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29.12.2015

14:01 Uhr

Immobilien, Tagesgeld, Sparbuch

Die Deutschen sind mit ihrer Geldanlage zufrieden

VonFrank Matthias Drost

Trotz Niedrigzinsen mögen es die Deutschen bei der Anlage risikolos – laut einer Studie sind neben Immobilien sichere Sparguthaben weiter gefragt. Überraschend: Sie sind damit zufrieden. Der Bankenverband ist besorgt.

Tagesgeld ist weiterhin gefragt. Imago

Zufriedene Anleger

Tagesgeld ist weiterhin gefragt.

BerlinDie guten Vorsätze der Deutschen bei der Geldanlage stehen. Im kommenden Jahr würden Anleger am liebsten in Immobilien investieren, wenn sie die dafür nötigen Finanzmittel hätten. In einer repräsentativen Umfrage des privaten Bankenverbandes, die die GfK Nürnberg durchführte, sprachen sich 37 Prozent für diese Anlageform aus. Das ist wohl den nach wie vor günstigen Zinsen für Immobilienkredite geschuldet.

Nicht lassen können die Deutschen außerdem vom Tages- und Festgeld. Diese Anlageformen folgen mit jeweils 28 Prozent an zweiter Stelle. Die Niedrigzinsen machen das Sparen offensichtlich nicht unattraktiv. Denn an dritter Stelle kommt bei den Deutschen das Sparbuch.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Überrascht zeigt sich der Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbands, Michael Kemmer, darüber, wie die Deutschen ihre Geldanlagen 2015 beurteilen. Denn jeder zweite zeigt sich mit der Wertentwicklung seiner Anlage zufrieden. Damit habe die Zufriedenheit im Vorjahresvergleich leicht zugenommen.

Liegt das etwa daran, dass Deutsche stärker der Aktie vertrauen? Mitnichten. Mit 31 Prozent setzten die meisten Deutschen auf das klassische Sparbuch, 24 Prozent auf Tagesgeld – Produkte, die so gut wie keine Rendite brachten. Erst an dritter Stelle rangieren Fondsanteile. Unterm Strich stellt der Bankenverband fest, dass 2015 nur noch 48 Prozent Geld angelegt haben, 2014 waren es noch 57 Prozent. Besonders die 30 bis 30-Jährigen und Senioren zeigten sich enthaltsam.

Für den Bankenverband sind das alarmierende Ergebnisse. „Die strikte Risikoaversion ist fatal, eine Rendite nahe null reicht für den langfristigen Vermögensaufbau nicht aus“, warnt Kemmer. Schließlich müssen die Deutschen zukünftig wesentlich stärker selbst Vorsorge betreiben, um im Alter ihren Lebensstandard halten zu können. Der Bankenverband will die Deutschen nicht zum Kauf von Aktien drängen, aber eine gute Risikomischung könne die Rentabilität der eigenen Geldanlage erhöhen.

  

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