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30.09.2016

15:07 Uhr

Höhere Stromkosten

EEG-Umlage steigt auf bis zu 7,3 Cent

Dier EEG-Umlage wird 2017 wohl um bis zu 15 Prozent steigen. Ein Drei-Personen-Haushalt könnte pro Jahr dann 35 Euro mehr zahlen müssen. Die Grünen nehmen Wirtschaftsminister Gabriel in die Pflicht.

Wegen einer steigenden EEG-Umlage müssen sich Verbraucher 2017 auf deutlich höhere Stromkosten gefasst machen. dpa

Stromkosten

Wegen einer steigenden EEG-Umlage müssen sich Verbraucher 2017 auf deutlich höhere Stromkosten gefasst machen.

BerlinEs wird immer klarer: Die Verbraucher werden im kommenden Jahr deutlich mehr für Strom zahlen müssen. Neben dem Netzentgelt wird auch die Umlage zur Förderung der Öko-Energie kräftig steigen, wie am Freitag die „Bild“-Zeitung berichtete. Möglich ist demnach ein Anstieg der Umlage um fast 15 Prozent auf bis zu 7,3 Cent. Das wären im Jahr etwa 35 Euro für einen Drei-Personen-Haushalt.

Die „Bild“-Zeitung berief sich auf Regierungskreise und Kreise der Bundesnetzagentur. Die Behörde in Bonn erklärte, an Spekulationen beteilige sie sich nicht – die Zahl werde am 15. Oktober veröffentlicht. Zur Zeit fließen noch die letzten Daten in die Berechnung ein.

Ende Juli hatte schon die Denkfabrik Agora Energiewende gemeldet, die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werde 2017 auf 7,1 bis 7,3 Cent steigen. Derzeit liegt die Umlage bei 6,35 Prozent. Ursache für den Anstieg seien die seit Jahren sinkenden Börsenstrompreise.

Die seit dem Jahr 2000 erhobene EEG-Umlage soll den Ausbau der erneuerbaren Energien finanzieren. Hintergrund ist die Verpflichtung der Übertragungsnetzbetreiber, angebotenen Strom aus erneuerbaren Energien nicht nur abzunehmen, sondern auch weitgehend zu festen Preisen zu vergüten. Die Netzbetreiber verkaufen den Strom dann an der Börse. Die Differenz zwischen den Vergütungssätzen und dem Börsenpreis soll mit der EEG-Umlage ausgeglichen werden.

In der vergangenen Woche hatte bereits die beiden Netzbetreiber Tennet und 50 Hertz angekündigt, die Netzentgelte für die Stromkunden würden 2017 stark steigen. Tennet errechnete zusätzliche Kosten von 30 Euro im Jahr für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt. Hintergrund sind die großen Investitionen in den - seit Jahren stockenden - Netzausbau in Zusammenhang mit der Energiewende.

Fragen und Antworten zur Förderung der erneuerbaren Energien

Was ist die EEG-Umlage?

Rund 45 Prozent des Strompreises machen bereits Steuern, Abgaben und Umlagen aus - im Fokus steht besonders die sogenannte EEG-Umlage. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze festgelegt. Daher ist mit einem raschen Sinken der Förderkosten vorerst nicht zu rechnen.

Wie werden die Vergütungssätze berechnet?

Gezahlt wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für den Hersteller und dem tatsächlich am Markt erzielten Preis. Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert.

Was ist das Quotenmodell?

Beim Quotenmodell müssen Energieversorger einen bestimmten Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen liefern - notfalls durch Zukauf von Ökostrom bei Betreibern von Wind- oder Solarparks. Wie sie das anstellen ist nebensächlich, Hauptsache sie erfüllen die Quote. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Bisher haben etwa Großbritannien und Schweden das Quotenmodell umgesetzt.

Netzentgelte machen etwa ein Fünftel des Strompreises für Stromkunden aus, die EEG-Umlage ebenfalls. Die Umlage ist seit ihrer Einführung im Jahr 2000 kontinuierlich und teils stark angestiegen. Einzig im Jahr 2015 gab es einen kleinen Rückgang von damals 6,24 auf 6,17 Cent.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer forderte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zu einer Senkung der Strompreise für private Verbraucher auf. Diese müssten endlich von den Kostensenkungen durch die Erneuerbare Energien profitieren, erklärte er. Gabriel wolle sich mit dem Anstieg der Umlage „anscheinend ein dickes Polster zulegen, um zukünftig weitere Industriekonzerne von der Umlage zu befreien“.

Von

afp

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