2001: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 450,38 Euro
2000: Beitragssteigerung: 0,43%; Höchster Beitrag: 445,21 Euro
1999: Beitragssteigerung: 1,19%; Höchster Beitrag: 443,29 Euro
1998: Beitragssteigerung: 3,20%; Höchster Beitrag: 438,07 Euro

1993 bis 1997

Schnitt über 20 Jahre: 3 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1997: Beitragssteigerung: 2,50%; Höchster Beitrag: 424,5 Euro
1996: Beitragssteigerung: 4,90%; Höchster Beitrag: 414,15 Euro
1995: Beitragssteigerung: 2,63%; Höchster Beitrag: 394,82 Euro
1994: Beitragssteigerung: 3,98%; Höchster Beitrag: 384,7 Euro
1993: Beitragssteigerung: 11,72%; Höchster Beitrag: 369,97 Euro

1988 bis 1992

Schnitt über 25 Jahre: 3,18 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1992: Beitragssteigerung: 8,90%; Höchster Beitrag: 331,16 Euro
1991: Beitragssteigerung: 0,70%; Höchster Beitrag: 304,09 Euro
1990: Beitragssteigerung: 0,08%; Höchster Beitrag: 01,98 Euro
1989: Beitragssteigerung: 1,67%; Höchster Beitrag: 301,75 Euro
1988: Beitragssteigerung: 7,77%; Höchster Beitrag: 296,8 Euro

1983 bis 1987

Schnitt über 30 Jahre: 3,48 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1987: Beitragssteigerung: 5,12%; Höchster Beitrag: 275,41 Euro
1986: Beitragssteigerung: 7,22%; Höchster Beitrag: 261,99 Euro
1985: Beitragssteigerung: 7,49%; Höchster Beitrag: 244,35 Euro
1984: Beitragssteigerung: 0,47%; Höchster Beitrag: 227,32 Euro
1983: Beitragssteigerung: 4,61%; Höchster Beitrag: 226,25 Euro

1978 bis 1982

Schnitt über 35 Jahre: 4,08 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1982: Beitragssteigerung: 8,63%; Höchster Beitrag: 216,28 Euro
1981: Beitragssteigerung: 6,61%; Höchster Beitrag: 99,1 Euro
1980: Beitragssteigerung: 7,74%; Höchster Beitrag: 186,75 Euro
1979: Beitragssteigerung: 7,16%; Höchster Beitrag: 173,33 Euro
1978: Beitragssteigerung: 8,83%; Höchster Beitrag: 161,75 Euro

1973 bis 1977

Schnitt über 40 Jahre: 5,72 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1977: Beitragssteigerung: 10,65%; Höchster Beitrag: 148,63 Euro
1976: Beitragssteigerung: 19,15%; Höchster Beitrag: 134,33 Euro
1975: Beitragssteigerung: 23,78%; Höchster Beitrag: 112,74 Euro
1974: Beitragssteigerung: 12,25%; Höchster Beitrag: 91,08 Euro
1973: Beitragssteigerung: 19,96%; Höchster Beitrag: 81,14 Euro

Die Hanseatische Krankenkasse (HEK) wird ihren Jahresüberschuss nach eigenen Angaben in nahezu voller Höhe an ihre 293 000 Mitglieder ausschütten. Der Verwaltungsrat beschloss am Freitag eine Zahlung von 75 Euro am 1. Mai 2013. Acht meist kleinere Kassen schütten bereits Prämien von 30 bis bis 72 Euro pro Jahr aus. Kritik an den Prämien kam von der Barmer GEK: „Davon halten wir sehr wenig, wir investieren in den Ausbau der Leistungen.“

Die Reserven der einzelnen Kassen steigen laut GKV-Schätzerkreis bis Jahresende voraussichtlich um 3,9 Milliarden Euro. Sie lagen im Sommer bei 12,8 Milliarden Euro. Hinzu kommt ein erwartetes Polster des Gesundheitsfonds von 12,7 Milliarden Euro. Die GKV-Reserven setzen sich aus dem Polster des Fonds, der Geldsammelstelle der Kassen, und dem der einzelnen Versicherungen zusammen. Rein rechnerisch könnten sie sich zum Jahresende also auf gut 29 Milliarden Euro summieren.

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Kommentare (5)

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tomtom

12.10.2012, 16:25 Uhr

Zitat: "Kanzlerin Merkel denkt an eine Abschaffung."
Frage: Für was bezahlen wir denn so viele Parlamentarier und deren Büros etc, wenn das Politbüro sowieso alles allein macht ?

Na, dDas wird ja was werden wenn Frau Merkel in ein paar Jahren nach Brüssel geht und dort Chefin von Europa wird (Meldung der rp-online letzte Woche). Das Amt dafür soll ja noch geschaffen werden.

Pathologe

12.10.2012, 17:59 Uhr

Die Praxisgebühr kann kaum etwas eingebracht haben,außer für die Hausärzte. Man wird dadurch dazu angehalten einen häufig unnötigen Arztbesuch zu machen,bevor man zum Facharzt geht, und diese Arztbesuch kostet schon mehr als die Praxisgebühr. Das bedeutet, das in solchen Fällen die Ksssen durch die Praxisgebühr ein Minus machen. Mit gesunden Menchenverstand hat solch eine Regelung jedenfalls nichts zu tun. Ich versthe nicht, daß diese Argumente nie diskutiert wurden.

Schierijo

16.10.2012, 12:53 Uhr

Diese Regierung muss Ihren Beschluss für alle gesetzlichen Krankenkaasen einen Einheitsbeitrag zu verlangen, dringend ändern.
Die Kassen müssen Ihre Beiträge wieder selbst festlegen, um somit wieder Wettbewerb zwischen den Kassen zu erzeugen.
Wor zahelen einen Pflichtbeitrag im Höchsfall von fast 600,- EUR,mkönnen diesen nicht beeinflussen und sind bei Rückzahlungen unseres geldes auf die "Gnade" der Kassen angewiesen.
Armes Deutschland!!

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