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28.01.2010

07:40 Uhr

Interview

„Die Preispolitik ist sittenwidrig“

VonJens Hagen

Verbraucherschützer Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert die Gebührenpolitik der Banken scharf, kündigt Widerstand an und verrät, wie sich Kunden jetzt verhalten sollten.

Frank-Christian Pauli, Bankenexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband kündigt Widerstand an. Pressebild

Frank-Christian Pauli, Bankenexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband kündigt Widerstand an.

Herr Pauli, die Banken habe die Gebühren für das Abheben deutlich erhöht. Ist das aus ihrer Sicht gerechtfertigt?

Nein, überhaupt nicht. Schon im vergangenen Jahr sind die Sätze angestiegen. Es gibt offenbar kein Limit mehr. Die jetzige Erhöhung werden wir so nicht hinnehmen.

Was möchten sie tun?

Wir werden prüfen wie wir gegen diese Gebühren vorgehen können. Der Vorgang kostet die Banken nur ein paar Cent. Sätze von bis zu zehn Euro sind daher völlig überhöht. Es besteht der Verdacht auf sitten- und wettbewerbswidrige Preispolitik.

Die Banken rechtfertigen sich, dass andere Institute ihnen Sätze von bis zu zwanzig Euro in Rechnung stellen, wenn der Kunde an ihren Automaten Geld zieht.

Das stimmt, die Banken führen gerade einen Konkurrenzkampf auf Kosten der Kunden. Es ist mir völlig schleierhaft, dass die Wettbewerbsbehörden das nicht längst untersagt haben.

Was können Kunden gegen die Gebührenerhöhung ausrichten?

Leider nicht viel. Wer sein Institut wechselt, kann sich leider nicht sicher sein, dass die neue Bank nicht nach einigen Monaten auch erhöht. Grundsätzlich sollten Kunden bei der Wahl des Instituts auf die Gebühren und die Verfügbarkeit von Automaten achten. Einige Direktbanken bieten ihren Kunden auch die Möglichkeit, gratis via Kreditkarte abzuheben, allerdings hatte das schon zur Folge, dass einige Kunden mit den Kreditkarten kein Geld mehr am Fremdautomaten bekamen.

Kommentare (2)

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Andreas

28.01.2010, 13:06 Uhr

Der Artikel ist doch gar nicht korrekt. Es werden verschiedene Tatschen miteinander vermischt, um ein reißerisches Thema zu haben.

Fakt ist doch, dass die banken nicht die Gebühren für Geldabhebungen ihrer eigenen Kunden erhöht haben. Das ist bundesweit bei fast allen bankengruppen kostenlos.

Richtig ist, dass banken die Gebühren für die Automatennutzung von Nichtkunden erhöht haben.

Wo ist das Problem? Die banken mit dem größten Automatennetz haben i.d.R. mehr oder weniger hohe Kontoführungsgebühren. Das Abheben bei anderen banken der selben Gruppe ist kostenfrei möglich.

Wenn ich auf die infrastuktur einer bank verzichte, weil ich meine, bei einer Direktbank billiger zu fahren, muss ich halt damit rechnen, dass andere sich nicht ausnutzen lassen.

Eine Abhebung kostet nicht 0,60 EUR. Ein Geldautomat muss angeschafft, gewartet und repariert, befüllt, versichert, ... werden. Direktbanken können sich ja Plätze anmieten und ein dichtes Geldautomatennetz errichten.

Aber der Artikel passt in die Rubrik: Geiz ist geil! Es muss alles kostenlos sein.

deri

28.01.2010, 16:44 Uhr

Manchmal verstehe ich meine Mitbürger nicht.
Wenn ich ein Konto bei einer Sparkasse oder Volksbank unterhalte stehen mir -jeweils getrennt- zig tausende von Automaten, kostenlos in ganz Deutschland zur Verfügung. Natürlich war dies ein Aspekt für meine Entscheidung, wo ich mein Girokonto unterhalten will. Mir ist auch klar, dass Geldautomaten in der Anschaffung und im Unterhalt Geld kosten, dies kalkuliert die bank in den Kontopreis mit ein. Wenn nun einzelne Direktbanken das Girokonto zum Null-Tarif anbieten und gleichzeitig keine nennenswerten Stückzahlen an Geldautomaten betreiben ist mir klar, wie andere banken die dann den Geldservice für deren Kunden übernehmen, auf dieses Schmarotzertum reagieren.
Aber das wichtigste Argument ist für mich, dass jeder Kunde doch wohl selbst entscheiden kann, ob und an welchen Geldautomaten er geht. Es zwingt mich doch keiner meine bankenkarte in einen Sparkassenautomaten zu stecken. Sind wir nun mündige bürger oder nicht?
Nun zum Thema sind die bürger (wir alle) überrascht und wurden wir nicht informiert? bevor ich meine Karte in einen fremden Geldautomaten stecke schaue ich mal etwas genauer was dort meistens neben der Tastatur oder dem Eingabeschlitz steht. Oh Wunder, dort werde ich informiert das die Dienstleistung kostenpflichtig ist und man teilt mir auch mit, wo ich mehr erfahre zu den Preisen. Das wir im Herbst letzten Jahres so mit informationen der banken zugemüllt wurden verdanken wir dem europäischen Konstrukt der Zahlungsdienste Richtlinie kurz PSD genannt. Unsere lieben Verbraucherschützer auf der EU Ebene haben sich hier mal kräftig ausgetobt. Sorry lieber bürger dass Du das nicht begriffen hast was dort auf zig Seiten steht, aber das ist wohl EU-Recht. Jetzt zu maulen oder den banken das unter zu schieben ist, liebe Handelsblatt Redaktion, etwas schlecht ermittelt.
Und besonders hier empfehle ich den geneigten Lesern mal einen blick in diese staatlich verordnete Richtlinie. Jawohl dort steht, bei den neuen SEPA Lastschriften ist eine Rücklastschriftgebühr ausdrücklich geregelt und somit zukünftig erlaubt. bin mal gespannt, wer hier die besseren Karten zukünftig besitzt, der bGH oder der europäische Gerichtshof.

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