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21.07.2016

13:14 Uhr

Handelsblatt testet

Rürup-Renten im Vergleich

VonAnke Rezmer

Versicherungen bieten bei der Rürup-Rente viele Tarife an, deren Leistungen sich deutlich unterscheiden. Das Analysehaus Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt die unterschiedlichen Angebote verglichen.

Senioren im Schlosspark Pillnitz in Sachsen: Wer seinen Ruhestand genießen will, muss vorsorgen. dpa

Das Alter genießen

Senioren im Schlosspark Pillnitz in Sachsen: Wer seinen Ruhestand genießen will, muss vorsorgen.

FrankfurtViele Menschen fürchten das Alter – auch mit Blick auf ihr finanzielles Dasein. Das zeigte erst wieder eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Bank in Deutschland. Demnach hat die Mehrheit der Menschen im Land Angst vor Armut im Alter. Zugleich finden mehr als 80 der Befragten, dass „die Notwendigkeit, sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern, niemals aufhört“.

Das gilt in besonderem Maße für Selbstständige und Freiberufler, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen, daher meist auch keine gesetzliche Rente beziehen. Vor allem für diese Gruppe hat der Gesetzgeber die Rürup- oder Basis-Rente mit einer umfangreichen steuerlichen Förderung geschaffen.

Glossar zur Rentenreform

Altersarmut

Rund 536 000 Menschen erhalten Grundsicherung im Alter. Künftig dürfte Altersarmut weiter zunehmen, weil mehr Arbeitnehmer gebrochene Erwerbslaufbahnen haben und nicht durchgängig in die Rentenkasse einzahlen. Auch viele Alleinerziehende und Selbstständige ohne ausreichende Eigenvorsorge sind betroffen. Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Axel Reimann, fordert, Selbstständige ohne Altersvorsorge sollten obligatorisch in der Rentenversicherung abgesichert werden.

Betriebsrente

Rund 40 Prozent der Beschäftigten haben keine Betriebsrente. Arbeitgeber könnten - so diskutiert das derzeit die Koalition - verpflichtet werden, den Arbeitnehmern Angebote zu machen. Geringverdiener könnten mit einem Förderbetrag stärker unterstützt werden. Kleinen und mittleren Unternehmen könnten die Risiken mittels kollektiver Haftungslösungen genommen werden. Die Koalition mildert vielleicht auch das Problem doppelter Krankenkassenbeiträge auf Beiträge und Erträge ab.

Erwerbsminderung

Erst ab 63 ist die Rente wegen Erwerbsminderung aus gesundheitlichen Gründen ohne Abschläge möglich. Vorher werden bis zu 10,8 Prozent abgezogen. Vielfach führt Erwerbsminderung zu Armut: Knapp 502 000 Menschen mit Erwerbsminderung erhalten Grundsicherung. Die Opposition fordert die Abschaffung der Abschläge.

Flexi-Rente

Wer bereits mit 63 in Teilrente geht, soll laut einem rot-schwarzen Gesetzentwurf mehr vom Zuverdienst behalten können. Bei der Teilrente mit 63 wird die Rente ab einer Zuverdienstgrenze von 450 Euro heute stark gekürzt. Stärker lohnen soll sich aber auch das Arbeiten über die reguläre Altersgrenze hinaus. Dafür sollen die Arbeitnehmer Rentenbeiträge zahlen können, die dann zu einer Steigerung der Rente führen. Heute zahlen Arbeitgeber bei Beschäftigung eines Rentners den Arbeitgeberanteil, ohne dass das die Rente steigen lässt.

Lebensleistungsrente

Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will die versprochene Aufwertung kleiner Renten bald auf den Weg bringen. Bis zu fünf Jahre Arbeitslosigkeit sollen angerechnet werden. Eine Krux dabei: Viele Bezieher von Kleinrenten leben in gut situierten Haushalten, etwa wenn der Ehemann gut verdient hat. Deshalb sollen laut Nahles die Partnereinkommen berücksichtigt werden.

Ost-West-Angleichung

Ende 2019 soll die Angleichung der Ost- an die Westrenten kommen. Die Standardrente nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittslohn liegt in den neuen Ländern bei 1217 Euro - 97 Euro unter dem Westwert. Doch käme die Angleichung konsequent, hätte das negative Folgen für die künftigen Ostrentner. Denn bei der Rentenberechnung werden die Ostlöhne heute noch aufgewertet.

Rentenalter

Es soll auf 67 bis 2029 steigen. Weil immer weniger Einzahler in die Rentenkasse künftig für immer mehr Rentenbezieher aufkommen müssen, werden Forderungen nach einer Anhebung des Rentenalters immer lauter. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) etwa ist für eine Kopplung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung.

Rentenniveau

Heute liegt es bei rund 48 Prozent - unter 43 Prozent darf dieses Verhältnis von der Standardrente zum Durchschnittslohn bis 2030 laut Gesetz nicht fallen. Doch das schützt immer weniger vor Altersarmut. Immer mehr Politiker aus allen Parteien fordern eine Stabilisierung, die Linke will mit 53 Prozent hier am meisten.

Riesterrente

Gut 16 Millionen Bürger haben einen Riester-Vertrag. In knapp einem Fünftel der Verträge fließt aber kein Geld mehr. Nur gut jeder Zweite schöpft die staatliche Förderung voll aus. Der DGB fordert bereits, die Riesterrente auslaufen zu lassen. Vertrauensschutz würde es nur für laufende Verträge geben. Allerdings dürften die Politik der Eigenvorsorge künftig auf der einen oder anderen Weise eher eine bedeutendere als eine kleinere Rolle zumessen, wie man von Politikern oft hört.

Zusatzrente

Angesichts der Schwächen von Riester- und Betriebsrenten gewinnt die Vorstellung einer einfacheren zusätzlichen Absicherung mit staatlicher Garantie immer mehr Anhänger. Aus der hessischen Landesregierung kam der Vorstoß für eine Deutschlandrente - ein einfaches Standardprodukt für jedermann. Jeder Arbeitnehmer soll über vom Arbeitgeber abgezwackte Beiträge in einen zentralen Fonds einzahlen  - sofern sie gegenüber dem Arbeitgeber nicht aktiv widersprechen.

Interessierte sollten aber genau prüfen, ob diese Form der geförderten privaten Altersvorsorge zu ihnen passt, mahnen Verbraucherschützer immer wieder. Denn die im Jahr 2005 vom Ökonomie-Professor und früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup entwickelte Vorsorgeform bietet dem Vertragsinhaber zwar eine hohe Steuer-Förderung. Doch die Rürup-Rente zwängt ihn auch in ein starres Korsett von Bedingungen.

Bis zu 22.767 Euro – dem Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung – können pro Jahr steuerfrei in einen Basisrenten-Vertrag eingezahlt werden. Verheiratete dürften das Doppelte einzahlen. Die steuerliche Absetzbarkeit steigt in Stufen an bis zum Jahr 2025. 2016 kann jeder 82 Prozent als Vorsorgeaufwendung von der Steuer absetzen, also maximal 18.669 Euro. Die Rürup-Rente wird nachgelagert – also im Rentenalter besteuert, genauso wie die gesetzliche Rente. Die Vorsorgeform ist also als Wette darauf zu verstehen, dass der persönliche Steuersatz im Alter niedriger ist als aktuell.

Rentendiskussion: Taschenspielertricks und Zahlensalat

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Taschenspielertricks und Zahlensalat

In der aktuellen Debatte über die gesetzliche Rente und drohende Altersarmut geht es mächtig durcheinander. Besonders pikant: Selbst eine von Bundesregierung und Rentenversicherung genutzte Zahl ist falsch.

Für das üppige Steuerbonbon bindet sich ein Versicherter aber ein Leben lang an seinen Rürup-Vertrag. Denn er zahlt mindestens bis zum Alter von 62 Jahren ein, ausgezahlt wird die Basis-Rente nur als Rente. Der Gesetzgeber schreibt die Basisrente als Leibrente vor, der Versicherte baut also eine Anwartschaft auf eine Rentenversicherung auf. Dies kann er über eine klassische Rentenversicherung machen, eine fondsgebundene oder gemischte Rentenpolice oder einen Fondssparplan.

Zu Beginn der Auszahlphase fließt das Kapital aus allen Varianten in eine Rentenversicherung. Die Rürup-Rente ist nicht kündbar, nicht beleih- und veräußerbar. Allerdings muss das angesparte Kapital bei Arbeitslosigkeit nicht aufgebraucht werden, bevor man Arbeitlosengeld II bekommt, und es ist Hartz IV sicher. Die Rürup-Rente ist nicht übertragbar und grundsätzlich nicht vererbbar. Oft vereinbaren Versicherte aber einen Todesfall- und Hinterbliebenenschutz.

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