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13.06.2017

21:24 Uhr

Global Wealth 2017

Vermögen der Deutschen wächst nur unterdurchschnittlich

Im Sparen sind die Deutschen Weltmeister, doch ihr Vermögen wächst nicht so schnell wie in manch anderen Ländern. Der Zugewinn der privaten Finanzvermögen liegt unter dem Vorjahresniveau und unter der globalen Zuwachsrate.

Die Deutschen liegen mit 6,3 Billionen US-Dollar (5,6 Billionen Euro) privatem Gesamtvermögen global auf Platz fünf. dpa

Euro-Scheine

Die Deutschen liegen mit 6,3 Billionen US-Dollar (5,6 Billionen Euro) privatem Gesamtvermögen global auf Platz fünf.

Frankfurt/New YorkDie Deutschen sparen wie die Weltmeister - aber ihr Vermögen wächst einer Studie zufolge im weltweiten Vergleich nur unterdurchschnittlich. Mit 3,7 Prozent lag der Zugewinn der privaten Finanzvermögen in Deutschland 2016 sowohl unter dem Vorjahresniveau (plus 4,2 Prozent) als auch unter der globalen Zuwachsrate des vergangenen Jahres (plus 5,3 Prozent).

Nach der am Dienstag in New York vorgestellten Studie („Global Wealth 2017“) des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) liegen die Deutschen mit 6,3 Billionen US-Dollar (5,6 Billionen Euro) privatem Gesamtvermögen global auf Platz fünf. Berücksichtigt werden dabei Bargeld, Aktien, Wertpapiere und Fonds - nicht jedoch Immobilien.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Unangefochtener Spitzenreiter beim privaten Finanzvermögen sind dieser Auflistung zufolge nach wie vor die USA (50,7 Billionen Dollar), vor China (18,9 Billionen Dollar), Japan (14,5 Billionen Dollar) und Großbritannien (8,8 Billionen Dollar). Weltweit lagerten demnach im vergangenen Jahr insgesamt 166,5 Billionen Dollar in Depots und auf Konten. Pro-Kopf-Zahlen nennt die Studie nicht.

„Die Deutschen sind nach wie vor starke Sparer. Die Studie zeigt, dass mehr als 40 Prozent ihres Finanzvermögens Spareinlagen und Bargeld sind. Nur eine Minderheit legt ihr Geld etwa in Aktien an“, erläuterte BCG-Partner Daniel Kessler. „Das sorgt zwar für größere Stabilität, führt aber auch dazu, dass sich Privatvermögen in Deutschland langsamer entwickeln.“

Dollar-Millionäre gibt es in Deutschland nach BCG-Angaben dennoch inzwischen 473.185 – auf sie entfällt gut ein Viertel des gesamten Privatvermögens hierzulande. Die meisten Privathaushalte mit einem siebenstelligen Vermögen finden sich in den USA: fast 7,1 Millionen.

Von

dpa

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