Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2012

11:01 Uhr

Gut und günstig

Die besten Billigtarife der Krankenversicherer

VonThomas Schmitt

ExklusivEine private Krankenversicherung muss nicht teuer sein, aber auch nicht super billig. Angestellte wie Selbstständige achten auf Prämie und Leistung gleichermaßen und meiden Lockvogelangebote im Internet.

Nicht nur für Lebensmittel, auch in der privaten Krankenversicherung gilt: "Geiz ist nicht geil! - Qualität hat ihren Preis". dpa

Nicht nur für Lebensmittel, auch in der privaten Krankenversicherung gilt: "Geiz ist nicht geil! - Qualität hat ihren Preis".

DüsseldorfVorsicht Falle: Wer bei Google die Wortkombination „private Krankenversicherung billiger“ eingibt, erhält derzeit Ergebnisse wie: „Private Krankenversicherung (KV) ab 15,09 Euro monatlich“, „Private KV ab 39 Euro Vergleich kostenlos“, „Für Selbstständige ab 59 Euro“. Das sind nur drei Beispiele.

Nirgendwo sonst können clevere Verkäufer so schnell so viele Menschen auf einen Schlag finden, die gern weniger für ihre Krankenversicherung zahlen möchten. Sie locken mit unglaublich günstigen Monatsprämien. Doch die später offerierten Tarife lassen dann viele Wünsche offen, weil niedrige Preise eben auch schlechte Leistungen bedeuten.

Auf längere Sicht ist es für preisbewusste PKV-Mitglieder daher günstiger, wenn sie nicht nur auf den Preis achten, sondern auch auf Leistungen, die etwas über dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegen sollten. Die Versicherungsanalysten von Franke und Bornberg berechneten dies für das Handelsblatt am Beispiel für 32-Jährige.

So preiswert ist ein ordentlicher Krankenschutz

Was zahlen 32 Jahre alte Männer?

Im Schnitt zahlen Männer in PKV-Tarifen mit ordentlichen Leistungen 370 Euro. Wer auf Leistungen verzichtet, kann den Beitrag auch unter 300 Euro im Monat drücken. Wer dagegen auf ein akzeptables Niveau in der Privatversicherung Wert legt, muss mit gut 300 Euro im Monat rechnen. So viel verlangen die am besten benoteten Versicherer. In der Spitze geht es hoch bis über 400 Euro.

Warum greifen Frauen viel tiefer in die Tasche?

Frauen zahlen in diesem Jahr noch generell mehr als Männer, weil sie nach Ansicht der Versicherer höhere Kosten verursachen. Im Schnitt sind es fast 100 Euro mehr pro Monat als bei den Männer. Bei manchen Versicherern ist der Unterschied sogar noch größer. Unter 300 Euro kommen Frauen daher in dieser mittleren Leistungsklasse kaum weg, in der Spitze können es bis zu 600 Euro sein. Ab 2013 darf es dagegen im Neugeschäft keine Unterschiede mehr im Neugeschäft geben.

Wie gut sind günstige Privattarife?

Reine Billigtarife erhalten in einem Notenraster von 1 bis 6 höchstens befriedigende Noten. Ganz anders sieht das Bild aus, wenn man besser ausgestattete Tarife in die Betrachtung einbezieht. Die besten sechs Angebote sind mindestens mit gut, die meisten mit sehr gut bewertet worden.

Die Ratingnoten von Franke und Bornberg:
FFF   hervorragend – eins plus
FF+   sehr gut – eins
FF     gut – zwei
FF-    befriedigend – drei
F+     noch befriedigend – drei minus
F       ausreichend – vier
F-      schwach – fünf
F--     sehr schwach – sechs

In der Rating-Note wird neben der reinen Erstattungshöhe auch noch der Umfang des Leistungsversprechens und die allgemeine Qualität des Bedingungswerkes bewertet.

Wie stark sind die Preise zuletzt gestiegen?

Bei Männern sind die Prämien von 2011 auf 2012 im Schnitt um vier Prozent in den betrachteten Tarifen gestiegen. Bei Frauen waren es sogar nur zwei Prozent. Dabei war jedoch ein Ausreißer dabei: Central mit 23 und 20 Prozent. Vielfach passierte nichts. Im Vergleich zu reinen Billigtarifen sind die Prämien zuletzt deutlich moderater gestiegen.

Wie sehr sinkt die Prämie bei schlechteren Leistungen?

Wer nur auf den Preis schaut, findet schon Angebote deutlich unter 200 Euro. Wer auf manche Leistungen nicht verzichten will, aber den Preis höher bewertet, ist mit 200 bis 300 Euro dabei. Im Vergleich zu den am besten benoteten Angeboten können preissensible Kunden also bis zu 200 Euro sparen.

Wer sind die besten Anbieter?

In der privaten Krankenversicherung blicken selbst Experten kaum noch durch, weil es so viele Tarife und Varianten gibt. Die Auswahl der Anbieter ist daher immer ein Glücksspiel, weil niemand weiß, welche Politik das Management langfristig verfolgt und wie starke Prämiensteigerungen dies bedingt. In dem vorliegenden Vergleich wurden Tarife mit günstigen Prämien und guten Ratingnoten aus einer Gesamtheit von 27 Angeboten herausgefiltert.

1. Gothaer

Prämie Mann: 299,48 Euro
Prämie Frau: 477,53 Euro

Tarife: MediVita, MediClinic, MediNaturaP, MediVitaZ90
Selbstbehalt:  250 Euro
Ratingnote: eins (FF+)
Erstattungniveau:  85 Prozent

2. R+V

Prämie Mann: 312,81 Euro
Prämie Frau: 365,38 Euro

Tarif: AGIL comfort
Selbstbehalt:  480 Euro
Ratingnote: eins (FF+)
Erstattungniveau: 71 Prozent

3. DKV

Prämie Mann:  326,73 Euro
Prämie Frau: 367,59 Euro

Tarif: Bestmed 4
Selbstbehalt: 400 Euro
Ratingnote: eins (FF+)
Erstattungniveau: 81 Prozent

4. Hallesche

Prämie Mann:  336,12 Euro
Prämie Frau: 468,34 Euro

Tarif: NK
Selbstbehalt: 600 Euro
Ratingnote: gut (FF)
Erstattungniveau: 74 Prozent

5. Axa

Prämie Mann:  346,03 Euro
Prämie Frau: 481,04 Euro

Tarife: Vital-N, 541-N
Selbstbehalt: 300 Euro
Ratingnote: eins plus (FFF)
Erstattungniveau: 88 Prozent

6. Deutscher Ring

Prämie Mann:  346,84 Euro
Prämie Frau: 445,73 Euro

Tarife: Esprit, PIT
Selbstbehalt:  450 Euro
Ratingnote: eins plus (FFF)
Erstattungniveau: 90 Prozent

Was kosten andere Alternativen zu reinen Billigtarifen?

Einige gut bewertete Offerten verlangen deutlich höhere Monatsprämien und zählen daher nicht zu den besten sechs. Die meisten höherwertigen Alternativen zu reinen Billigtarifen erhielten dagegen nur befriedigende Noten. Auch hier sind gewaltige Preisunterschiede zu beobachten – bei Männer von rund 300 Euro bis mehr als 450 Euro im Monat. Das günstigste Angebot liefert für Männer Huk Coburg mit einem Monatsbeitrag von 209 Euro. Bei Frauen lag die Continentale mit 290 Euro Monatsbeitrag an der Spitze. Beide Tarife werden aber von Franke und Bornberg nur mit drei Minus benotet.

Bei einem Mann etwa liegen die besten Offerten bei gut 300 Euro Monatsbeitrag – also etwa der Hälfte des Höchstbetrags, den Krankenkassen verlangen. Diese Prämie liegt jedoch 100 bis 200 Euro über den reinen Billigtarifen, von denen die meisten Experten abraten.

Viele dieser Einsteigertarife böten schlechte Leistungen und „können sich als kostenintensive Zeitbombe entpuppen“, warnt Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Die Krankenversicherer DKV und Central erlebten dies bereits.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.02.2012, 14:40 Uhr

Ich musste gerade schon sehr schmunzeln: Mitten in diesem Berichht tauchhte eine Werbeanzeige für eine dieser 59€-Krankenversicheurngsangebote auf.

Ich kenne diverse Makler in der KV-Beratung und kein einziger würde diesen Schrott anbieten. Wer will schon unzufriedene Kunden oder gar Haftungsrisiken???

Bremer

09.02.2012, 15:19 Uhr

diese "59,-€" Angebote sind Unfug.. hatte schon mehrmals solche Anzeigen angeklickt und genau diese Angebot angefragt.. entweder hies es "wir haben sowas nicht, Sie müssen sich Irren" ..oder es heisst dann "das war früher, jetzt haben wir das nicht mehr, unsere Marketingabteiltung hat es noch nicht umgestellt"
Auf Deutsch: ES SIND LOCKANGEBOTE! ..die Anbieter hoffen auf Kontakt der Kunden die selbst die Anbeiter anrufen damit die diesen etwas aufschwatzen können..

Ich

21.02.2012, 11:15 Uhr

Diese Anzeigen werden von Datensatzhändlern geschaltet - nicht von den PKV-Unternehmen. Für einen Interessenten-Datensatz zahlt man als Vermittler gut und gerne 150 bis 180 EUR.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×