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06.03.2012

10:37 Uhr

Handelsblatt-Tagung

Gleichberechtigung verteuert die Versicherung

VonMichael Detering

Versicherer müssen ein neues Risiko einpreisen: nämlich die „Gefahr“, dass der Kunde eine Frau ist und damit tendenziell länger lebt. Deshalb werden Verträge künftig für viele Versicherte teurer.

Mann oder Frau? Der Unterschied ist kaum zu erkennen - so wie künftig in den Tarifen der Versicherungsbranche. dpa

Mann oder Frau? Der Unterschied ist kaum zu erkennen - so wie künftig in den Tarifen der Versicherungsbranche.

DüsseldorfDer Blick in die Vergleichstabellen ist für manche Frau ernüchternd: Sie müssen für eine Rentenversicherung oft deutlich höhere Beiträge zahlen als Männer, um im Alter dieselbe monatliche Rentenzahlung zu erhalten. Das mutet vielleicht ungerecht an, hat aber aus Sicht der Versicherer einen einfachen Grund: Frauen leben länger – und beziehen somit länger die Rentenzahlungen.

Mit der Aufgliederung nach Mann und Frau ist spätestens ab dem 21. Dezember 2012 Schluss. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die Versicherer künftig für beide Geschlechter gleiche Tarife anbieten müssen. Was bedeutet das für Versicherungskunden? Wer sollte jetzt noch einen Vertrag unterschreiben, wer sollte lieber warten? Darüber diskutiert heute die Branche auf der Handelsblatt-Tagung "Assekuranz im Aufbruch".

Was Unisex für Versicherungen bedeutet

Urteil

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat den Versicherern untersagt, ihre Tarife weiterhin nach dem Geschlecht zu splitten.

Praxis

Bislang zahlten Frauen für Rentenversicherungen und in der privaten Krankenversicherung mehr als Männer, weil sie länger leben.

Geltung

Die Umstellung gilt nur für neue Verträge, nicht für Bestandskunden.

Streit

Viele Versicherer hatten sich gewünscht, dass auch die Bestandsverträge an die neuen Unisex-Regeln angepasst werden. In der Krankenversicherung dürfen nämlich Kunden von alten zu neuen Verträgen wechseln.

Zeitplan

Die Versicherer dürfen ab dem 21. Dezember 2012 nur noch Unisex-Tarife anbieten.

Schlussverkauf

Vor dem Stichtag gingen die Versicherer mit dem Thema Unisex auf Werbetour, um Kunden zu überzeugen, noch schnell eine für sie günstigere Police abzuschließen.

Unisex sofort

Es gab im vergangenen Jahr schon Versicherer, die Unisex-Tarife anboten - für die Kunden, die bei den bisherigen Tarifen benachteiligt wurden. Nun gibt es offiziell nur noch Unisex-Tarife - auch wenn die Versicherer nun versuchen, die Geschlechtersortierung über andere Kriterien indirekt weiter vorzunehmen.

Für Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten ist die Antwort klar: „Verbraucher sollten sich auf keinen Fall verrückt machen lassen, diese oder jene Versicherung jetzt noch schnell abzuschließen.“ Entscheidend sei, zunächst einmal die grundlegenden Fragen nüchtern abzuwägen, etwa ob man überhaupt eine Rentenversicherung abschließen will oder ob es sinnvoll ist, von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung zu wechseln. Falls ja, könne man sich überlegen, ob man mit dem jetzigen Tarif oder einem künftig angebotenen Unisex-Tarif günstiger fährt.

Gerichtsurteil: Rentenversicherungen für Männer werden teurer

Gerichtsurteil

Rentenversicherungen für Männer werden teurer

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshof könnte die Tarifsysteme der Versicherer revolutionieren. Höhere Prämien diskriminieren Frauen, auch wenn sie von höheren Leistungen profitieren. Männer müssen bald mehr zahlen.

Bei der privaten Rentenversicherung, der Berufsunfähigkeitsversicherung und der staatlich geförderten Rürup-Rente zahlen Frauen bisher höhere Beiträge für geringere monatliche Rentenzahlungen. Wenn die Versicherer dies nun angleichen müssen, erwarten viele Experten, dass es für Frauen nur ein bisschen günstiger, aber für Männer deutlich teurer wird.

Hier könnte sich also gerade für Männer noch ein rechtzeitiger Abschluss lohnen. Dies zeigte sich bereits bei der Riester-Rente: Bei dieser ebenfalls staatlich geförderten Rentenform gelten bereits seit 2006 Unisex-Tarife.

Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind die Beiträge der meisten Männer daraufhin gestiegen, im Gegenzug aber nur für wenige Frauen leicht gesunken - ein wichtiger Grund, warum das DIW in der aufsehenerregenden Studie zu dem Ergebnis kommt, dass sich die Riester-Rente für viele heute kaum noch lohnt.

Kommentare (10)

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Jacko

06.03.2012, 10:59 Uhr

Für alle teurer?
Alle???
Zwingend?

Plumpaquatsch!

Wenn eine solide Berechnung vorgelegen hat, die das alte Modell finanziell abdeckte, müssten für Frauen die Beiträge steigen, für Männer sinken, so dass für die Versicherung nicht mehr und nicht weniger heraus käme.

Der Versicherungskunde wird verarscht, wenn ihm eingeredet wird, dass die Gesetzesänderung Mehrkosten verursacht.

Das nur mal so, zur Kundenfreundlichkeit dieser Gier-Grabscher.

Hauptsache die Boni stimmen, da ist das Pack nicht besser, als unsere von uns bezahlten Bankräuber die Boni Bänker, die sich ob soviel Doofheit im Volke totlacht.

Generell gilt bei diesem gewissenlosen Pack:
Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.

Wird Zeit, dass die Bevölkerung diesen Bodensatz der Menschheit einmal richtig zurechtstößt.

Galbadon

06.03.2012, 11:37 Uhr

Es ist schon so: auch zur Zeit ist die Rendite, die Frauen mit Rentenzahlungen erzielen, höher als die der Männer - und das diese Schere wird bei den Unisex Tarifen noch weiter auseinandergehen. Männer müssen also die höhere Lebenserwartung der Frauen mitfinanzieren - und zahlen also den doppelten Preis für die schlechtere Gesundheitspolitik für Männer (Vorsorge). Das kann es ja wohl nicht sein, zumal Frauen bei den Rentenzeiten ja nicht nur Kindereziehungszeiten angerechnet bekommen, sondern, wegen der höheren Lebenserwartung auch noch die "Witwenrente". Europa, einig Frauenland. Und Mänenr müssen, wie seit Jahrhunderten, dafür zahlen. Seltsame Emanzipation, seltsame Gleichberechtigung und seltsame Wirtschaftkriterien.

gast99

06.03.2012, 12:11 Uhr

Hätte man es anders erwarten können? Ich denke nicht.
Es ist doch wie immer, eine gute Sache (in diesem Fall die Gleichberechtigung) wird genutzt um die Versicherten etwas mehr zu schröpfen, die argumentation mit der Risiko kann ich ja noch verstehen, aber das man für das vorher schon kalkulierte Risiko (Frauen werden älter) jetzt nochmal ein Risiko (Frauen werden älter und wir müssen Männer und Frauen in einen Vertrag erfassen) draufschlägt ist schon geil.

Und zum Thema Arbeitsunfähigkeitsversicherung, hier wurde mir von mehreren Versicherung gesagt (ich, Großhandelskaufmann mit Rückenleiden):
"Wir können Sie gerne Versichern, aber bei Ihrem Krankheitsbild müssen wir die Prämie erhöhen (um 150% - 200%). Und ob im Fall der Fälle eine Zahlung erfolgt muss dann Individuell entschieden werden."
Heißt also, zahle man und wenn dann was passiert stehste doch mit dem Finger in der Nase da.

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